Der Mittlerverkehr
Über den Verkehr mit Wesen des Jenseits gibt es unter dem Begriff Spiritismus eine reichhaltige Literatur. Der Spiritismus wird als Jenseitsforschung verstanden, als dessen Hauptaufgabe der Nachweis des Weiterlebens nach dem Tode verstanden wird. Auf diesen Erkenntnissen baut der Spiritualismus auf, der die Ergebnisse des Spiritismus zu Weltanschauungen formt.
Während der Glaube an die Existenz und die Manifestation von Geistern uralt ist und in allen Religionen, Kulturen und Epochen der Menschheit vorhanden war, entstand der Spiritismus erst im 19. Jahrhundert. Als Geburtsstunde des Spiritismus wird der 1. April 1848 angesehen (Quelle: »Handbuch Religiöse Gesellschaften«). Zwei kleine Mädchen, Leah (10) und Kate (12) vernahmen im Haus ihres Vaters, des methodistischen Farmers John Fox in Hydesvill bei Rochester (USA) Klopflaute. Spielerisch nahmen sie mit Erfolg Kontakt mit dem »Klopfgeist« auf. Eine Untersuchungskommission aus den »gebildetsten Bewohnern« Rochesters, der auch Lederstrumpf-Verfasser Fenimore Cooper angehörte, konnte die Klopftöne nicht natürlich erklären. Als Isaak Port ein Klopf-ABC erfunden hatte, konnte man mit dem Geist sprechen. Er erzählte, er habe als Kaufmann im Haus Fox gelebt und sei ermordet und im Keller verscharrt worden. Man grub nach und fand ein Skelett.
Die Begebenheiten sprachen sich weit herum und lösten andere Phänomene aus. In Häusern begann es zu spuken, Tische wurden gerückt, direkte Stimmen gehört und automatisch geschrieben. Der medial veranlagte Andrew Jackson Davis (1826 bis 1910) verfasste das Buch »The philosophy of spiritual intercourse«, welches die Möglichkeiten des geistigen Verkehrs mit dem Jenseits beschrieb. 1855 wurde die Zahl der Spiritisten in Amerika bereits auf 2 Millionen geschätzt. Schon 1848 griff die Bewegung nach Frankreich, in den nächsten Jahren nach Deutschland und England über. Hochangesehene Persönlichkeiten bekannten sich zu ihr, Atheisten wurden überzeugt.
Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte verbreitete sich der Spiritismus über die ganze Welt. Zu seinen Anhängern zählten nicht bloß einfache Leute, sondern auch anerkannte Gelehrte wie Hans Driesch, Häckelschüler und Philosoph; Gustav Theodor Fechner, Philosoph; Friedrich Zöllner, Astrophysiker; Charles Richet, Physiologe und Nobelpreisträger; Alf Russel Wallace, neben Darwin Schöpfer der Selektionstheorie; Marie und Pierre Curie, Physiker und Nobelpreisträger; William James, führender amerikanischer Psychologe; Oliver Lodge und William Crookes, hoch angesehene englische Physiker. Auch unter den heutigen Anhängern des Spiritismus befinden sich nicht wenige Akademiker.
Der Spiritismus führte zur Bildung unzähliger Zirkel, Forschungsgemeinschaften, Gemeinden und überregionalen Vereinigungen, sogar zu einer Reihe von Kirchen.
Der Spiritismus als Jenseitsforschung beschreibt die geistige Welt als feinstofflich, sie umfasst und durchdringt nach den Erkenntnissen der Spiritisten die materielle Welt. Ihre Strahlensubstanz weist demnach verschiedene Frequenzen auf, wonach sich auch die Qualität der feinstofflichen Welt bestimmt. Die geistige Welt soll sich aus einer Reihe von Seinsebenen oder Dimensionen zusammensetzen. Je geringer die Strahlenfrequenz einer solchen Seinsebene ist, desto näher kommt sie - nicht räumlich, sondern qualitativ - der grobstofflichen Welt nahe.
„Da man die Erfahrung gemacht hat, dass sich in den Seancen (Sitzungen) mit Vorliebe »tiefstehende Geisteswesen« zu Wort melden und die Sitzungsteilnehmer mit Banalitäten und Schwindeleien abspeisen“ (Quelle: »Handbuch Religiöse Gemeinschaften«) „legen Spiritisten Wert darauf, mit »Geisteswesen« aus höheren und höchsten Sphären Kontakt zu bekommen. Deren Auskünfte erstrecken sich nun über alle Höhen und Weiten des Universums, enthüllen die inneren Gesetze, die es durchwalten, beschreiben die einzelnen Sphären, beantworten die Fragen nach Gottes Wesen und dem Grund und Ziel seiner Schöpfertätigkeit. Je ranghöher das jenseitige Geisteswesen ist, desto größeres Gewicht wird seinen Informationen zuerkannt. Darum stehen die so genannten »Vatermedien« besonders hoch im Kurs - Medien, durch die sich Engel oder andere Glieder himmlischer Hierarchien oder »Christus« oder gar »Gottvater« selbst zu Wort melden. Deren »Offenbarungen« wimmeln freilich von Allgemeinplätzen und frommem, leerem Phrasenwulst, weshalb kritische Spiritisten Kundgebungen, die sich dieser Herkunft rühmen, äußerst skeptisch gegenüberstehen.“
Die spiritistische Weltschau weist - laut »Handbuch Religiöse Gemeinschaften« - folgende Grundlinien auf:
a) die »grobstoffliche«, d. h. die materielle Welt ist nur ein, relativ kleines, Teilstück der Gesamtwirklichkeit. Sie ist in die »feinstoffliche« Welt eingebettet, die so real ist wie die materielle Welt, aber von den physischen Sinnesorganen nicht wahrgenommen werden kann und sich darum auch der naturwissenschaftlichen Forschung entzieht. Der »Feinstoff« wurde als »Od« bezeichnet, das nach seinem Entdecker Karl Freiherr von Reichenbach (1788-1869) dem Magnetismus vergleichbar eine verborgene Weltkraft ist. Die heutigen Spiritisten bedienen sich der Begriffe und Erkenntnisse der Atomphysik und beschreiben die Feinstofflichkeit als eine aus Strahlen bestehende Substanz. Aus ihr ist das ganze Universum aufgebaut. Die »grobstoffliche« Materie ist lediglich verdichtete Strahlung, und in ihren kleinsten atomaren Bestandteilen findet ein steter Wechsel zwischen dem Korpuskel und dem Wellenzustand statt. Die feinstoffliche Welt - auch Astral- oder Ätherwelt genannt - umfasst und durchdringt die materielle Welt.
b) Der Mensch besteht aus drei Teilen: dem physischen Körper, dem Astralleib und dem Geist. Der Astralleib ist ein getreues Pendant des physischen Leibes, hat also Glieder, Empfindungsfähigkeit und Sinnesorgane wie dieser. Aber da er aus feinstofflicher Substanz besteht, ist er nicht wie der physische Leib dem Schicksal des Erkrankens, Alterns und Sterbens unterworfen. Er bildet das eigentliche Gehäuse des Geistes. Dieser besteht aus einer unzerstörbaren Substanz, hat also ein Leben ohne Ende.
c) Das Erdenleben ist eine Station auf dem Weg des Geistes zu seiner Vollendung. Es ist eine Schule, und der Geist inkarniert sich, um zu lernen, Prüfungen zu bestehen und dadurch für den weiteren Aufstieg reif zu werden. Dem inkarnierten Geist ist die Aufgabe gestellt, sich von Bindungen zu befreien, die ihn an das Materielle fesseln und seinen Fortschritt hemmen. Dazu gehören: Selbstsucht, triebhafte Sinnlichkeit, Neid, Stolz, Eifersucht, Rechthaberei, auch heuchlerische Frömmigkeit und fanatischer Dogmenglaube. Die wichtigste Forderung, die er zu erfüllen hat, ist die Nächstenliebe. Sie zu üben, ist »die einzig wahre Religion«. Denn die selbstlose Liebe ist das Grundgesetz des Weltalls. Der Wert der Religionen und Konfessionen bemisst sich nicht nach ihren Glaubenslehren, sondern nach dem Maß der Liebe, das sie erwecken und praktizieren.
d) Der Tod ist weder Ende noch Vernichtung, sondern nur der Übergang von der irdischen Bühne in einen anderen Daseinsabschnitt, also ein Szenenwechsel. Mit dem Astralleib bekleidet, betritt das Geisteswesen die jenseitige Welt. Damit dieser Übergang krisenlos erfolgen kann, ist es hochwichtig, dass das Geisteswesen schon während seines Erdendaseins an ein Fortleben glaubt. Denn wenn der Mensch in dem Wahn stirbt, dass mit dem Tod alles aus sei, gerät er nach seinem physischen Tod in Verwirrung und glaubt gar nicht, dass er gestorben ist, da er ja noch lebt; er sucht darum seine irdischen Tätigkeiten und Gewohnheiten fortzusetzen, und merkt dabei, dass etwas nicht mehr stimmt, und irrt schließlich ratlos umher.
e) Die Astralwelt ist genauso wie die Erde landschaftlich geprägt, hat also Berge, Täler, Gewässer, Tiere, Bäume, Blumen, Städte usw. Von den tiefsten Sphären werden grauenhafte Bilder geschildert. Gute Geister kümmern sich um die Gequälten, sobald sie gerufen werden. Sie helfen ihnen zur Einsicht und führen sie, wenn sie bereuen, in reinere Welten. Doch schon etwas höhere Sphären sind von Frieden und Schönheit erfüllt und bieten viel mehr Annehmlichkeiten als die Erdenwelt. Das abgeschiedene Geisteswesen kommt in die ihm gemäße Umwelt, und seine Wunschvorstellungen betreffend Eigenheim, Garten, Lebensstil etc. setzen sich sofort in Wirklichkeit um. Es herrscht ein reges geistiges, kulturelles und geselliges Leben.
f) Der Weg und Auftrag des Geisteswesens im Jenseits ist eine geradlinige Fortsetzung seines Erdenweges. Es wird in die Daseinsebene versetzt, die seinem auf Erden erreichten Entwicklungsstand entspricht. Das lässt sich auch physikalisch begründen: Der geistige Fortschritt oder Rückschritt während des Erdenlebens wirkt sich auch auf den Astralleib aus und verleiht ihm eine höhere oder niedrigere Frequenz, und nach dem physischen Tod kommt der Geist in jene Sphäre, die die gleiche Frequenz hat - das ist eine Art automatisches Gericht, das spiritistische Gegenstück zum biblischen Jüngsten Gericht. Der ganze Weg der Geister steht im Zeichen eines pädagogischen Evolutionismus, der folgende Kennzeichen trägt:
Maßgebende Bedeutung für den christlichen Spiritualismus haben die Bücher des ehemaligen Priesters Johannes Greber (1876-1944) bekommen. Auch mir gab jemand sein Buch »Der Verkehr mit der Geisterwelt, seine Gesetze und sein Zweck«, und ich las mit Faszination, wie der Priester den Mittlerverkehr kennen lernte und welche ungewöhnlichen Vorgänge rund um den Mittlerverkehr passierten. Für eine weite Verbreitung des Spiritismus sorgten auch die Bücher des Franzosen L. H. D. Rivail, alias Allen Kardec (1804-1869). Von der Geistigen Loge Zürich abonnierte ich die »Botschaften aus dem Jenseits«, von E. Matthiesen bekam ich das Buch »Das persönliche Überleben des Todes«, von Friedrich Härdle den Band »Diesseits und jenseits der Scheidewand«. In Wien besuchte ich einen Zirkel, der den Verkehr mit dem Jenseits praktizierte. Eine allfällige Gelegenheit, zu prüfen, ob hier wirklich Verstorbene zu den Versammelten sprachen, verspielte ich schnell durch den Umstand, dass ich zu bald zu direkte Fragen stellte. Ich bezweifle es aber auch rückblickend, dass ich die Möglichkeit zu einer wissenschaftlichen Überprüfung jemals bekommen hätte. Dem Leiter waren die Vorgänge zu selbstverständlich, als dass er eine Überprüfung für notwendig erachtet hätte. Er wollte mit seiner Tätigkeit Menschen die Einsicht vermitteln, dass es ein Weiterleben nach dem Tode gibt, von dem er selbst längst überzeugt war. Er meinte es sicherlich gut und versuchte, auf seine Weise zu helfen.
In Wien begründete Raimund Kubasek den »Kosmologischen Klub«, experimentierte eifrig und versuchte, Licht in das Dunkel der Geheimwissenschaften hineinzutragen. Er war ein auffallend kritischer Mensch und verfasste eine Reihe von Schriften, die sich durch edle Gesinnung, Wahrheits- und Nächstenliebe auszeichnen. Im Schlusswort zu seinem Werk »Lichtstrahl in das Dunkel der Geheimwissenschaften« sagt er: „Seines Nächsten in der Wahrheit und Güte aufrichtiger Berater und Führer zu sein, ist das edelste Werk des Menschen.“ Mir scheint, dass er auch so fühlte und dachte wie er schrieb.
Meines Erachtens ist der Spiritismus nicht zu Unrecht immer wieder in Frage gestellt und abgelehnt worden. Für das Tischerücken, für die Erzeugung seltsamer Geräusche, Klopftöne und Lichteffekte in abgedunkelten, kerzenbeleuchteten Räumen braucht man keine Geister aus jenseitigen Welten, es genügen einige banale Tricks, um jene Menschen zum Staunen zu bringen, die sich zur Abwechslung einige Kunststücke angeblicher Geister erhoffen. Es erübrigt sich, darüber ernsthaft nachzudenken.
Spiritisten, die den Verkehr mit der Geisterwelt nicht als eine Form der Belustigung, sondern als einen Weg zu einer größeren Lebenserkenntnis betrachten, lehnen selbstverständlich diese banalen Aktivitäten, jede Verdunkelung und jede Geheimniskrämerei ab. Diese Spiritisten versuchen ehrlich und aufrichtig, die Wahrheit über den Sinn des Lebens und die Möglichkeiten des Weiterlebens herauszuarbeiten.
Nur: Können sich nicht auch die um die Wahrheit bemühten Spiritisten täuschen? Kann es nicht sein, dass auch der ehrlichste Wahrheitssucher in die Falle geistiger Täuschung gehen kann?
Rückschauend kann ich sagen, dass ich während der vielen Jahre, während welcher ich mich mit Spiritismus und dergleichen mehr befasst habe, immer wieder Täuschungen erlegen bin, obwohl ich mich bemühte, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit kennen zu lernen. In uns verborgen schlummern Wünsche und Hoffnungen, ziehen Erwartungen in diese und Enttäuschungen in jene Richtung. Erst langsam und allmählich reift unsere Persönlichkeit heran, schwinden die Sehnsüchte und Hoffnungen, weitet sich unsere Sicht und schärft sich unser Auge.
Nach Veröffentlichung der ersten Ausgabe meines Werkes habe ich weiterhin Überlegungen angestellt und die jenseitigen Mitteilungen nochmals verglichen. Meine verbesserte Menschenkenntnis und Erfahrung verhalf mir vor allem zu der Erkenntnis, dass diese unsere Welt derzeit vom Glaubensgeiste so vernebelt ist, dass Wissen im Geiste der Wahrheit nicht zu uns durchdringen kann. Den geistigen Verkehr mit dem Jenseits gab es immer, selbst Jahwe spricht von Wahrsagegeistern, die man sofort umbringen muss, weil sie die Glaubenslügen des Wüstengottes nicht bestätigten, sondern die Menschen vor diesem Unwesen warnten. Bei den Völkern, die an gute und böse Götter glaubten, war das Befragen der Götter üblich. Stets wandten sich viele Menschen an medial veranlagte Menschen, um deren Meinung vor wichtigen Entscheidungen einzuholen.
Das Problem ist tatsächlich, dass sich nur sehr wenige für die Wahrheit interessieren und dass die Wahrheitssucher vor schier unüberwindbaren Problemen stehen. Wer mehr darüber erfahren will, möge die Werke von Johannes Greber und Raimund Kubasek lesen, zwei Menschen, die wahrhaft waren und sich mit ganzem Herzen um die Erkenntnis der Wahrheit bemühten. Pfarrer Johannes Greber erhielt Kontakt zu Wesen, die wussten, dass viele Aussagen der katholischen Kirche unrichtig sind. Sie bemühten sich zu erklären, was ihnen unrichtig erschien. Raimund Kubasek war offenbar der erste Wahrheitssucher, der erkannte, dass wahres Wissen durch Erkenntnis und nicht im Glauben gefunden werden kann.
Ich habe einmal in einem medialen Bericht einen Hinweis gelesen, der mir zu denken gab. Ich erinnere mich nicht mehr an den Titel des Werkes und auch nicht mehr an den genauen Wortlaut, die Stelle sagte aber aus, dass es auch jenseitige Welten gibt, deren Bewohner nicht an Gott glauben. Raimund Kubasek bekam offenbar Kontakt zu Wesen, die den Glauben für schlecht erkannt hatten und Christus für den wahren Gott hielten. Er erhielt mit Hilfe eines Schreibmediums einen Bericht über das Leben Christi, den er unter dem Titel »Lebenserkenntnis II« veröffentlichte. Diesen Bericht hat später Franz Woller unter dem Titel »Tatsachenbericht aus der Ewigen Welt für alle Völker der Erde« veröffentlicht, allerdings mit einigen Abänderungen.
Der Verleger des Werkes »Lebenserkenntnis II« von Raimund Kubasek beschreibt die Mühen, die Raimund Kubasek auf seinem Weg zur Lebenserkenntnis auf sich genommen hatte. Ich möchte dieses Vorwort auszugsweise wiedergeben, weil es zeigt, wie es geradezu unmöglich ist, zur Wahrheit vorzudringen. Selbst wenn man wahrhafte Wesen erreicht, dann bedeutet dies immer noch nicht, dass sie frei von Irrtum sind. So wie man glauben kann, was man will, so kann man auch »erkennen«, was man will. Menschen wie jenseitige Wesen können irren, allerlei Theorien aufstellen und überzeugt sein, dass sie die »Wahrheit« erkannt haben. Dies kommt davon, wenn man nicht durch und durch wahrhaft ist, Ausreden zulässt und da und dort ein Auge zudrückt.
Nun könnte man meinen, dass es überall nur Verwirrung gibt, hier auf dieser Welt und »drüben« im Jenseits. Das empfinden wir so, weil wir in der irdischen Realität leben und nicht allzu weit sehen. Diese Erde und die erdnahen Sphären sind aber nur ein sehr kleiner Auszug aus der gesamten Schöpfung. Würden wir uns woanders befinden, würden wir uns über das Gedankengut, das auf der Erde vertreten wird, mehr als nur wundern.
Unser Irrtum ist, dass wir eine Art zentrale Stelle erwarten, wo die Wahrheit in einem übergroßen Archiv gespeichert ist und abgerufen werden kann. So ein Archiv, das Informationen aus Weltensystem und Galaxien speichert und von Gott beaufsichtigt und verwaltet wird, gibt es aber nicht und ist auch im Geiste der Wahrheit entbehrbar. Deshalb gibt es auch keine abrufbaren Informationen über das Leben Christi. Wenn man danach - wie zum Beispiel Raimund Kubasek - fragt, dann versuchen die jenseitigen Wesen, die Fragen so korrekt wie möglich zu beantworten. Sie fragen verschiedene Wesen, von denen sie annehmen, dass sie es wissen müssten, diese fragen vielleicht wieder andere usw. und das Ergebnis sieht dann entsprechend aus.
Tatsächlich ist es so, dass 2000 Jahre seit dem Leben Christi vergangen sind. Viel wurde gefälscht, verdreht und vernebelt. Eine Unzahl von Menschen hat dieses geistige Gemisch aufgenommen, in das Jenseits mitgenommen und weiter verbreitet. So wird verständlich, dass auf Erden wie auch im Jenseits bald niemand mehr weiß, was da wirklich geschehen ist. Fragt man danach, dann versuchen die Befragten, den Menschen »die Wahrheit« zu übermitteln. Sie bemühen sich zwar, aber das Ergebnis ist doch wieder nur ein Glaube, selbst wenn er nun in einem Geiste der Erkenntnis formuliert wird.
Hier der Auszug:
„Ungefähr seit dem Jahre 1910 befasste sich Herr Raimund Kubasek auch mit der Erforschung der okkulten Kräfte. Vorerst als Laie und großer Skeptiker nahm er als Gast an zahlreichen spiritistischen Zirkeln teil. In der Folge überprüfte er unzählige Experimente mit den verschiedensten Medien und war schließlich von dem Vorhandensein unbekannter Kräfte überzeugt. Nach und nach erlangte er die Gewissheit, dass sich durch ein Medium jenseitige Geisteswesen kundgeben können. Mit Hilfe des Mittlerverkehrs versuchte der Forscher, tiefer in das seelisch-geistige Wissensgebiet einzudringen. Auf seine diesbezüglichen Fragen an die sich kundgebenden jenseitigen Wesen erhielt er nur in den seltensten Fällen eindeutige und logische Aufklärungen. Gewohnt, Phrasen, Theorien, Annahmen und Vermutungen, aber auch Dogmen und den bloßen Glauben an ein geheimnisvolles höchstes Wesen auf das entschiedenste abzulehnen, gab er sich mit den wenigen brauchbaren Antworten nicht zufrieden. Fest entschlossen, dem Irren und dem Unwissen der Jenseitigen auf den Grund zu kommen, forschte er in dieser Richtung intensiv weiter. Bei diesem Streben stieß der Gelehrte bald auf fanatischen Widerstand und oft sogar auf Bosheit der meisten Zirkelteilnehmer, die keine Kritik an dem geoffenbarten Geiste dulden wollten. Es war auffällig, dass in allen Zirkeln die Teilnehmer kein Interesse für tiefschürfende Fragen hatten und hauptsächlich aus Neugierde und Sensationslust zusammenkamen. Ferner, dass die sich manifestierenden jenseitigen Wesen immer nur das aussagten und beantworteten, was der Zirkelleiter und die Seanceteilnehmer erwarteten. Der Forscher erkannte, dass für die geistige Abstimmung des Mediums in erster Linie der Zirkelleiter maßgebend ist und dass infolge des einheitlichen Denkens und Fühlens der Versammelten nur jenseitige Wesen der gleichen Geistesverfassung und ähnlichen Charakters eine Anpassung finden können. Außerdem, dass viele Wesen, die bereits Jahrzehnte, oft schon Jahrhunderte, im Jenseits leben, das gleiche Unwissen auf seelisch-geistigem Gebiete, die gleiche Gläubigkeit und auch dieselben verwerflichen Charaktereigenschaften besitzen, die sie als Menschen hatten.
Um unbehindert und unabhängig weiterforschen zu können, bildete Herr Raimund Kubasek einen seiner Bürokollegen, der großes Interesse für dieses Beginnen zeigte und überdies gute Mittlerfähigkeiten aufwies, zum Hör-, Schreib- und Sprechmedium aus. Es stellten sich für die verschiedensten Experimente noch weitere Medien zur Verfügung, und in den folgenden Jahren hatte der Forscher Gelegenheit, tiefer in das fragliche Wissensgebiet einzudringen. Er erkannte die Kräfte der Suggestion, der Hypnose und der Telepathie, die große Verantwortung des Experimentators und nicht zuletzt die Gefahren des spiritistischen Verkehrs für Laien und leichtbeeinflussbare Menschen. Ferner, dass für die richtige geistige Abstimmung des Mittlers vor allem der Führer und Leiter des Mediums maßgebend ist. Er muss unbedingt die geistigen und charakterlichen Voraussetzungen erfüllen und die nötigen Erfahrungen auf diesem Gebiete besitzen, um unbeeinflusst und objektiv den übermittelten Geist beurteilen zu können.
Herr Kubasek gab sich die größte Mühe, seinen Kollegen, der bis dahin von allen Mittlern der verlässlichste war, geistig so abzustimmen, dass sich durch ihn nach und nach auch jenseitige Wesen mit höherer Denkungsart und guten Charaktereigenschaften kundgeben konnten. Mit ihren klaren und logischen Antworten füllten diese Wesen so manche Lücke in dem Wissen des Forschers. Es war sein Ziel, mit Hilfe eines geeigneten Mittlers auch mit den einstigen Jüngern Christi in Verbindung zu treten und einen Tatsachenbericht über das große Geschehen zu erhalten.
Diesen Bericht sowie seine Forschungsergebnisse wollte er nicht für sich oder nur für einen kleinen Kreis von Menschen behalten, sondern ausnahmslos allen Menschen bieten und zugute kommen lassen.
In dieser Zeit hielt der Forscher öffentliche Vorträge, verfasste ein Buch, betitelt »Ein Lichtstrahl in das Dunkel der Geheimwissenschaften«, schrieb einschlägige Artikel für Zeitungen, führte Diskussionen mit namhaften Psychiatern und maßgebenden Persönlichkeiten der Kirchen und begann bereits mit der Ausarbeitung von einzelnen Themen für sein philosophisch-wissenschaftliches Werk: »Lebenserkenntnis Band I«. Im Jahre 1923 gründete er eine gesellschaftliche Vereinigung, die eine Bildungsstätte für ein freies, nur auf Erkenntnissen beruhendes Wissen über die Schöpfung, über Gott und über die Natur des Lebens sein sollte. Der Vereinigung konnten alle beitreten, die Interesse für ein Erkenntniswissen hatten. In regelmäßigen Vorträgen mit anschließenden Diskussionen und an Hand von praktischen Beispielen bemühte sich Herr Kubasek, seine Zuhörer in das seelisch-geistige Wissensgebiet einzuführen.
Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Mitglieder ständig zu. Auch einige fanatische Verfechter des Glaubens traten der Vereinigung bei. Sie waren hauptsächlich aus Neugierde gekommen und lehnten bald den vom Gründer festgelegten Grundsatz »Frei und wahrhaft im Denken und hilfreich gegenüber dem Nächsten zu sein« ab. Dieser kleinen Gruppe von Menschen gelang es, den Kollegen und Mittler des Forschers so weit zu beeinflussen und geistig abzustimmen, dass sich an ihn nur Geisteswesen mit der dementsprechenden Denkungsart anpassen konnten. Zuerst versteckt, dann aber immer offensichtlicher nahmen auch die jenseitigen Wesen Stellung gegen den Forscher. Er ertrug die ärgsten Drohungen, Bosheiten und Verleumdungen mit größter Ruhe und Geduld, immer noch bestrebt, wieder die Harmonie herzustellen und den Mittler nicht zu verlieren. Doch alle Bemühungen des Gelehrten schlugen fehl. Die richtige geistige Abstimmung des Mittlers war nicht mehr gegeben und somit eine weitere positive Zusammenarbeit unmöglich gemacht.
Von den Schwierigkeiten, Enttäuschungen und Anfeindungen ließ sich Herr Kubasek nicht entmutigen. Unbeirrt suchte, forschte und lehrte er weiter und setzte auch die Arbeit an seinem ersten Band »Lebenserkenntnis« fort.
Im Jahre 1931 erschien bei ihm eines Tages ein Vereinsmitglied und persönlicher Freund und bat Herrn Kubasek, seine medialen Fähigkeiten zu überprüfen. Er erklärte, es sei sein Wunsch, sich ihm als Mittler für seine weitere Forschungstätigkeit zur Verfügung zu stellen. Die Überprüfung ergab tatsächlich mediale Fähigkeiten. Der Forscher behielt sich jedoch Bedenkzeit offen, weil die Ausbildung und richtige geistige Abstimmung viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen, außerdem der seelische Grundcharakter des Mediums wichtig ist und unbedingt bestimmte Voraussetzungen von allen Beteiligten erfüllt werden müssen. Erst nach reiflicher Überlegung und einer neuerlichen umfassenden Aussprache mit seinem Freund, einem stillen, bescheidenen Menschen, und dessen Frau, entschloss sich der Forscher, die Ausbildung zu übernehmen.
Um sich vollkommen der neuen Aufgabe widmen zu können, ließ sich Herr Kubasek vorzeitig pensionieren. Zur Ausbildung und zur richtigen geistigen Abstimmung benötigte er etwas länger als ein Jahr. Dann hatte der Forscher sein Ziel erreicht. Es war ihm gelungen, über das neue Medium den direkten geistigen Kontakt mit den einstigen Jüngern Christi aufzunehmen. Sie konnten sich uneingeschränkt kundgeben, weil der Wille des Mediums völlig ausgeschaltet war und seine seelischen und körperlichen Lebensstoffe die für die notwendige Abstimmung und Beschaffenheit aufwiesen.
In aller Stille war die Ausbildung vor sich gegangen, und in aller Stille entstand im Wege des Mittlerverkehrs innerhalb von drei Jahren der vorliegende Tatsachenbericht. Der Forscher arbeitete hauptsächlich mit dem einstigen Jünger Johannes dem Jüngeren zusammen. Mit ihm besprach er alle Einzelheiten und Vorkommnisse aus der fraglichen Zeit, stellte immer wieder Fragen, um sich ein klares Bild über alle Vorgänge aus der Zeit Christi zu verschaffen. Soweit dies möglich war, versuchte der Gelehrte, durch das Medium die einstigen Beteiligten persönlich zu sprechen. Im Einvernehmen mit Johannes wählte er dann die für das Werk in Betracht kommenden Begebenheiten aus. Meistens spätabends, wenn der Mittler ungestört war, verfiel dieser in den Trancezustand, und unter Benützung des fremden Körpers schrieb Johannes die bereits mündlich besprochenen und ausgewählten Begebenheiten und Ereignisse nieder. Am nächsten Tag wurden diese Schriften Herrn Kubasek übergeben, der sie ausarbeitete und dann als Unterlagen für den Tatsachenbericht verwendete. Während der Arbeiten an diesem Bericht hielt sich der Mittler vollkommen an die Anordnungen des Forschers. Er zeigte weder Interesse noch Neugierde für das durch ihn Gesprochene oder Geschriebene.“
Die vorhanden Informationen weisen darauf hin, dass es eine geistige Verbindung mit dem Jenseits geben kann und gegeben hat, wenn auch wahrscheinlich nur mit »Sphäre-Welten«, die der irdischen Welt nahe sind. Mir als offenem, langjährigen Forscher auf geistigem Gebiet ist es jedenfalls nie gelungen, irgendwelche verwertbaren Informationen über ein Medium zu erhalten. So schrieb mir ein Medium, dass meinen Artikel im Internet gelesen hatte, dass es Kontakt zu Jesus und sogar dem lieben Gott aufbauen kann. Nachdem ich eine einfache wissenschaftliche Frage gestellt hatte, brach es den Kontakt zu mir ab.
Ich habe den Eindruck, dass es nicht so schnell möglich sein wird, Kontakt zu Welten herzustellen, in denen die Wesen im Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe leben, zu Welten, in denen Harmonie herrscht und Lügen, Heucheleien und Bosheiten unbekannt sind. Die Menschen auf Erden haben mit ihren Gedanken in Verlaufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden so viele irreführende und auch boshafte Kräfte erschaffen und damit die Erde gegen Welten und Weltensysteme mit friedlicher und harmonischer Abstimmung abgegrenzt, dass es wohl einige Zeit dauern wird, mit wahrhaften und liebenswürdigen Gedanken einen Durchbruch zu schaffen.
Nahezu zur Verzweiflung brachte mich jedoch mehrmals der Tatsachenbericht. Auf der einen Seite vermittelt er erhabenes Gedankengut, das so hundertprozentig in Ordnung sein könnte. Auf der anderen Seite merkt man, wie gewisse Texte verändert wurden, nachdem sie sich als unrichtig herausgestellt haben. Ich verstehe, dass es bei der Übertragung Schwierigkeiten gegeben hat, und ich verstehe auch, dass Menschen die eigene Bedeutung mit einfließen lassen wollen. Irgendwo aber muss dieses Verständnis ein Ende finden. Wenn klar wird, dass jene, die die Wahrheit zu lehren behaupten, diese nicht wirklich immer ernst nehmen oder den Begriff der Wahrheit (Wahrhaftigkeit) nicht so recht verstehen, dann darf man dies unter keinen Umständen dulden. Jede noch so erhaben und schön klingende Lehre muss sich im täglichen Leben als wahr erweisen! Wenn jenseitige Wesen zum Beispiel behaupten, dass sie stets gerne in der Erkenntnis der Wahrheit behilflich sind, dann sollen sie dies auch vor Augen führen. Wenn sie sagen, dass sie dieses oder jenes bezeugen können, dann genügt es nicht, dies medial nieder zu schreiben (schreiben kann man leider, was man will!), sie müssen Methoden anwenden, die nachvollziehbar sind. Wenn zum Beispiel die Jünger Christi gewusst haben, dass die Lehren Christi verfälscht werden, dann hätten sie Christi Lehren niederschreiben und irgendwo verwahren müssen, wo sie dann zweitausend Jahre später gefunden werden. Wenn nun die zweitausend Jahre später in einer Höhle oder sonst wo gefundenen Schriften Übereinstimmung mit den zuvor erfolgten medialen Durchgaben erbringen, dann ist das ein Beweis, der wissenschaftlich von Bedeutung ist.
Wahrscheinlich ist die Wirklichkeit einfacher als wir denken. In dem großen Maß an Informationen übersehen wir die grundlegenden Tatsachen. Wir leben in einer der vielen, vielen Welten, die in unserem Universum existieren, einer Welt der Gegensätze, in einer Welt, in der furchtbare Naturgesetze herrschen. Warum wir hier sind, können wir nicht feststellen, auch wenn wir noch so beharrlich suchen. In dieser unserer Welt können wir, wenn wir es wollen, viel lernen und das Wahre und Gute vom Unwahren und Bösen unterscheiden lernen. Aber das Leben dauert nur eine vergleichsweise sehr kurze Zeit und dann wechseln wir in eine andere Welt unseres Universums oder - vielleicht - in ein anderes Universum, welches wir Jenseits nennen. Vielleicht leben wir auch in der Welt, in die wir einmal gelangen, nur eine begrenzte Zeit - es ist sinnlos und wahrscheinlich sogar gefährlich, sich zu sehr in solche Spekulationen zu vertiefen. Versuchen wir doch, in dieser Welt zu lernen anstatt in eingebildete Welten zu fliehen, bemühen wir uns, geistig und seelisch zu wachsen und Mitgefühl und Liebe für andere Lebewesen zu entwickeln. Was nützen uns auch herrlich klingende Informationen aus einem angeblichen Jenseits, die letzten Endes mehr der Ablenkung und auch Irreführung denn der Wahrheitsfindung dienen?
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