Der Tatsachenbericht

Neben anderen Büchern fand ich in der Nationalbibliothek ein Buch mit dem Titel »Tatsachenbericht aus der Ewigen Welt für alle Völker der Erde«, das ich von nun an kurz »Tatsachenbericht« nennen werde. Es handelte sich hierbei um eine Schrift, die über ein Schreibmedium namens Griesmayer zustande kam. Als Verfasser gab sich ein Mann namens Johannes aus, der behauptete, ständiger Begleiter Christi gewesen zu sein. Im Auftrag aller Jünger Christi bemühte er sich darum, die Wahrheit über das Leben und die Lehre Christi wiederzugeben und wiederherzustellen.

Der Tatsachenbericht beeindruckte mich sehr schnell aus mehreren Gründen:

Erstens formulierte er den Glauben als Unwissenheit und die Erkenntnis der Wahrheit als Voraussetzung für wahre Nächstenliebe. Nach den enttäuschenden Erfahrungen mit gläubigen Menschen war das Balsam auf meine noch offenen Wunden.

Zweitens erklärte er die Entstehung der Welten im Sinne der Evolution. Offene Fragen beantwortete er logisch und vernünftig und nicht so märchenhaft und widersprüchlich wie die Kirche.

Drittens machte er verständlich, warum Christus gehasst und an das Kreuz genagelt wurde. Christus habe den Gott der Juden als böse und grausam bezeichnet und die jüdischen Schriften als Lügengebäude. Dadurch habe er sich immer mehr den Zorn der jüdischen Oberen auf sich gezogen, die nach Möglichkeiten suchten, ihn zu beseitigen.

Viertens sprach der Bericht von den Essenern, von denen Christus in Wirklichkeit gekommen sei. Ausgerechnet einige Jahre später wurden in Qumran am Toten Meer bei Jerusalem zahlreiche Schriftrollen gefunden, die die Bedeutung der bisher nur beiläufig erwähnten Essener hervorhoben. In wissenschaftlichen Kreisen begann man zu rätseln, ob Christus nicht doch ein Nichtjude gewesen sei und von einer jüdischen Essener-Sekte abstamme.

Fünftens bestätige der Tatsachenbericht, dass eine Verständigung zwischen Diesseits und Jenseits möglich sei. Weder der Herausgeber des Tatsachenberichtes, ein gewisser Franz Woller aus dem siebenten Wiener Gemeindebezirk, noch der Schreiber Griesmayer hätten den Tatsachenbericht verfassen können, da beiden die wissenschaftliche Ausbildung fehlte.

Nach dem Rausschmiss aus der Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums empfand ich also wieder erhebende Gefühle. "Welch eine Freude", dachte ich, "wenn der Bericht wirklich wahr wäre, wenn es wirklich möglich wäre, Botschaften aus der Vergangenheit zu erhalten! Ich wollte, ich musste es herausfinden!

Zunächst versuchte ich zu prüfen, ob der Inhalt des Tatsachenberichtes tatsächlich das geistige Werk eines oder mehrerer jenseitiger Wesen war. Dazu suchte ich zunächst den Herausgeber Franz Woller auf und stellte bald fest, dass der ältere Herr, der von Beruf Polizist war, nicht der Verfasser des Werkes sein konnte. Man brauchte kein Sprachwissenschaftler zu sein, um den enormen stilistischen und grammatikalischen Unterschied zwischen dem von Woller verfassten langen Vorwort und dem Rest des Buches festzustellen. Ein solcher Bericht konnte vielleicht von einem Gelehrten der Geschichte geschrieben worden sein, wenn er auch viel über Entwicklungsgeschichte, Physik, Geographie und andere Fächer gelesen und nachgedacht hatte.

Woller erzählte mir, dass ein gewisser Raimund Kubasek in den zwanziger Jahren einen Verein gegründet habe, um parapsychologische Phänomene zu erforschen, insbesondere die Frage, ob es ein Weiterleben gebe. Im Geiste der Erkenntnis versuchte er, durch ein Medium Informationen zu erhalten, die er auch erhielt. Dr. Josef Griesmayer, der Sohn des Mediums, schrieb mir dazu in einem Brief vom 5. Oktober 1993:

„Bruder Raimund (alle Vereinsmitglieder betrachteten sich als Geschwister) fand aus seinem Berufskreis ein Medium. Die anfangs guten Ansätze nutzten irrende Wesen aus und verlangten wieder den Glauben. Bruder Raimund ging darauf nicht ein und hielt den sich kundgebenden Wesen ihre Lügen vor. So kam es zum Bruch mit dem Medium, und ein Großteil der Vereinsmitglieder ging mit dem Medium mit und gründete einen neuen Verein. Bei Bruder Raimund verblieb nur ein kleiner Teil. Er suchte ein neues Medium. Mein Vater hatte mediale Fähigkeiten (er konnte Erdstrahlen und menschliche Körperstrahlen ohne Hilfsmittel mit bloßer Hand spüren), so bot er sich Bruder Raimund als Medium an. Die Schulung zum Sprech- und Schreibmedium war mühevoll, und ich konnte als Kind die ganze Entwicklung miterleben, da sich dies alles in unserer kleinen Wohnung abspielte. Durch das Suchen der Wahrheit und die kritische Befragung kamen auch Geisteswesen, welche die gestellten Fragen wissenschaftlich präzise beantworten konnten. Schließlich das Angebot, dass ein Zeuge der Geschehnisse vor ca. 2000 Jahren, nämlich Johannes der Jüngere, einen Bericht über Christus, sein Leben und seine Lehren niederschreiben würde.“

Kubasek lebte zum Zeitpunkt meiner Recherchen schon lange nicht mehr, so dass ich seine Persönlichkeit nur aus den Aussagen derer, die ihn kannten, und aus seinen Schriften beurteilen kann. Zur Zeit der Abfassung dieser Arbeit habe ich mir wieder einmal seine Werke aus der Österreichischen Nationalbibliothek ausgeliehen und dabei immer mehr den Eindruck gewonnen, dass Raimund Kubasek ein aufrichtiger Wahrheitssucher und ein offener und ehrlicher Mensch gewesen sein muss. Er gründete den »Kosmologischen Klub im dritten Wiener Gemeindebezirk« und bemühte sich, »Licht in das Dunkel der Geheimwissenschaften« zu bringen. In zahlreichen Experimenten versuchte er, die Wahrheit über den Verkehr mit dem Jenseits und das Weiterleben herauszufinden.

Kubasek veröffentlichte 1922 seinen »Lichtstrahl in das Dunkel der Geheimwissenschaften«, einige Zeit später kam es zum Bruch zwischen Kubasek und den Jenseitigen, da Kubasek die Glaubenslehren nicht annehmen wollte und die Erkenntnis der Wahrheit forderte. Er baute daraufhin das Medium Griesmayer auf und empfing die medialen Durchgaben. Das Medium Griesmayer, das ich gemeinsam mit Herrn Woller aufsuchte, bestätigte Wollers Aussagen. Griesmayer war zu diesem Zeitpunkt bereits über achtzig Jahre alt und konnte schon seit Jahren nicht mehr als Schreibmedium verwendet werden. Griesmayer war ein liebenswürdiger Mann, der mir einige Erlebnisse erzählte, so zum Beispiel, wie er einmal als Straßenbahnfahrer durch die Straßen Wiens fuhr, ohne sich dessen bewusst zu sein. In der Nacht habe er sich hingesetzt, die Hand habe Bleistift und Papier genommen und zu schreiben begonnen. Am Morgen habe er sich dennoch ausgeruht gefühlt und über das Geschriebene gestaunt. Kubasek nahm die Durchschläge an sich und fertigte mit der Schreibmaschine einige Exemplare an.

Jahre vergingen, ich grübelte, studierte, diskutierte und verglich mit anderen Büchern. Es gab Momente, in denen ich glaubte, die Wahrheit erkannt zu haben, dann fand ich wieder einen wunden Punkt und die Suche ging weiter. Tage der Verzweiflung kamen und viele Jahre später - ich lebte bereits in Amaliendorf - kam der Tag, an dem ich den Tatsachenbericht in den Ofen warf. Ich hatte genug, ich wollte mich befreien, ich sah den Tatsachenbericht als widerlegt an und hielt es für notwendig, reinen Tisch zu machen.

Ich konnte das Papier vernichten, aber nicht die Gedanken in mir. Weitere Jahre vergingen, und ich bat meinen Bruder Richard um den Tatsachenbericht, den ich ihm einmal geschenkt hatte. Reifer geworden, glaubte ich, die Dinge wieder etwas klarer zu sehen. Wieder war ich nahe daran, den Tatsachenbericht anzunehmen. Da rief mich ein Dr. Paulus an, der den Tatsachenbericht inzwischen in Buchform herausgegeben hatte. Ich traf auch wieder den Sohn des Mediums, Dr. Griesmayer, und einen anderen Arzt, der mit Paulus befreundet war. Nun kam die endgültige Befreiung vom Tatsachenbericht schneller, als ich ahnen konnte. Paulus und sein ihm ergebener Freund waren zu keiner Diskussion bereit, ich sah noch einmal gewisse praktische Auswirkungen der im Tatsachenbericht enthaltenen Lehren. In versammelter Runde forderte ich noch einmal im Geiste des Tatsachenberichtes dazu auf, nichts, auch nicht den Tatsachenbericht, als gegeben hinzunehmen, sondern weiter zu forschen und immer offen zu sein:

Was hat es für einen Sinn und Wert, dieses neue Buch als eine Art neue Buchreligion anzunehmen und zu verbreiten? „Einige Aussagen des Berichtes sind unsicher, und nichts von dem, was für die Zukunft vorausgesagt wurde, ist bisher tatsächlich eingetreten!“

„Sie müssen den Bericht nicht so wörtlich nehmen, lieber Sauerschnig“, erklärte Paul ohne eine Spur von Unsicherheit. „Es wird lange dauern, bis die Menschen den Geist des Tatsachenberichtes verstanden haben!“

„Aber im Tatsachenbericht steht geschrieben, dass der Geist der Wahrheit nach 2000 Jahren wieder auferstehen wird, dass einige Menschen ihn erkennen und der Menschheit weitergeben werden. Einige Völker werden das Erkannte annehmen und dann auch die anderen. Friede und Wahrheit werden einziehen in diese Welt!

„Lieber Sauerschnig, ich schätze es, dass Sie den Tatsachenbericht so genau nehmen, aber Sie sehen zu eng. Ich habe die geistige Größe, diese Dinge richtig zu sehen. Alles wird kommen, nicht zu unserer Zeit, vielleicht in ein paar hundert Jahren. Haben Sie mein Buch darüber gelesen?“

Wenn von geistiger Größe die Rede war, reagierte ich schon sehr negativ. Auch Woller hielt sich für einen großen Mann, er sprach davon, dass sein geistiger Blick bis in die Ewigkeit reiche, auch er hielt sich für einen großen Geist, weil er angeblich ein geistiges Erlebnis mit Christus gehabt hatte. Aber so wie ich ihn kennengelernt hatte, war er kaum mehr als durchschnittlich intelligent. Die Bücher und Büchlein, die er eifrig schrieb, waren so abstoßend, dass ich höchstens ein Durchblättern schaffte.

Im Tatsachenbericht war nicht die Rede davon, dass der Tatsachenbericht vielleicht erst in einigen hundert Jahren angenommen würde. Schon Woller zeigte sich enttäuscht darüber, dass trotz seiner Bemühungen, trotz der vielen Bücher, die er versandt hatte, nichts geschah. Selbst Kubasek, so Woller, sei im Unfrieden mit den Jenseitigen gestorben.

Damals wusste ich schon, wie leicht sich die Menschen irren und wie die Zeit ihre Vorstellungen verändern kann. Ich vermute, dass es nicht nur genügend Geisteswesen im Jenseits gibt, die sich allen Erstes für Napoleon halten, sondern ich habe auch von Dutzenden gehört, die sich für Jesus, Christus oder Jesus Christus ausgeben, ohne zu merken, welche Banalitäten sie meistens von sich geben.

Ich muss selbst feststellen, dass ich immer wieder Schwierigkeiten habe, mich genau an Ereignisse und Gespräche vor 25 und mehr Jahren zu erinnern, so dass ich regelmäßig Zitate nur sinngemäß und selten wörtlich wiedergeben kann. Mit jedem neuen Jahr verblassen die Erinnerungen, und ich möchte lieber nicht wissen, was ich nach weiteren 25 Jahren schreiben würde - trotz des Bemühens, in jedem Fall die Wahrheit zu sagen.

"Wir müssen darüber reden, ob der Tatsachenbericht von Wesen verfasst wurde, die sich ihres Irrtums nicht bewusst waren, so unvorstellbar uns das auch erscheinen mag. versuchte ich zu argumentieren. „Wir wissen nicht, wie die Ereignisse vor 2000 Jahren aufgezeichnet wurden. Haben die Wesen im Jenseits mitgeschrieben und die Reden Christi archiviert? Warum haben die Jünger Christi ihre damaligen Aufzeichnungen nicht besser aufbewahrt und für die Nachwelt vergraben, wenn sie doch aus den Reden Christi genau wussten, wie der Böse im Geiste sein Unwesen treiben würde? Oder haben sie nach 2000 Jahren nur wiedergegeben, was Christus gesagt haben könnte?“

Niemand war bereit, solchen frevelhaften Gedanken zu folgen. Ich sah die Aussichtlosigkeit ein, verabschiedete mich und ging.

Behalten habe ich die Idee, dass jeder Glaube ein Unwissen ist und dass die Wahrheit nur im Erkennen der Tatsachen gefunden werden kann. Klar wurde mir durch den Tatsachenbericht bzw. durch das anschließende Studium, dass der jüdische Gott ein grausames Wesen, hart, ungerecht, boshaft, gemein und mitleidlos ist. Behalten habe ich auch, weil es einfach meiner Natur entspricht, dass die Welt nur durch Liebe, Verständnis, Gleichheit und Gerechtigkeit neu gestaltet werden kann. Solche erhabene Gedanken habe ich aber nicht allein im Tatsachenbericht vorgefunden.

Ich habe lange überlegt, was ich über einen so bedeutenden Menschen wie Jesus Christus schreiben soll. Einerseits hat er wie kaum ein anderer die Weltgeschichte beeinflusst und das Schicksal von Millionen und Abermillionen von Menschen geprägt, andererseits finden wir keine einzige von ihm geschriebene Zeile. Konnte er nicht lesen und schreiben oder konnte er schreiben, schrieb aber nicht? Oder hat er geschrieben, und seine Schriften sind verloren gegangen oder vernichtet worden?

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es ist nicht gut, dass wir von Christus, der angeblich Wunder vollbringen konnte, keine Schriften finden. Wenn er Tote zum Leben erwecken konnte, dann kann es für ihm nicht so schwer gefallen sein, seine Ideen und Absichten zu Papier zu bringen und irgendwo sicher für die Nachwelt zu verwahren. Wenn es den Essenern gelungen ist, Hunderte von Schriftrollen bis ins zwanzigste Jahrhundert zu retten, dann hätten Christus und seine Jünger zumindest Ähnliches vollbringen können. Oder gibt es Schriften, die der Öffentlichkeit vorenthalten werden?

Warum gibt es keine einzige Zeile aus der Hand seiner zahlreichen Jünger? Was taten die Apostel? Hörten sie ihrem großen Meister nur zu oder schrieben sie mit, um nichts zu vergessen? Kungfutse, Laotse und Buddha hatten bald ihre Schüler, die sich bemühten, die Gedanken der Meister in die Zukunft zu retten. Und der alles überragende Christus, der in Vergangenheit und Zukunft blicken konnte, der angebliche Sohn Gottes, sollte so dämlich gewesen sein, seine Lehre nicht in die Zukunft zu retten?

Es kann kaum anders sein, als dass Christus und/oder seine Jünger und Zeitzeugen in Briefen, Notizen und Werken vieles niedergeschrieben haben. Ein Teil des Geschriebenen ging verloren, der Rest wurde rücksichtslos vernichtet.

Da authentische Schriften fehlen und eine Kritik über die Schriften und Fälschungen notwendig bleibt, halte ich es für angebracht, den kirchlichen Überlieferungen einige Aussagen des Tatsachenberichtes gegenüber zu stellen. Vielleicht geschieht das Wunder, dass einmal offen, sachlich, vorurteilsfrei und ohne Mord und Totschlag über das Leben und Wirken Christi nachgedacht und geforscht wird.

Am Beispiel des Tatsachenberichtes kann ich, so hoffe ich, zeigen, wie man auch im Geiste der Erkenntnis irren und ohne böse Absicht Schaden anrichten kann. Am Tatsachenbericht kann man, wenn man will, sehen, wie auch die Geister der Wahrheit irren, wenn sie meinen, die Wahrheit mit einer Person zu verbinden und in einem Buch einfangen zu können.


Die "Wahrheit" über Christus

Der Tatsachenbericht behauptet, dass Christus nicht von jüdischen Eltern geboren wurde. Maria, Josef und die Jünger Christi seien Essener gewesen. Eine seltsame Bestätigung finden diese Behauptungen in zahlreichen Schriftrollen, die in den Jahren 1947 bis 1956 in Qumran am Toten Meer, etwa 30 Kilometer von Jerusalem entfernt, gefunden wurden. Die Legende berichtet, dass ein Hirtenjunge eines Beduinenstammes auf der Suche nach einer Ziege in einem Felsabbruch eine Öffnung und darunter eine Höhle fand. In der Höhle befanden sich mehrere Tongefäße mit Schriftrollen. Später entdeckte man weitere Höhlen und insgesamt mehrere hundert Schriftrollen.

Ich kaufte mir die erste deutsche Gesamtübersetzung von Dr. Johann Maier und las von den Geistern des Lichts und von der Herrschaft Belials (Satans), von der Herkunft der Menschen nach allerlei Arten ihrer Geister, vom Gott der Erkenntnis und so weiter. Aus den Übersetzungen wurde ich nicht schlau, aber ich bekam jedenfalls die Bestätigung, dass die Ausführungen im Tatsachenbericht keine Erfindung von Kubasek oder Griesmayer sein konnten - in deren Köpfen konnten solche Vorstellungen nicht vorhanden gewesen sein!

1995 oder 1996 stieß ich auf einen kritischen Bericht von Michael Baigent und Richard Leigh mit dem Titel »Verschluss-Sache Jesus« mit dem Untertitel »Die Qumran-Rollen und die Wahrheit über das Christentum«. Darin wird beschrieben, wie eine von höchsten kirchlichen Kreisen eingesetzte sogenannte »internationale Gruppe« von Wissenschaftlern ihr Monopol an der Auswertung der Texte mit allen Mitteln verteidigt und alle jene Forscher mundtot macht, die sich nicht an eine früh getroffene »Übereinkunft« halten. Die Autoren versuchen zu enthüllen, warum 75 Prozent der rund 800 in althebräisch und aramäisch abgefassten Manuskripte der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Trotz allem seien zahlreiche Kopien der unter Verschluss gehaltenen Rollen nach »draußen« geschmuggelt worden, die von den Autoren und Experten aus Universitätskreisen sorgfältig geprüft wurden. „Diese Dokumente enthüllen, dass die Anfänge des Christentums falsch überliefert worden sind. Es finden sich überdies Passagen des Neuen Testaments, die von den uns vertrauten Versionen verblüffend abweichen. Und sie zeigen die christliche Urgemeinde und Jesus von Nazareth in einem neuen Licht.“ kann man am Umschlag des Werkes kurz gefasst lesen.

Im Tatsachenbericht heißt es weiter, dass nach einer Zeit von vielen Millionen Jahren des menschlichen Daseins, in der die Menschen den Ewigen sowie den wahren Sinn und Zweck des irdischen Daseins kannten, Völker auf diese Welt kamen, die weniger der Erkenntnis, mehr aber dem Glauben ergeben waren und verschiedene Götter verehrten. Diese Völker konnten aber immerhin noch das Gute vom Bösen unterscheiden. Ihr Glaubenskult ging dahin, den Gutes spendenden Göttern durch Werke der Nächstenliebe zu dienen, die bösen Götter dagegen zu fürchten und sich vor ihnen durch Darbietung von Opfern zu schützen. Ihr mehr kindlicher Glaube und ihr verhältnismäßig guter Charakter ließen es nicht zu, das Böse für gut zu halten und die Lüge als Wahrheit auszugeben.

Es fand sich auch ein Volk ein, wird nun berichtet, das nur an einen Gott glaubte. Dieser angebliche Gott ließ durch Mitteilungen in seinem Geiste über Mittler den Führenden dieses Volkes sagen, dass er der alleinige Schöpfer der Welt und des auf Erden befindlichen Lebens sei; es sollte ihn allein verehren, anbeten und ihm dienen. Die Führer und das Volk glaubten den Mitteilungen dieser Art - in prophetischem Geiste verkündet - und verehrten dieses Geisteswesen als Gott und nahmen sein Anerbieten »Auserwähltes Volk Gottes« zu heißen, willig an. Das sich für Gott ausgebende Wesen schloss darauf mit Hilfe seiner Mittler mit dem Volke ein blutiges Bündnis ab und stellte unter fürchterlichen Drohungen und Flüchen Gesetze auf, die scheinheilig die Lüge, Bosheit und Blutgier verbergen und die es seinem auserwählten Volke auferlegen, andere Völker, welche es selbst bestimmt, mit seiner Hilfe zu berauben, zu ermorden oder für sich dienstbar zu machen. Es forderte sein Volk auf, ihm ohne Unterlass martervoll getötete Tiere zu opfern und jeden Menschen zu vernichten, der es wagt, dieses als Gott nicht anzuerkennen oder die Auswirkung und die Betätigung in seinem Geiste für unrichtig und böse zu halten.

Nach den Aussagen des Tatsachenberichtes sollen um Christi Geburt über die ganze Welt zerstreut größere und kleinere Menschengruppen gelebt haben, deren gemeinsames Streben in der Pflege des freien Wissens, der Erkenntnis über das ewige Leben und über den Ewigen bestand, der von ihnen als der im Geiste Größte und Vollkommene unter allen Geisteswesen erkannt worden war. Diese Menschen waren Essener, betrachteten sich als Geschwister und bezeichneten sich in der Anrede als »Bruder« bzw. als »Schwester«. Sie pflegten den Mittler-Verkehr mit Geisteswesen des Jenseits und waren sich bewusst, dass die Zeit nahe sei, in der der Ewige selbst als Mensch kommen und zu den Menschen in seinem Geiste der Wahrheit sprechen würde.

So gab es im Lande Judäa und Galiläa mehrere Essenergemeinden, welche, durch den Mittler-Verkehr über das Kommende unterrichtet, eine enge geistige Gemeinschaft bildeten und in ständiger Verbindung zueinander standen. Sie wurden von den anderen Völkern gerne geduldet. Nur die Juden sollen ihnen feindlich gesinnt gewesen sein. Sie trachteten ihnen zu schaden und bedrohten sie am Leben.

In Nazareth lebte ein Bruder mit Namen Josef Aramäas, der das Handwerk eines Zimmerers ausübte und Führer der dortigen Essenergemeinde war. Um die Zeit floh er mit Maria nach Ägypten, um der Verfolgung durch die Juden zu entgehen, die von der bevorstehenden Geburt Christi erfahren hatten. Unterwegs kam es zur Geburt Christi, der dann bis zu seinem siebenten Lebensjahr in Ägypten blieb und später auch unter anderen Völkern lehrte.

Die letzte Zeit seines Wirkens soll Christus in Jerusalem und Umgebung verbracht haben. Er soll dort Kranke geheilt, die jüdische Gesetzesschrift zergliedert und Jahwe als Satan (!) hingestellt haben. Als der Platz in der Stadt für die großen Menschenansammlungen zu klein wurde, habe ihn Pilatus gebeten, seine Reden vor der Stadtmauer beim Herodes-Tor zu halten. Auf dem Hügel Salem habe er, so Johannes, die jüdische Gesetzesschrift vor Tausenden Menschen, darunter vielen Judenführern und Rabbis, zerpflückt. Ich bringe einige Auszüge aus diesen Reden Christi, um eine Vorstellung davon zu geben, wie der tödliche Hass der jüdischen Führer gegen Christus entstanden sein könnte.

Christus erläutert das Alte Testament

Ich zitiere:

In der Schrift dieses Lügners heißt es zu Beginn:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, aber die Erde war wüste und leer und Finsternis war über dem Abgrund und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Dann machte Gott das Licht und sah erst, dass es gut war. Er nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Am zweiten Tage sonderte er das Wasser von den Wassern und machte die Feste. Die Feste nannte er Himmel. Am dritten Tag hat Gott das Wasser, das unter dem Himmel war, gesammelt und nannte das Trockene Erde, die Sammlungen der Wasser Meer und sah, dass es gut war. Und er sprach: »Es sprosse die Erde Gras, das grünet und Samen macht, und Fruchtbäume, die da Früchte tragen nach ihrer Art, in denen selbst ihr Samen sei auf Erden.« Und Gott sah wieder, dass es gut war. Am vierten Tag machte Gott erst Lichter am Himmel, um zu scheiden Tag und Nacht, darunter zwei große Lichter - das größere zu beherrschen den Tag, das kleinere zu beherrschen die Nacht und auch die Sterne - und er sah abermals, dass es gut war. Am fünften Tag schuf Gott aus dem Wasser das kriechende Tier mit lebendigen Seelen und Geflügel über der Erde und dann die großen Wasserungeheuer. Er segnete sie und sah wieder, dass es gut war. Am sechsten Tag machte Gott die Tiere der Erde nach ihrer Art, zahmes Vieh, Gewürm, die wilden Tiere und den Menschen Mann nach seinem Ebenbilde, der über alles herrschen solle. Dieser Gott formte den Menschen aus Erdenlehm und hauchte in sein Angesicht den Odem des Lebens und setzte ihn in einen Lustgarten hinein.

Am siebenten Tag ruhte sich der so geplagte Gott von der großen Arbeit aus. Er segnete und heiligte den Tag und dürfte sich die Hände von der letzten Arbeit bei der Erschaffung des Menschen, die er sich mit Kot und Lehm beschmutzt hatte, gewaschen haben.

Bedenkt nun, wie dumm dieses von Moses und seinem Gott ausgedachte Lügenmärchen über die Schöpfung ist. Dieser arme Gott schafft hier zuerst die Erde und das Licht des Tages sowie die lebenden Pflanzen auf ihr und nachher macht er die Lichter am Himmel, darunter die leuchtende Sonne und den Mond. Ein unmündiges Kind muss über diese dummen Lügen lachen und sich fragen, woraus dieser Gott die Tiere gemacht hat und wie der Erdenkot beschaffen sein müsste, dass aus ihm durch bloßen Hauch ein lebender Menschenkörper wurde.

Nach diesem Lügenmärchen hatten die Pflanzen, das Gewürm und die Tiere zwei Geschlechter. Nur beim Menschen hatte dieser Lügengott vergessen, das Geschlecht zu schaffen. Der arme Mann musste sich unter den Tieren eine Gehilfin suchen; er fand jedoch keine. Es blieb also diesem vergesslichen Schöpfer nichts anderes übrig, als auch dem Menschen-Mann eine Gehilfin, die ihm ähnlich wäre, als Ersatz für das Tier zu schaffen. Er sandte über den Menschen-Mann einen tiefen Schlaf, entnahm ihm sodann eine Rippe, indem er die Stelle wieder mit Fleisch füllte, und baute aus ihr ein Weib. Diesmal wollte sich dieser Lügengott nicht mehr mit Kot beschmutzen und auch nicht mehr anstrengen, den Odem dem Weib ins Gesicht zu hauchen. Deshalb wird von den Knechten dieses Lügenschöpfers das Weib als des Mannes Untertan und für nicht ebenbürtig gehalten...

Betrachtet die Schrift weiter und seht euch den Lustgarten an, den der angebliche Gott gepflanzt hat. Außer Gold und kostbaren Edelsteinen hatte der Garten auch viele Bäume, die schön zu schauen und deren Früchte köstlich zu essen waren. Darunter befanden sich: Der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen.

Also nahm der aus Nichts schaffende Gott den Menschen und setzte ihn in den Lustgarten, auf dass er diesen betreue und bewache. Er gebot ihm und sprach: „Von jedem Baum des Gartens magst du essen, aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an welchem Tage du davon isst, wirst du des Todes sterben.“ Dann war dieser Schöpfer neugierig, wie der Mensch-Mann die Tiere und seine Gehilfin nannte und hörte ihm zu. Es waren beide nackt und schämten sich nicht, aber die Schlange war listiger als alle Tiere der Welt, die dieser Gott aus dem Nichts gemacht hatte. Sie sagte zum Weibe: „Warum hat euch Gott geboten, nicht von allen Bäumen des Gartens zu essen?“ Das Weib gab der Schlange zur Antwort: „Wir dürfen von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, nicht essen und den Baum nicht berühren, damit wir nicht etwa sterben.“ Die Schlange aber sprach zum Weibe: „Esset nur davon, ihr werdet nicht sterben. Eure Augen werden aufgetan, ihr werdet wie Götter sein und das Gute und Böse erkennen.“ Darauf sah das Weib, dass der Baum gut für das Essen, schön für das Auge und dass es eine Lust sei, ihn anzuschauen. Es nahm von seiner Frucht, aß und gab ihrem Manne, der auch aß. Da wurden beiden die Augen aufgetan und als sie merkten, dass sie nackt waren, flochten sie Feigenblätter und machten sich Schürzen.

Schauet euch dieses dumme Lügenmärchen an! Was will der, der sich da Gott nennt, aber der Satan ist, damit bezwecken? Er stellt den nackten Körper des Menschen mit seinem Geschlechtsaufbau als etwas, dessen man sich schämen müsse und das gegenseitige Anschauen als ein Verbrechen hin!

Ich habe euch erklärt, woher, weshalb, wieso und wozu das Geschlecht auf Erden ist. Ihr Schriftgelehrten, Oberen und Rabbi wisset es, hüllet euch aber trotzdem heuchlerisch in die Lügen eurer Schrift. Dabei hat jeder von euch fünf bis zehn Kebsweiber, welche ganz entrechtet sind und die ihr wie Tiere kaufet und verkaufet.

Daraufhin fingen die Schriftgelehrten, Oberen und Rabbi zu murren und zu fluchen an. Einer von ihnen rief laut zu Christus: „Wir haben unseren Gott und handeln nach seinem Gesetz. Du aber lästerst unseren Gott, weil du arm bist!“

Christus entgegnete:

Ja, dieser Lügner will euer Gott und ihr wieder wollt seine Knechte sein. Ihr handelt gerne nach seinem Gesetz, weil es euch irdische Vorteile auf Kosten der Armen und Ver-führten bietet.

Sehen wir uns diesen, euren Gott und seine Gesetze näher an. Im ersten von seinen Gesetzen wird dem Menschen unter Todesstrafe verboten, das Gute und Böse zu erkennen, damit nicht etwa seine Lügen und Bosheiten erkannt werden.

Wie verlogen dieser Gott ist, beweist die dummdreiste Lüge, dass eine Schlange - also ein Tier, das infolge seiner Urbeschaffenheit überhaupt nicht sprechen kann - hat kommen müssen, um den Menschen zu sagen, dass es ein ewiges Leben gibt und er als erkenntnisfähiges Wesen das Gute und das Böse erkennen kann. Damit straft ihn selbst seine erfundene Schlange Lügen und beweist, dass es keinen Tod, dafür aber eine Wahrheit gibt.

Nach dieser Schrift ging also dieser Gott bei der Kühle des Nachmittags im Garten spazieren und stellte das Menschenpaar wegen Übertretung seines Gebotes zur Rede. Er verhandelte zuerst mit dem Manne, dann mit dem Weibe und zuletzt mit der Schlange, fluchte und diktierte ihnen Strafen. Der Schlange, welche vermöge ihrer Urbeschaffenheit keine Füße hat und immer auf der Erde kroch, befahl er, dass sie von nun an auf dem Bauche kriechen müsse. Außerdem solle sie alle Tage Erde essen, was sie allerdings bis heute nicht durchführt. Dann setzte er Feindschaft zwischen dem Samen der Schlange und dem des Weibes. Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten und die Schlange solle dafür das Weib in die Ferse stechen. Ferner soll sie gepeinigt werden von den Beschwerden der Schwangerschaften und unter Schmerzen gebären die Kinder sowie unter die Macht ihres Mannes zu stehen kommen, der über sie herrsche. Des Mannes wegen, den er jetzt Adam nannte, weil sich dieser vom Weibe hatte verführen lassen, verfluchte er die Erde und sprach dann zu ihm: „Mit viel Arbeit sollst du essen von ihr alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln soll sie dir tragen und du sollst das Kraut der Erde essen, bis du zur Erde zurückkehrst, denn du bist Erde und sollst wieder Erde werden.“

Denket nach, wie dumm diese Lüge ist und dabei voll Bosheit und Rache. Doch nicht genug mit dem; das Strafen dieses Gottes geht weiter... Dieser Gott und Herr treibt Adam dann aus dem schönen Lustgarten hinaus und stellt vor dem Garten Cherubim mit feurig zuckendem Schwert auf, zu bewachen den Weg zum Baume des Lebens.

Seht, welches Unwissen diese Lügen unter den Menschen zeugen und wie ihr Oberen und Rabbi dieses Unwissen ausnützt! Ihr Heuchler und blinden Wegweiser, die ihr in der »Finsternis der Lüge« wandelt und jenen, die das »Licht der Wahrheit« suchen, den Weg mit List, Heuchelei, Gewalt, Strafe und Rache verstellt, seid der größte geistige Auswurf; ihr handelt bewusst in der Lüge und schafft euch selbst das Böse für Zeit und Ewigkeit!

Gehen wir weiter in der Schrift der Lügen und Märchen!

Das Weib, welches von Adam Eva benannt wurde, soll zwei Söhne, Kain und Abel, geboren haben. Kaum, dass diese vier Menschen auf Erden lebten, begann das Morden und Opfern. Gott fing dem Kain zu fluchen an, weil er den Bruder erschlagen hatte. Kain ging nachher in ein anderes Land und erkannte dort sein Weib, das ihm einen Sohn gebar. Wieso er in einem fremden Land ein Weib finden konnte, wenn nur drei Menschen auf Erden waren, steht nicht in der Schrift.

Die Lügen eures Gottes werden immer dicker. So folgt jetzt ein Geschlechtsregister von Adam bis Noah, wie einer den anderen - sogar noch mit achthundert Jahren und mehr - zeugte und wie ein Methusalas neunhundertundneunundsechzig Jahre alt gewesen sein soll.

Dann reute es diesen Gott auf einmal, dass er die Menschen auf Erden gemacht hatte und sein Herz war betrübt. Er entschloss sich nun, alles Lebende, vom Menschen angefangen bis auf das Gewürm, zu vertilgen. Nur Noah fand Gnade bei ihm. Dieser musste für sich und seine Familie nach seinem Plane eine Arche bauen, die dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch sein sollte und in welche er je sieben Paar von reinen und je ein Paar von unreinen Tieren sowie das nötige Futter mitzunehmen hatte. Als Noah mit der Arche fertig war und mit den Tieren hineinging, schloss ihn dieser Gott ein. Dann machte er die Schleusen des Himmels auf, ließ zusätzlich die Brunnen aufbrechen und ersäufte alles, was da Odem hatte auf Erden, mit Ausnahme Noahs und seines Tierhauses.

Was sagt ihr Schriftgelehrten, Oberen und Rabbi zu diesem Schauermärchen?

Sagt mir, wie hätte Noah dies bewerkstelligen können, dass er in dieser verhältnis-mäßig winzig kleinen Arche von allen Tieren der Erde je ein oder sieben Paare und das nötige Futter für sie auf hundertfünfzig Tage unterbringen konnte?

Denket doch über die Unmöglichkeit einer solchen Unterbringung aller Tierarten der Welt nach und gebet zu, wie dumm das Märchen von Noah ist.

Nach dem Schauermärchen von Noah kommt wieder ein Geschlechtsregister, um den Menschen Glauben zu machen, dass alle Menschen von Noah abstammen und Adam mit seinem Weibe Eva die ersten Menschen waren. Dabei waren Namen und Völker genannt, wie die der Hethiter, Jebusiter, Amorrhiter, welche bereits vor zwanzigtausend Jahren in diesem Landstrich zufrieden lebten, als sich noch keine Hebräer auf Erden befanden.

Ich sage euch: Diese Völker waren Essener und sind der Wahrheit über mich und das ewige Leben sehr nahe gestanden. Erst eure Väter fielen über Befehl ihres Gottes über sie her, mordeten sie und raubten sie aus. Das Volk der Jebusiter lebte hier in diesem Lande. Die Grundmauern eures größten Tempels in dieser Stadt, in welchem der Lügner und Verführer sein Heiligtum hat, sind die Überreste des Hauses der Wahrheit der einstigen Jebusiter.

Darauf fingen die Hohenpriester und Rabbi zu schreien an und einige riefen zum Volk: “Dieser nennt unser Heiligtum, das unsere Väter unserem Gott aufgebaut haben, unrein. Auf der Stelle sollte man den Gotteslästerer steinigen!“

Christus sprach weiter und entgegnete ihnen:

Ja, meine Worte der Wahrheit tun euch weh. Ich muss aber dem Volke die Lügen eurer Schrift vor Augen halten, damit es erkennt, welchem bösen Geiste ihr folgt. Die Worte eurer Schrift beweisen, dass der, der einmal zu lügen anfängt, aus einer Lüge in die andere kommt. Er bemüht sich dann, eine Lüge durch eine andere zu decken.

Höret, welchen Wert euer Gott auf eure Vorhaut legt, so er spricht:

„Ihr sollt an allen männlichen Geschlechts das Fleisch der Vorhaut beschneiden, dass es zum Zeichen des Bundes sei zwischen mir und euch und euren Nachkommen, denn es ist mein Bund, den ihr halten sollt. Ein Kind von acht Tagen soll bei euch beschnitten werden; jedes Männliche unter euch, sowohl der Knecht, der im Hause geboren, als auch der, welcher gekauft ist und nicht von eurem Stamme kommt, soll beschnitten werden. Dieser Bund an eurem Fleische sei ein ewiger Bund. Ein Männliches, das am Fleische seiner Vorhaut nicht beschnitten ist, dem soll seine Seele ausgerottet werden, weil sie meinen Bund zunichte gemacht hat!“

Seht, welch ein Geisteswesen, das solches ersinnt und verlangt! Sagt selbst, ob es noch einen größeren geistigen Auswurf geben kann als diesen Gott. Ihr führt aber sein blutiges Verlangen ehrfurchtsvoll aus und stillt damit seine niederen Gelüste. Nachdem ihr diesen geistigen Auswurf Gott nennt, gebt ihr selbst zu, dasselbe sein zu wollen, was dieser Lügner ist.

Die Bündnisse und das Feilschen dieses Gottes gehen weiter. So spricht er zu Abraham:

„Du sollst dein Weib nicht mehr Sarai, sondern Sara nennen. Denn ich will euch segnen und dir von ihr einen Sohn geben.“ Da fiel Abraham auf sein Angesicht, lachte diesen Gott aus und sprach: „Wie kann einem Hundertjährigen ein Sohn geboren werden? Sara ist doch neunzig Jahre alt und kann nicht mehr gebären.“ Dieser Gott sprach aber weiter: „Ja, Sara, dein Weib, soll dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak heißen. Denn ich will mit ihm und seinem Samen nach ihm einen ewigen Bund schließen.“ Auf das soll dann Abraham für die vielen Versprechungen grauenhafte Verstümmelungen bei allem Männlichen durchgeführt haben, und diesem Gott war damit seine abscheuliche Wollust durch das viele Blut und durch die Schmerzen gestillt.

Es steht weiter geschrieben, dass Abraham einen Besuch von drei Männern bekam, die Engel Gottes waren, und ihnen Wasser zum Waschen ihrer Füße gab. Er bewirtete sie mit Aschkuchen und einem mit Milch und Butter zubereiteten Kalbsbraten. Dann erkundigten sich die drei, wo sein Weib Sara sei. Sara befand sich im Zelt und als sie hörte, dass diese von der Geburt eines Sohnes sprachen, lachte sie und sagte: „Nun, da ich alt geworden und mein Herr auch, soll ich noch Wollust pflegen?“

Höret, wie geistreich das Gespräch der Engel dieses Gottes mit Abraham und Sara war. Diese angeblichen Engel sprachen nur von Wollust, Gebären, Füße waschen, Aschkuchen, Kalbsbraten mit Butter und Milch.

Ja, wie der Schelm denkt, so ist er und so schafft er! (Zitat Ende).


Dem Tatsachenbericht zufolge hat Moses wirklich gelebt und mit seinem Gott Jahwe über Medien (Propheten) die Schriften über die Schöpfung, Adam und Eva, Abraham usw. verfasst. Dass sich auch die Geschichte des Judentums nicht so abgespielt hat, wie es uns das Alte Testament und viele Gläubige glauben machen wollen, habe ich leider erst relativ spät erfahren. Gerd Lüdemann, Professor für Geschichte und Literatur des frühen Christentums an der Universität Göttingen, stellt dazu in seinem Werk »Altes Testament und christliche Kirche« fest:

„Kein Buch des Mose stammt von Mose, kein Psalm Davids von David, kein Spruch Salomons von Salomo, keine Vision Daniels von Daniel, die allerwenigsten Propheten-worte von den Propheten, unter deren Namen die Bücher überliefert sind. Es gab keinen Exodus aus Ägypten, keine Sinaioffenbarung und keine Übergabe der Zehn Gebote. Abraham, Isaak, Mose und Josua sind bloße Namen, Jericho wurde nie erobert. Man kann diese Sätze nicht oft genug wiederholen, denn das Gegenteil davon war fast 2000 Jahre lang Teil einer heiligen Vergangenheit, die den Kirchenfunktionären und Politikern zur Erhaltung ihrer Macht diente.“

Ein Vergleich mit anderen Quellen aus dem Internet zeigt, dass auch anderen Geschichtsforschern bewusst ist, dass die im Alten Testament enthaltenen historischen Darstellungen märchenhaft und unglaubwürdig sind. So kann man z.B. unter der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (Kapitel "Geschichte Israels") zum Beispiel über den sogenannten Auszug aus Ägypten lesen:

„Ein großer Fluchtversuch, wie ihn die Bibel beschreibt, scheint hingegen kaum möglich - zumal dann, wenn der Pharao davon Kenntnis hatte und ihn militärisch zu verhindern suchte. Das Land Kanaan selbst war zumindest teilweise ägyptisch besetzt, und auf der Route dorthin lagen gleich mehrere ägyptische Befestigungen samt ganzer Garnison - eine Flucht aus Ägypten endete wieder in Ägypten.

Die Marschroute, welche die Israeliten angeblich nach Kanaan nahmen, lässt sich trotz der biblischen Wegbeschreibung nicht genau rekonstruieren. Die genauen Lagen des Jam-suf (Schilfmeer) und des Berges Sinai sind ebenfalls nicht geklärt. Auch dies wird von einigen Gelehrten als Beleg dafür angeführt, dass es einen nennenswerten »Auszug aus Ägypten« vermutlich nicht gab.

Nach dem biblischen Bericht war es Mose, der die Israeliten aus Ägypten führte. Er, dessen Existenz ebenfalls von Historikern bezweifelt wird, gilt noch heute im Judentum als der bedeutendste Prophet.“

Dass man Märchen erfinden und zu historischen Quellen machen kann, war mir schon lange bewusst. Die Erkenntnis, dass auch eine Person wie Mose nur eine Erfindung ist, hat mich nicht erschüttert. Mir wurde aber bewusst, dass damit auch die im Tatsachenbericht Christus in den Mund gelegten Aussagen über das Leben der Israeliten in Ägypten, ihren Auszug, die Entstehung der Zehn Gebote usw. nur reine Phantasie oder Erfindung sein können. Und das erschüttert mich wirklich immer wieder aufs Neue, dass sich Menschen - sei es im Diesseits oder im Jenseits - so sehr irreführen und täuschen lassen können, dass sie voller Überzeugung »Wahrheiten« erfinden, die so nie stattgefunden haben können.

Man kann sagen: „Was interessiert mich der Tatsachenbericht“, aber so einfach kann man das nicht abtun. Ähnliche Täuschungen und Verirrungen gibt es in vielen Bereichen, man merkt es nur nicht! Ich will keine Beispiele nennen, weil ich niemanden beleidigen will und weil sich die geistigen Verirrungen und Täuschungen nicht nur auf Religion, Esoterik usw. beziehen, sondern auf das allgemeine Denken, nach dem in der heutigen Zeit gelebt und regiert wird.

Hinweis: Wollers Tatsachenbericht können Sie über das Inhaltsverzeichnis im PDF-Format (1.4 MB) herunterladen.