Der Tatsachenbericht schildert, wie Christus durch seine provozierenden Äußerungen immer mehr den Zorn der jüdischen Führer auf sich zog. Deshalb suchten sie nach einer günstigen Gelegenheit, Christus zu beseitigen.
Es kann nicht bezweifelt werden, dass die jüdischen Führer die Beseitigung Christi wünschten. Die Bibel selbst bestätigt diese Tatsache immer wieder. Nach dem Markus-Evangelium (14,1) „… suchten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten.“
Pilatus und Herodes, denen das Leben eines Nichtrömers unter normalen Umständen nicht so sehr am Herzen gelegen haben dürfte, können sich der Meinung der versammelten Führer des jüdischen Volkes nicht anschließen und lassen sich auch durch das aufgebrachte Volk nicht einschüchtern. Sie halten Jesus für unschuldig und wollen ihn freilassen. So berichtet es das Lukasevangelium (23,13):
„Pilatus rief die Hohenpriester und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen und sagte zu ihnen: Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht und behauptet, er wiegle das Volk auf. Ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört und habe keine der Anklagen, die ihr gegen diesen Menschen vorgebracht habt, bestätigt gefunden, auch Herodes nicht, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Da schrien sie alle miteinander: Weg mit ihm! Pilatus aber redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus freilassen. Doch sie schrien: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“
Dass offenbar nicht nur Jesus, sondern auch seine Jünger unerwünschte Personen waren, geht aus Kapitel 4 der Apostelgeschichte hervor (es gibt noch viele andere Text-stellen, die sinngemäß dasselbe sagen). So wurden Petrus und Johannes nach dem Tode Christi festgenommen, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten:
„Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen. Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten. Sie nahmen sie fest und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft.“
Unter Matthäus, aber auch Markus und Lukas kann man lesen, wie Jesus zur Volks-menge redete und sie vor den Schriftgelehrten und Pharisäern warnte:
„Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.“ (Lukas 20, 45-47)
„O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit.“ (Lukas 11,39)
„Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht; die Leute gehen darüber, ohne es zu merken.“ (Lukas 11, 44)
Als sich nach solchen Vorhaltungen auch ein Gesetzeslehrer beleidigt fühlte, holte Jesus noch nach:
„Wehe auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür. Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden. Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten.“ (Lukas 11,46-48)
Schließlich droht Christus, dass an dieser Generation alles gerächt werde. Er hält den Gesetzeslehrern vor, die Tür zur Erkenntnis nicht zu benutzen und jene, die hinein-gehen wollen, am Eintreten zu hindern. „Als Jesus das Haus verlassen hatte, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen; sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, damit er sich in seinen eigenen Worten verfange. Unterdessen strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus wandte sich zuerst an seine Jünger und sagte: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei«. Die Freunde ermuntert er zur Nichtfurcht vor ihren Unterdrückern: »Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können«.“ (Lukas 12)
Zweifellos gab es massive Meinungsverschiedenheiten zwischen Jesus einerseits und den jüdischen Führern, den Ältesten, Schriftgelehrten, Pharisäern und Gesetzeslehrern andererseits. Man muss sich fragen, warum Jesus immer wieder mit unübersehbarer Hartnäckigkeit gegen die jüdischen Oberen und ihre Gesetze sprach.
Aus den Evangelien geht hervor, dass Jesus ein Freund des Volkes war und ihm helfen wollte. Er tröstete sie, heilte ihre Kranken, gab ihnen zu essen, erweckte Tote zum Leben und warnte sie vor den Oberen als ihren Verführern. Jesus wollte offensichtlich das Volk für sich und seine Ideen gewinnen und riskierte dabei Ärger und Unannehmlichkeiten durch die Führer des Volkes.
Dem Tatsachenbericht zufolge sollen die Essener Nichtjuden gewesen sein. Diese Behauptung ist jedoch kaum so zutreffend. Die zahlreichen Schriftrollen, die in Qumran am Toten Meer gefunden wurden, zeigen die Essener vielmehr als eine Art jüdische Sekte. Ahmed Osman schreibt in seinem Werk »Wer war Jesus wirklich« über die Qumranfunde und die Essener: „Wie sich herausstellte, waren die Schriftrollen Teile der Bibliothek der Essener, einer geheimen jüdischen Sekte. Diese hatten sich von der jüdischen Gemeinschaft und der Jerusalemer Priesterschaft getrennt, deren Glauben und Lehren sie als falsch ablehnten.“
Noch unwahrscheinlicher ist, dass es unter allen Völkern Essener gegeben hat. Die Behauptung des Tatsachenberichtes, Christus sei in Indien gewesen, um die dortigen Essenergemeinden zu besuchen, ist durch kein einziges Dokument belegt.
Nach dem heutigen Stand der Forschung ist es am wahrscheinlichsten, dass Jesus aus der jüdischen Sekte der Essener stammte und eine zunehmende Abneigung gegen die jüdischen Führer entwickelte. Er fühlte sich immer mehr als Befreier und Erlöser des jüdischen Volkes, hatte vermutlich ein überzeugendes Auftreten und verfügte über einen scharfen Verstand und eine bemerkenswerte Redegabe. Hinzu kam vermutlich, dass er über gewisse Heilkräfte verfügte und so durch sein Wort (seinen Willen) heilen konnte.
Der Tatsachenbericht behauptet, dass Christus das im Geiste größte Wesen sei, das allen anderen Lebewesen das Leben ermöglicht habe. Diskussionen über »Geistesgrößen« lehne ich aus prinzipiellen Gründen ab. Dass Christus allen Lebewesen die Voraussetzungen für ein Leben geschaffen habe, halte ich jedoch für sehr unwahrscheinlich. Das Leben hat sich wahrscheinlich allmählich entwickelt, menschliche Lebewesen - und damit auch Christus - gelangten erst eine sehr lange Zeit später zum Leben.
Es gab und gibt immer wieder Stimmen, die auf das morsche Fundament der Kirche hingewiesen haben. Auf den Universitäten wird gelehrt, wie viel gefälscht wurde und wie so vielen »Glaubenswahrheiten« Schlägereien und Streitigkeiten vorangegangen sind, ehe sie mit dem Etikett versehen wurden, die auf einen Willen Gottes hindeuten sollen. Auch die Masse der Menschen fühlt, dass da etwas nicht in Ordnung ist, sie weiß es, dass Christus ein einfach gekleideter Mann war, ein Mensch, der Purpurkappen und prächtige Gewänder abgelehnt und die Herberge des einfachen Mannes den noblen Unterkünften der Reichen vorgezogen hat. Jeder fühlt, dass sich schmutzige Gedanken und schändliche Taten nicht mit der Vergebung von Sünden gereinigt werden können, und dass die Beichte nur ein Mittel zur Ausfindigmachung der geheimsten Gedanken sein kann. Viele wissen, was alles im Zeichen des Kreuzes geschehen ist, wie märchenhaft die biblische Schöpfungs-geschichte ist und wie viel Schuld die Kirche auf sich geladen hat. Und dennoch strömen die Massen überallhin, wo seine Heiligkeit, der Herr Papst, erscheint!
Die Kirche ist nicht tot, die Religionskritik kann nicht, wie Karl Marx meinte, als beendet betrachtet werden. Marx ist tot, aber die Kirche lebt und feiert ihre Auferstehung in ehemals kommunistischen Gebieten.
Was ist los mit den Menschen, die auf der einen Seite so logisch und realistisch denken und Unglaubliches schaffen können und auf der anderen Seite zu Hunderttausenden dorthin eilen, wohin der höchste Bischof auf Erden reist? Was ist mit den Menschen geschehen, dass sie so widersprüchlich handeln können?
Es ist ein alter, aber erfolgreicher Trick: Man benutzt ein Aushängeschild, predigt von Gerechtigkeit und Wahrheit, von Nächstenliebe und Brüderlichkeit, von Gleichheit und Menschlichkeit, macht dazu ein frommes und mitleidiges Gesicht und deutet mit dem Zeigefinger. Dann hebt man die Hand zum Kuss, schickt den Beutel in die Runde und kehrt zu den Amtsgeschäften zurück. Jetzt gilt es, die Zahl der Seelen zu vermehren, die Macht der Kirche zu vergrößern, Geld und nochmals Geld einzutreiben, Widerspenstige zu zähmen, die Güter zu verwalten und zu vermehren, Richtlinien auszuarbeiten, Anordnungen zu treffen und diejenigen auszuschalten, die den Interessen der Kirche im Wege stehen.
Was schreibt doch Joachim Kahl in seinem Werk »Das Elend des Christentums«? „Die Notwendigkeit, Christentum und Theologie gleichwohl aufs Neue zu kritisieren, ergibt sich aus der simplen Tatsache, dass sie fortbestehen. Der Strahl der Vernunft muss erneut gegen die heutigen Repräsentanten der Religion gerichtet werden, die vom universalen Trend zum Vergessen profitieren.“
Joachim Kahl, 1941 in Köln geboren, studierte Theologie und promovierte an der Philipps-Universität Marburg zum Doktor der Theologie, zu einem Zeitpunkt, als seine Abrechnung mit der Kirche bereits begonnen hatte. „Dieses Buch ist ein Pamphlet.“ schreibt er in seiner Einleitung. „Es kann und will seine polemische Absicht nicht verhehlen. Es entstand in einem lang anhaltenden Anfall von intellektuellem Waschzwang. Das bürgerliche Vorurteil, rationale Kritik könne nur unterkühlt und distanziert vorgetragen werden, teile ich nicht. Ich habe nicht sine ira et studio geschrieben, sondern cum ira et cum studio, wobei sich der Zorn nach genügend gründlichem Studium von selbst einstellte. Wer sich über das Christentum nicht empört, kennt es nicht.“
Mir geht es um den Menschen, der auf dem Altar eines Gottes geopfert wird, den ich zutiefst verabscheue. Franz Overbeck, der bedeutende Theologieprofessor in Basel, gestand am Ende seiner Tätigkeit: „Ich darf wohl sagen, dass mich das Christentum mein Leben gekostet hat.“ Wer findet nach abgeschlossenem Studium der Theologie schon den Mut und hat die Kraft, alles in den Mistkübel zu werfen und neu zu beginnen?
Gustav Wyneken, der bedeutende deutsche Pädagoge (1875-1964), der einige Semester Theologie studierte, hat sich jahrzehntelang wissenschaftlich mit den biblischen Überlieferungen und ihrer kirchenchristlichen Auslegung auseinandergesetzt. In seinem Werk »Abschied vom Christentum« kämpft er um Redlichkeit und Wahrhaftigkeit und gegen Heuchelei und gedankenloses Mitläufertum. „Scharfsinnige Textanalysen und alle Methoden der wissenschaftlich-kritischen Philosophie und Geschichtsforschung erlauben nur den einen Schluss:“ heißt es zu diesem Buch. „Das Neue Testament ist keine Heilige Schrift, keine Historiographie, sondern Literatur, und zwar Tendenz- und Propagandaliteratur. Christliche Theologen kennen dieses Forschungsergebnis und verkünden doch weiter den christlichen Glauben. Gläubige Laien wissen von diesem Glaubwürdigkeitsverlust ihres Glaubens so gut wie nichts. Ebenso wenig können sie sagen, warum sie überhaupt glauben. Die meisten Christen von heute werfen im religiösen Bereich ihre kritische Vernunft und die geschärfte Skepsis ab, die sie als »Weltmenschen« beweisen: Sie beharren im Glauben auf einer in ihrem sonstigen Leben völlig überholten und widerspruchsvollen Geisteshaltung.“
Kahl urteilt in seinem verständlichen Zorn noch härter: „Das Neue Testament ist ein Manifest der Unmenschlichkeit, ein groß angelegter Massenbetrug; es verdummt die Menschen, statt sie über ihre objektiven Interessen aufzuklären.“
„Das Christentum ist wie sein jüngerer Bruder, Miterbe und Konkurrent, der Islam, aus der jüdischen Religion hervorgegangen“ stellt Wyneken fest. „Diese drei Religionen sind nicht (allmählich) entstanden, sondern gestiftet. Sie haben einen datierbaren, einen geschichtlichen Anfang gehabt. Die übrigen großen Religionen des Altertums, etwa die babylonische, die ägyptische, die griechische, waren Naturreligionen. Ihre Hauptgötter waren Verkörperungen der Naturgewalten, Naturerscheinungen, Naturgesetze, die den Weltraum erfüllen und ewig die gleichen sind.
Ganz anders das Christentum. Es kennt kein »Buch des Naturgeheimnisses«, es interessiert sich nicht für die Natur, es ignoriert sie völlig. Es fügt sich nicht ein in die große menschliche Linie der Enträtselung des Weltseins; aus der Solidarität menschlichen Schicksals und menschlicher Bemühung bricht es eigensüchtig aus. »Kosmos«, das Wort der Griechen für das wundervoll geordnete Weltall, wird im Christentum zu einer Art von Schimpfwort: die böse Welt, aus der es zu flüchten gilt, und die Religion ist eben der Weg dieser Flucht, der den Menschen eröffnet ist durch die Menschwerdung des Gottessohnes Jesus.“
„Das Wort »Bibel« sollten wir eigentlich, wenn nicht aus unserem Sprachgebrauch, so doch aus unserem Denkgebrauch ausmerzen.“ erklärt Wyneken. „Jenes bekannte dicke alte Buch ist ja in Wahrheit gar kein einheitliches Werk, sondern eine bunte Sammlung von Literaturdenkmälern aus mehr als tausend Jahren, unter sich völlig uneinheitlich und zusammengefasst freilich nicht nur durch den Buchbinder, sondern durch den Willen zweier Religionsgemeinschaften, die diese Sammlung veranstaltet und beschlossen haben, in ihr die Urkunden ihres Glaubens zu sehen.
Auch sprachlich ist das Wort »die Bibel« eine Missbildung oder beruht jedenfalls auf einem Missverständnis. Das deutsche Wort stammt, durch Vermittlung des Lateinischen, von dem griechischen »biblia« (Mehrzahl!) ab, und das bedeutet »Bücher«. Erst im Mittelalter, als man im Abendland kein Griechisch mehr lernte, wurde allmählich »biblia« als Einzahl verstanden: »die Bibel«, und man vergaß mehr und mehr, dass dieses Buch keine organische Einheit, sondern ein Konglomerat ist, aus vielen unter sich sehr verschiedenen und verschiedenwertigen Bestandteilen zusammengetragen.“
Die Kirche hat ihr »Neues Testament« nach dem Vorbild des »Alten Testaments« aufgebaut, das die Bücher Moses und andere Schriften von Propheten und Königen enthält. Das Neue Testament enthält die vier Evangelien, eine Apostelgeschichte und belehrende Schriften der Apostel. Da Jesus als der Sohn Jahwes dargestellt wurde, wurde das Alte Testament von Anfang an zu einer auch für Christen verbindlichen göttlichen Offenbarung.
Von Christus selbst gibt es keine einzige geschriebene Zeile, die Evangelien nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes wurden nicht wirklich von den Aposteln des Herrn verfasst worden. »Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament«, ein Werk, von dem man wirklich nicht sagen kann, dass es von einem kirchenfeindlichen Autor verfasst worden wäre, erzählt über die Zeit und die Verfasser der Evangelien und der Apostelgeschichte:
„Das Lukas-Evangelium ist nach dem Jahr 70 n. Chr. geschrieben worden. Als Zeit der Abfassung für die Apostelgeschichte wird das Jahrzehnt zwischen 80 und 90 n. Chr. zutreffend sein.“
„Wie alle »Evangelien« - wie die auf dem Markus-Evangelium basierenden Schriften später auch genannt werden - ist das Markus-Evangelium zunächst zweifellos anonym veröffentlicht worden.“ Als Zeit der Abfassung wird das Jahr um 70 angegeben.
„Das Matthäus-Evangelium wurde um 80 n. Chr. anonym abgefasst.“
Die verschiedenen Schriften sind »natürlich« auch voller Widersprüche, auf die ich im nicht im Einzelnen eingehen möchte. Nur ein Beispiel: Christus wurde nur nach zwei Evangelien von der Jungfrau Maria geboren, nach den beiden anderen jedoch nicht.
Karlheinz Deschner schreibt in seiner »Kriminalgeschichte des Christentums« über die in großem Stil organisierten Fälschungen der Kirche: „Viele, vielleicht die meisten Menschen scheuen sich, gröbsten Betrug gerade auf dem für sie »heiligsten« Gebiet anzunehmen. Gleichwohl wurde nie gewissenloser, nie häufiger gelogen und betrogen als im Bereich der Religion.“
Nach Wynekens Angaben wurden verfasst: Das Markusevangelium um 70, das Matthäusevangelium um 90, das Lukasevangelium um 100 und das Johannesevangelium um 140. Die Apostelgeschichte, die wahrscheinlich von Lukas stammt (wer aber Lukas war, weiß niemand, da die Evangelien anonym veröffentlicht wurden), wurde nach 100 geschrieben. Der 1. und 2. Petrusbrief und ebenso der Judasbrief sind Fälschungen, andere Briefe sind der Fälschung verdächtig, bei manchen Schriften ist ihre Unversehrtheit und Vollständigkeit zweifelhaft; hier und da werden Einschübe und Zusätze von späterer Hand vermutet. Nur die Paulusbriefe scheinen echt zu sein.
Aber wer war Paulus?
Paulus war Judenoberer und hieß eigentlich Saulus. Er hasste Christus zutiefst und verfolgte ihn und die Seinen zusammen mit anderen Judenoberen. In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie fanatisch Saulus auch nach dem Tod Christi gegen die Christen wütete (Apostelgeschichte 8,1-3): „An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel. Fromme Männer bestatteten Stephanus und hielten eine große Totenklage für ihn. Saulus aber versuchte die Kirche zu vernichten; er drang in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und lieferte sie ins Gefängnis ein.“
Die Apostelgeschichte berichtet in 9,1-22, wie Saulus voller Mordgedanken gegen die Jünger des Herrn wütete. „Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.“ Aber Jesus, der zu seinen Lebzeiten genügend Gelegenheiten gehabt hätte, Saulus zum Paulus zu bekehren, erschien ihm unterwegs und fragte ihn, warum er ihn verfolge? Daraufhin sah Paulus nichts mehr, aß und trank drei Tage lang nichts und betete. So blieb dem Herrn nichts anderes übrig als erneut zu erscheinen, diesmal dem Hananias, einem Jünger des Herrn in Damaskus. Er berichtete vom betenden Saulus, worauf Hananias antwortete, dass er Saulus und seinen bösen Geist sehr gut kenne. Der Herr aber ließ nicht locker und meinte, dass er diesen unermüdlichen Verfolger seines Geistes zu seinem auserwählten Werkzeug (!) machen würde. Als Hananias endlich tat, was ihm aufgetragen worden war, da fiel es Saulus wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen.
Was soll dieses offenkundige Täuschungsmanöver? Welchem Zweck diente es?
Es ist nicht schwer einzusehen, dass hier ein Betrug größeren Ausmaßes begonnen wurde. Offensichtlich suchten die Judenoberen nach neuen, erfolgversprechenderen Wegen, um der christlichen Bewegung zu schaden. Mit einer neuen Identität (Paulus), Geld, der heimlichen Unterstützung der jüdischen Führer und einem ausgeklügelten Märchen über die Erscheinung des Herrn begann er, noch mehr Neuigkeiten über Christus aus dem Hut zu zaubern. Natürlich glaubte man ihm nicht sofort. In der Apostelgeschichte (9, 1-22) heißt es: „Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen, und alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei.“
So sind die Streitigkeiten, die über die alte Kirche überliefert sind, leicht zu verstehen. Bald wussten viele nicht mehr, was Christus wirklich gesagt hatte, und immer mehr Menschen neigten dazu, der Version zu glauben, die der fromme und scheinheilige Paulus verbreitete, der kraft der ihm zur Verfügung stehenden Geldmittel die Bedeutung seiner Worte mit Brot und Wein unterstreichen konnte, die er in seinen Zeremonien sogar in Fleisch und Blut des Herrn verwandeln konnte.
Der Kirchenvater Clemens Alexandrinus (gestorben um 150) wies auf die ver-wirrende Situation der christlichen Gruppierungen hin, indem er beklagte, dass Juden und Heiden die Bekehrung ablehnten, „weil man angesichts des verwirrenden Dogmenstreits unter den christlichen Parteien nicht wissen kann, welche von ihnen wirklich die Wahrheit vertritt“. Origines, ebenfalls einer der ersten Kirchenväter (gestorben um 254) bekennt, dass „es so viele unter denen, die an Christum zu glauben bekennen, nicht nur in neben-sächlichen und geringfügigsten Dingen uneinig sind, sondern auch in den bedeutenden und gewichtigen Hauptpunkten.“
Nicht einmal über die Stellung Christi war man sich einig. Die so genannte dreifaltige Interpretation mit Vater und Sohn und der Taube als Heiligen Geist entstand nach fürchterlichen Streitereien in einer Kirchenversammlung, die man heute vornehm »Konzil« nennt. Der römische Kaiser Konstantin hatte die ewigen Religionsstreitigkeiten satt. Er rief die rivalisierenden und sich bekämpfenden Gruppen zusammen und forderte sie auf, endlich eine einheitliche Meinung über Gott und Christus festzulegen. In dieser Versammlung, die mehr einer nationalsozialistischen Saalschlacht als einer zivilisierten Diskussion glich, entstand das Glaubensbekenntnis. Unzählige „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn...“ sind seither zu Jahwe gesandt worden.
Tatsächlich gibt es - wie könnte es anders sein? - auch beim Glaubensbekenntnis viele verschiedene Fassungen, so dass man nicht glauben darf, die Bischöfe seien auf den Synoden vom Heiligen Geist so inspiriert worden, dass sie sofort den richtigen Wortlaut gefunden hätten. Das Studium dieser verschiedenen Fassungen ist zeitraubend und wenig zielführend. Im »Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen« kann der Interessierte sich allenfalls über die »koptische Fassung«, die »äthiopische Fassung in Frageform«, die »äthiopische Fassung in Aussageform«, das »Taufbekenntnis der armenischen Kirche«, das »Apostolische Glaubensbekenntnis«, die »orientalischen Formeln« usw. informieren.
Der Glaubensstreit war mit dem Konzil von Nizäa keineswegs beendet, Synode folgte auf Synode.
Mit dem Einsetzen der germanischen Völkerwanderung und der zunehmenden Bedrohung des Römischen Reiches errang die kirchliche Bewegung einen entscheidenden Sieg. Es gelang ihr, den zum Jähzorn neigenden Kaiser Theodosius dazu zu bewegen, die Kirche zur Staatsreligion zu erklären und die heidnische Religionsausübung zu verbieten.
Die Macht der Kirche wuchs in den folgenden Jahrhunderten. Bald mussten sich Kaiser und Könige selbst um die Gunst der Päpste bemühen, denn nur der Papst konnte die Gnaden Gottes und damit die Insignien weltlicher Würden verleihen. Der Mönch Hildebrand, der als Gregor VII. Papst wurde (1073-1085), strebte sogar ein päpstliches Weltreich an. Zwischen Gregor VII. und König Heinrich IV. kam es zum offenen Kampf, nachdem Gregor VII. im Papstdiktat (Dictatus Papae von 1075) sein geistliches Herrschaftsprogramm vorgelegt hatte. Heinrich IV. lehnte die Forderungen Gregors ab und rief zum Kampf gegen die kirchenfreundlichen Gegner auf, den er verlor. Die Auseinandersetzungen gingen weiter und führten dazu, dass Gregor VII. den Bann über den König verhängte, der alle Untertanen vom Treueid entband und dem König die Regierung des Reiches untersagte. Heinrich IV. musste nach Italien reisen und im Büßerhemd vor dem Papst erscheinen, woraufhin Papst Gregor keine andere Wahl hatte, als den Bann über den reuigen König zu lösen. 1080 wiederholte Gregor den Bann, worauf Heinrich IV. mit allen militärischen Mitteln so erfolgreich antwortete, dass Gregor VII. zu seinen normannischen Verbündeten fliehen musste.
Die geistige Verblödung steigert sich im Mittelalter zu einem immer unerträglicheren Zustand. Jegliche Kritik wird im Keim erstickt. Es entsteht die Inquisition, eine der grausamsten Terrororganisationen, die die Erde je gesehen hat: Der evangelische Kirchenhistoriker Walter Nigg schreibt über sie: „Der Behauptung, es sei alles nicht so schlimm gewesen, ist zu entgegnen: Doch, es war schlimm, so schlimm, wie es schlimmer nicht hätte sein können!“
Die Inquisition war zunächst eine Aufgabe der Bischöfe und ihrer Synoden, die in jeder Pfarrei einige Laien beauftragten, »Ketzer« aufzuspüren. Als die Kirche auf diese Weise nicht »gesäubert« werden konnte, wandelte Papst Gregor IX. die Inquisition schließlich in eine zentral gelenkte Institution der Kurie um und übertrug sie (1232) den Dominikanern (»domini canes« - »Hunde des Herrn«, wie der Volksmund den Namen deutete).
In der Regel kündigte die Inquisition ihren Besuch in jeder Stadt vorher an, so dass sich die Bevölkerung rechtzeitig einfinden konnte. Wer nicht erschien, stand von vornherein unter schwerem Verdacht. Jeder Katholik war verpflichtet, »irrgläubige« Christen zu denunzieren, Eltern mussten ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Ehepartner sich gegenseitig anzeigen. Wer es nicht tat, machte sich mitschuldig. Anonyme Denunziationen wurden bevorzugt.
Der Ketzerprozess begann mit der Verhaftung. Der Angeklagte wurde von Anfang an für schuldig befunden. Er wurde in Ketten in einen Kerker gesperrt. Die Sakramente wurden ihm vorenthalten. Dem Inquisitor, der Ankläger, Richter und Beichtvater in einer Person war, musste der Angeklagte gleich zu Beginn schwören, alle Gebote der Kirche zu befolgen, alle Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten, alle Mitketzer zu verraten und alle Buße willig auf sich zu nehmen. Ein Verteidiger war nicht zugelassen. Legte der Angeklagte kein Geständnis ab, kam die Folter zum Einsatz.
Hartnäckige und rückfällige »Ketzer« wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Man scheute sich auch nicht, Tote wieder auszugraben und die Überreste zu verbrennen, wenn man dem Verstorbenen das Verbrechen der Ketzerei nachträglich »nachweisen« konnte.
Die Verbrennungen wurden auf Sonn- und Feiertage gelegt, um möglichst viele Zuschauer anzulocken. Spezielle Reiter luden in der Umgebung zum Zuschauen ein. Für Fenster mit Blick auf den Scheiterhaufen wurden hohe Preise gezahlt. Während die Nationalsozialisten ihre Opfer vor der Verbrennung vergasten, ergötzten sich die Inquisitoren am Stöhnen der Gepeinigten.
Sexualität wurde dämonisiert, Frauen diffamiert. Was für jedes Tier eine Selbstverständlichkeit ist, wurde beim Menschen zur Teufelei herabgewürdigt. Jeder Gedanke an körperliche Lust musste unterdrückt und bekämpft werden. Perverse Handlungen waren die Folge. Die Frau, schon zu Jahwes Zeiten dem Mann nicht ebenbürtig, wurde als minderwertig empfunden und zunehmend der Willkür des Mannes ausgesetzt. Kahl: „Das Neue Testament ist das Produkt neurotischer Spießer. Die menschliche Sexualität gilt nicht als Quelle der Lust, sondern als Quelle der Angst, nicht als Medium der Liebe, sondern als Medium der Sünde. Alles Natürliche und Körperliche wird - teils offen, teils versteckt - geächtet.“
Wie schlecht es um die Kirche stand, zeigen auch die vielen Bannsprüche, die Päpste, Bischöfe und ihre Gefolgsleute austauschten. 1054 kam es zum endgültigen Bruch zwischen der lateinischen und der griechischen Kirche. Beide Seiten verfluchten und exkommunizierten sich gegenseitig. Viele Jahre lang gab es zwei Päpste nebeneinander, der eine residierte in Rom, der andere in Avignon (Frankreich). Die beiden Stellvertreter Christi auf Erden überzogen sich und ihre Territorien gegenseitig mit schrecklichen Bannflüchen und versetzten die unwissenden Massen in bange Angst um ihr ewiges Seelenheil. Die Synode von Pisa 1409, die das Schisma beenden sollte, setzte beide Päpste ab und wählte einen neuen. Da die beiden Vorgänger nicht daran dachten, den Tisch zu räumen, waren die Kinder Gottes auf einmal mit drei Päpsten gesegnet. Die Amtszeit mancher Päpste dauerte nur wenige Tage oder Stunden, und es kam sogar vor, dass ein Papst vom nächsten ermordet und als abschreckendes Beispiel durch die Straßen Roms geschleift wurde.
Mit unumstößlichen Lehrsätzen, so genannten Dogmen, zwang man die Gläubigen, jede Vorschrift des Vatikans gläubig, d.h. völlig unkritisch hinzunehmen. Während jeder wissenschaftlich denkende Mensch weiß, dass jede Hypothese so lange eine Theorie bleibt, bis sie eine hinreichende Bestätigung gefunden hat, wähnten sich Päpste und Bischöfe in dem Glauben, ihre einmal aufgestellten Behauptungen bis in alle Ewigkeit aufrecht-erhalten zu können. Obwohl längst klar sein musste, wie sehr sich die Päpste und ihre Gefolgschaft geirrt hatten, wurde in der 4. Sitzung des Ersten Vatikanischen Konzils am 18. Juli 1870 die Unfehlbarkeit beschlossen. Obwohl selbst viele Konzilsväter Bedenken äußerten und schließlich vor der entscheidenden Sitzung das Konzil verließen, gelang es Papst Pius IX. das Unfehlbarkeitsdogma zu beschließen.
Wer es wagt, die Lehrentscheidungen der Kirche zu lesen, begegnet auf Schritt und Tritt offenen Drohungen. Wer nicht zustimmen kann, wird verstoßen und verflucht. „Si quis autem huic Nostrae definitioni contradicere, quod Deus avertat, praesumpserit: anathema sit. Wer aber, was Gott verhüte, sich unterstehen sollte, dieser Unserer Definition (von der Unfehlbarkeit des Papstes) zu widersprechen: der sei mit dem Anathema belegt.“ Was das Anathema, der Kirchenbann, der mit furchtbaren Flüchen und Drohungen verbundene Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen, damals bedeutete, können wir uns heute als relativ freie Menschen nicht mehr vorstellen.
Es ist nicht nötig, alle Fehlentscheidungen aufzuzählen, die der Unfehlbarkeitsentscheidung folgten. Es ist auch so jedem nicht völlig kirchenhörigen Menschen klar, dass es keine Verbindung zwischen einem Heiligen Geist und der Kurie geben kann. Die Unfehlbarkeitsentscheidungen betrafen immer nur die Interessen der Kirche, nie die der Gläubigen. Als Hitler an die Macht kam, konnte er seinen ersten Vertrag mit dem Ausland mit dem Vatikan abschließen. Kein Heiliger Geist schwebte über dem Haupt des Papstes und riet ihm, keinen Vertrag mit diesem Mann zu schließen, der im Begriff war, einer der größten Verbrecher zu werden.
Wenn jemand von Gewissensnöten geplagt wird, weil sich kirchliche »Wahrheiten« nicht mit dem Verstand vereinbaren lassen, was sagt ihm dann sein Pfarrer: „Du darfst nicht zweifeln, mein liebes Kind!“
Ja, wir werden wie Kinder behandelt. Wir werden getauft und in die Kirche eingegliedert, bevor wir überhaupt wissen, wo wir sind. Von Geburt an versucht man, unseren Geist mit Schauermärchen zu vernebeln und unser vernünftiges Denken mit Lügen und Scheinwahrheiten zu bekämpfen.
Alle größeren und großen Erkenntnisse und Bewegungen wurden bekämpft. Giordano Bruno starb am 2. Februar 1600 den Feuertod. Galileo Galilei wurde 1633 gezwungen, auf Knien und im Büßerhemd seiner Lehre abzuschwören und einen Meineid zu leisten: „Ich habe vor mir die heiligen Evangelien, berühre sie mit der Hand und schwöre, dass ich immer geglaubt habe, auch jetzt glaube und mit Gottes Hilfe auch in Zukunft glauben werde, alles was die heilige katholische und apostolische Kirche für wahr hält, predigt und lehrt... Daher schwöre ich mit aufrichtigem Sinn und ohne Heuchelei ab, verwünsche und verfluche jene Irrtümer und Ketzereien und darüber hinaus ganz allgemein jeden irgendwie gearteten Irrtum, Ketzerei oder Sektiererei, die der Heiligen Kirche entgegen ist. Ich schwöre, dass ich in Zukunft weder in Wort noch in Schrift etwas verkünden werde, das mich in einen solchen Verdacht bringen könnte. Wenn ich aber einen Ketzer kenne, oder jemanden der Ketzerei verdächtig weiß, so werde ich ihn diesem Heiligen Offizium anzeigen oder ihn dem Inquisitor oder der kirchlichen Behörde meines Aufenthaltsortes angeben.“
„Alle Beteiligten wussten, dass dieser Schwur eine einzige Lüge war“ schreibt dazu Johannes Hemleben in einer Monographie über Galileo Galilei. „Aber die moralische Korruption, in der sich das so genannte »Heilige Offizium« zu Anfang des 17. Jahrhunderts befand, überwand alle Gewissensregungen bei Klägern und Angeklagten. Man hatte sich längst an solche unwahren Situationen gewöhnt. Solange von Menschen zuge-lassen wird, dass Machtimpulse die Rechtsfindung und Rechtsprechung verfälschen, wird es auch weiterhin solche für das menschliche Gewissen unerträglichen Prozesse geben. Darum kann es heute auch nicht um eine »Rehabilitierung Galileis« gehen, wie es im Sommer 1968 der Wiener Kardinal König forderte. Ein Schandurteil, das vollstreckt wurde, kann nach Jahrhunderten nicht annulliert werden.
Im »Fall Galilei« ging und geht es nicht in erster Linie um die Erkenntnisfrage, welche Stellung die Erde im Weltall einnimmt, sondern um das vom Lehramt der Kirche in Anspruch genommene Recht, über Wahrheit und Irrtum verbindlich für alle Gläubigen zu entscheiden. Unter dem Vorwand, Hüter der einen Wahrheit zu sein, wurden im Namen des Christentums von der offiziellen Führung der Kirche Verbrechen begangen, die zur Ausrottung oder Ausschaltung von Personen führten, deren Rechtgläubigkeit bezweifelt wurde.“
Anstatt den Gläubigen Lesen und Schreiben beizubringen und sie über ihre Interessen aufzuklären, zog man es vor, sie dumm zu halten, um ihnen leichter das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Die Pfarrer waren angesehene Männer, die, wenn nicht Eigentümer, so doch Verwalter größerer und kleinerer Güter waren. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hat so manches Schaf mit schlechtem Gewissen Hab und Gut der Kirche geschenkt, um sich das Seelenheil im Jenseits zu erkaufen. Mit allerlei Tand - Bildern und Reliquien - wurde viel Geld verdient, der Ablasshandel - du gibst mir Geld und ich vergebe dir deine Sünden - nahm solche Formen an, dass er schließlich verboten werden musste.
Während die Gottesvorstellungen der sogenannten Heiden - z.B. der Römer - auf Toleranz ausgerichtet waren und das Römische Reich ein relativ gerechtes Rechtssystem entwickelte, kennt Jahwe keine Gnade mit Andersdenkenden und verbreitet ein Rechtsgefühl, das zum Weinen ist. Seine Gebote gebieten den Glauben an ihn, er ist der große und eifernde Gott, der als Feuer erscheint, nichts und niemanden neben sich duldet und jeden vernichtet, der es wagt, nicht an ihn zu glauben und ihm nicht zu dienen. Jahwe ist ein Sklavenhalter, der Moses genaue Anweisungen gibt, wie die Sklaverei zu handhaben ist und wie man sogar seine Tochter als Magd verkaufen darf. Heuchlerisch befiehlt er: »Du sollst nicht töten!« (fünftes Gebot) und fordert im nächsten Atemzug dazu auf, alle Propheten zu töten, die etwas anderes verkünden, jeden Dieb hinzurichten, egal aus welchem Grund er gestohlen hat. Kinder sollen sterben, wenn sie Vater oder Mutter verfluchen, auch wenn sie geschlagen oder gequält werden.
Ganze Völker müssen im Zorn des Herrn ausgerottet werden: „Wenn du (Moses) auf seine Stimme hörst und alles tust, was ich sage, dann werde ich der Feind deiner Feinde sein und alle in die Enge treiben, die dich bedrängen. Mein Engel wird dir vorausgehen und dich in das Land der Amoriter, Hethiter, Perisiter, Kanaaniter, Hiwiter und Jebusiter führen, die ich verschwinden lasse. Ich sende meinen Schrecken vor dir her, ich verwirre jedes Volk, zu dem du kommst, und alle deine Feinde lasse ich vor dir die Flucht ergreifen.“ (Exodus 23, 20ff)
Interessant ist, welche Gebote Jahwe nicht verkündet hat. Wer lügt, geht offenbar straffrei aus, wer heuchelt, auch. Schmierige Typen missfallen ihm nicht, aber wer auf die Idee kommt, an Jahwe, diesem seltsamen Herrn, zu zweifeln, der muss sofort beseitigt werden.
Wenn Männer sich prügeln - um solche Dinge kümmert sich dieser Gott! - und verletzen dabei eine schwangere Frau, so dass sie eine Fehlgeburt erleidet, so soll der Täter Buße tun. Ist aber ein anderer Schaden entstanden, so soll Leben für Leben gegeben werden, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Schramme für Schramme.
Wie töricht seine Gebote und Gesetze sind, zeigt diese Stelle im 2. Buch Mose 21,28-29: „Wenn ein Rind einen Menschen oder eine Frau so stößt, so dass er oder sie stirbt, dann soll man das Rind steinigen. Wenn das Rind aber schon vorher gestoßen hat und sein Besitzer, obwohl er gewarnt worden ist, nicht auf das Tier aufgepasst hat, so dass es einen Mann oder eine Frau getötet hat, dann soll man das Rind steinigen und seinen Besitzer auch“. Auf die Idee, dass das Rind gestoßen haben könnte, weil es gequält wurde, kommt dieser Gott nicht.
Obwohl Jahwe erst wenige Atemzüge zuvor zum Nichttöten aufgefordert hat, regelt er das Töten von Menschen und Tieren ununterbrochen. „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. Jeder, der mit einem Tier verkehrt, soll mit dem Tod bestraft werden. Wer einer Gottheit außer Jahwe Schlachtopfer darbringt, an dem soll die Vernichtungsweihe vollstreckt werden.“ (Exodus 22,17-20)
Was dieser Gott so alles verspricht und nicht hält, nur damit man ihm allein ergeben dient und ihn allein anbetet: „Wenn ihr dem Herrn, eurem Gott, dient, wird er dein Brot und dein Wasser segnen. Ich werde Krankheiten von dir fernhalten. In deinem Land wird es keine Frau geben, die eine Fehlgeburt hat oder kinderlos bleibt. Ich lasse dich die volle Zahl deiner Lebenstage erreichen. Ich sende meinen Schrecken vor dir her, ich verwirre jedes Volk, zu dem du kommst, und alle deine Feinde lasse ich vor dir die Flucht ergreifen.“ (Exodus 23,25-27) Entweder ist Jahwe so naiv, dass er selbst glaubt, er könne sein Volk von Krankheiten und Fehlgeburten fernhalten und es die volle Zahl seiner Lebenstage erreichen lassen, oder er sagt das nur, damit man seinen Wünschen und Befehlen gefälliger folgt.
Jahwe ist wie ein Rabe, der alles haben muss, was glänzt. Er fordert Moses auf, eine Abgabe einzuheben. „Sag zu den Israeliten, sie sollen für mich eine Abgabe erheben. Von jedem, den sein Sinn dazu bewegt, sollt ihr die Abgabe erheben. Das ist die Abgabe, die ihr von ihnen erheben sollt: Gold, Silber, Kupfer, violetten und roten Purpur, Karmesin, Byssus, Ziegenhaare, rötliche Widderfelle, Tahaschhäute und Akazienholz; Öl für den Leuchter, Balsame für das Salböl und für duftendes Räucherwerk; Karneolsteine und Ziersteine für Efod und Lostasche. Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer Mitte wohnen. Genau nach dem Muster der Wohnstätte und aller ihrer Gegenstände, das ich dir zeige, sollt ihr es herstellen. Macht eine Lade aus Akazienholz, zweieinhalb Ellen lang, anderthalb Ellen breit und anderthalb Ellen hoch! Überzieh sie innen und außen mit purem Gold und bring daran ringsherum eine Goldleiste an! Gieß für sie vier Goldringe und befestige sie an ihren vier Füßen, zwei Ringe an der einen Seite und zwei Ringe an der anderen Seite! Fertige Stangen aus Akazienholz an und überzieh sie mit Gold! Verfertige auch eine Deckplatte aus purem Gold zweieinhalb Ellen lang und anderthalb Ellen breit! Mach zwei Kerubim aus getriebenem Gold und arbeite sie an den beiden Enden der Deckplatte heraus!“ (Exodus 25,2-18)
Und so geht es weiter. Kerubim sollen ihre Flügel nach oben ausbreiten und die Deckplatte beschützen, Leuchter aus purem Gold sollen hergestellt und eine Wohnung für den Herrn eingerichtet werden. Ein Altar darf nicht fehlen und viele Geräte müssen vorhanden sein, damit man oft und bequem opfern kann. Seine Diener, die Priester, sollen ebenso schön sein. So befahl dieser allmächtige Gott, heilige Kleider zu machen, mit Brustblatt, Schulterblatt, leinenem Gewand, Rock, Stirnband und Gürtel, wie sie heute noch zur Erbauung dieses Gottes verwendet werden.
Das Opfer, das hauptsächlich aus der Schlachtung von Tieren bestand, musste nach genauen Vorschriften durchgeführt werden. Vor dem Altar wurden die besten Tiere im Angesicht des Herrn geschlachtet. Der Priester musste das Blut mit den Fingern nehmen und den Altar beschmieren und den Rest davor vergießen (!). Alles Fett musste am Altar angezündet, weitere Teile vor dem Lager des Herrn verbrannt werden. Man kann sich kaum vorstellen, wie ekelhaft es nach diversen Raubzügen dieses Gottes und den anschließenden Opfern gestunken haben muss: Bei einem Raubzug gegen die Medianiter - nachzulesen im Alten Testament! - töteten die zwölftausend gut ausgerüsteten Hebräer alle Männer. Die Frauen und Kinder sowie alles Vieh und Gerät machten sie zur Beute. Die Städte, Dörfer und Burgen wurden mit Feuer zerstört. Mit der Beute kamen sie zu Moses, aber der wurde zornig über die Anführer, Räuber und Mörder. Er sagte zu ihnen: „Warum habt ihr alle Weiber und Kinder leben lassen? Tötet alles, was männlich ist, auch die Kinder, und erwürget die Weiber, so sie Männer erkannt haben im Beischlafe. Aber die Jungfrauen sind, die lasset für euch am Leben. Dann reinigt euch mit dem Reinigungswasser.“
Man stelle sich das einmal vor: Diese Räuberbanden töten alle Männer und verwüsten, was es zu verwüsten gibt. Aber Moses, der große Prophet Gottes, ist entsetzt und verlangt, dass auch die Knaben und alle Frauen, die schon Geschlechtsverkehr hatten, getötet werden. Nur die Jungfrauen sind willkommen, erstens, weil sie hübsch anzusehen und angenehm zu missbrauchen sind, und zweitens, weil man mit ihnen das Volk vermehren kann. Wie sich die armen Frauen fühlten und was mit ihren Kindern geschah, darüber steht nichts im heiligsten aller Bücher.
Nachdem die Knaben getötet und die Frauen erwürgt waren, meldete sich Gott zu Wort. Er fordert nicht etwa, endlich mit dem Morden aufzuhören und die verängstigten und misshandelten Jungfrauen in Ruhe zu lassen, nein, er fordert seinen Anteil an der Beute. Er befiehlt Moses, alle fünfhundert Seelen von Mensch und Vieh zu trennen. Das ergibt 675 Schafe und Ziegen, 72 Rinder, 61 Esel und 32 Jungfrauen (!). Mose musste sie - auch die Jungfrauen! - dem Priester Eleasar zur Opferung auf dem Altar des Herrn übergeben, der sich dann am Blut der Geschlachteten labte.
Welcher Mensch kann so etwas gut nennen, welcher Mensch kann so etwas Krankhaftes anders als abscheulich und pervers finden? Wie ungebildet, wie engstirnig, wie irregeleitet müssen Menschen sein, die diese Dinge gelesen, ja studiert haben und dennoch vor dem Altar eines solchen Scheusals fromm beten?
Das Alte Testament ist voll von Lügen und Ungeheuerlichkeiten aller Art. Die Lügengeschichten beginnen mit dem Schöpfungsbericht und setzen sich fort bis zu Moses, der ein seltsamer Führer seines Volkes war. Ständig wird gestritten und gekämpft, getötet und gemordet, Unzucht getrieben, geopfert und wieder geopfert, geschworen und nicht gehalten, verflucht und verdammt, betrogen und gelogen.
Jahwe ist kein Gott, Jahwe ist ein Dämon, maßlos eitel und besessen von der Vorstellung, alle Lebewesen müssten ihm dienen und ihm zujubeln. Selbst zu nichts anderem fähig, als große Reden zu schwingen, bedient er sich der Werkzeuge, der Menschen, um seine Ziele zu erreichen.
Jahwe bediente sich seiner »Engel«, die er auch »Propheten« nannte, um zu den Menschen zu sprechen. Geschichten wie die vom brennenden Dornbusch sind Märchen. In Wirklichkeit waren die Engel und Propheten Medien, und nur über diese Medien konnte Jahwe mit Moses und anderen Führern verhandeln und ihnen seine Gebote und Befehle diktieren.
Dass man den Mittlerverkehr mit dem Jenseits sehr wohl kannte, geht beispiels-weise aus folgender Stelle hervor (Levitikus 20,27): „Männer oder Frauen, in denen ein Toten- oder ein Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tod bestraft werden. Man soll sie steinigen, ihr Blut soll auf sie kommen.“
Wenn also jemand ein Mittler war, der nicht im Dienst Jahwes stand, musste er sofort beseitigt werden, damit nicht durch solche Mittler die wahre dämonische Natur Jahwes ans Tageslicht kam. In 4. Mose 12 wird beschrieben, wie sogar die Mittler des Mose, Mirjam und Aaron, aufbegehrten und sagten: „Hat der Herr nur mit Mose gesprochen? Hat er nicht auch zu uns gesprochen?“ Da wurde dieser Gott sehr zornig und ließ Mirjam weiß werden wie Schnee vom Aussatz. Da fürchtete sich Aaron und sagte nichts mehr. Etwas später ruft ihn dieser Gott dennoch zu sich in sein Reich und macht Aarons Sohn Eleasar zum Propheten.
Auch im 5. Buch Mose (18,10-15) ist von Zauberern und Propheten die Rede: „Es soll bei dir keinen geben, der Orakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem Herrn ein Gräuel. Wegen dieser Gräuel vertreibt sie der Herr, dein Gott, vor dir. Du sollst ganz und gar bei dem Herrn, deinem Gott, bleiben. Denn diese Völker, deren Besitz du übernimmst, hören auf Wolkendeuter und Orakelleser. Für dich aber hat der Herr, dein Gott, es anders bestimmt. Einen Propheten wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören.“
Ist es nicht sonnenklar, warum dieser Herr so panische Angst vor Menschen hat, die hellsehen können oder medial veranlagt sind?
Warum gilt Jahwe als Gott, Hitler aber als Massenmörder? Haben nicht beide das Gleiche befohlen? - Hitler waren Volksgruppen wie Juden und Zigeuner unsympathisch, Jahwe ganze Völker!
Die Kirche verstand es lange Zeit, die Gläubigen von den Grundlagen ihres Glaubens fernzuhalten und sie mit dem zu füttern, was sie selbst für gut und angenehm hielt. Die Messe wurde in Latein gelesen, von der Kanzel wurde im Interesse der Kirche gepredigt. Erst Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche und sorgte dafür, dass sie auch die des Lesens und Schreibens kundige Minderheit kennenlernte.
Die Kirche hat immer davon profitiert, dass die Alternativen - Splittergruppen, Sekten etc. - im Prinzip Altbekanntes anboten, jedenfalls denselben Gott. Sie konnte ihre Stellung behaupten, weil »Gotteslästerung«, wie ich sie hier betreibe, bis in die Gegenwart strafbar war. Sie profitierte aber auch davon, dass die Gebildeten die Nase voll hatten und das Thema Gott mit drei einfachen Worten abtaten: »Gibt es nicht«.
Das Ende der Herrschaft Jahwes und seiner Diener ist jedoch nur noch eine Frage der Zeit. Der »moderne« Mensch ist bereits einsichtig und wandlungsfähig; er wird den schweren Rucksack der Vergangenheit mit Erleichterung und Freude abwerfen, sobald er eine passende Gelegenheit dazu findet. Eines vielleicht nicht allzu fernen Tages werden Kirchen aus Geldmangel verfallen, und viele von ihnen werden mit öffentlichen Mitteln erhalten werden müssen, um die Erinnerung an schreckliche Zeiten nicht auszulöschen.
Hinweis: Wollers Tatsachenbericht können Sie über das Inhaltsverzeichnis im PDF-Format (1.4 MB) herunterladen.