Zweiter Teil
Alles ist Geist
Im zweiten Teil meines Werkes möchte ich die Natur und die Funktionen des Geistes erklären und aufzeigen, dass alles im Universum Geist ist, die Atome, die Strahlung und die Mineralien ebenso wie die ein- und mehrzelligen Lebewesen.
Wenn Sie sich in der Welt umsehen, dann nehmen Sie eine Umgebung wahr, die sich Ihnen farbig und räumlich darstellt. Sie erscheint Ihnen so wirklich und fest, weil Sie die Dinge anfassen und verändern können. Fällt Ihnen ein schwerer Gegenstand auf den Fuß, dann schmerzt er und wird vielleicht blau, haben Sie Hunger, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich nach etwas Essbarem umzusehen.
Das ist die eine Seite der Welt, die so wirklich und fassbar erscheint.
Schalten Sie jedoch Ihren Fernseher ein, dann erleben Sie ebenfalls Welten mit Landschaften, Menschen, Tieren und Pflanzen, Sie schütteln sich vor Lachen oder schließen die Augen vor Furcht, obwohl es doch nur elektromagnetische Wellen bestimmter Wellenlänge sind, die vom Fernsehapparat empfangen und in bewegliche Bilder umgewandelt werden.
Legen Sie sich am Abend müde in Ihr Bett und schließen die Augen, um abzuschalten und die Welt um sich zu vergessen, dann erleben Sie ebenfalls oft, wie Sie sich in einer bekannten oder neuen Umgebung wieder finden, wie Sie sich erneut in Ihrem Körper bewegen, Vorstellungen entwickeln, auf Bilder Ihrer neuen Welt reagieren, sich freuen oder ängstigen. Sie kommen nicht einmal auf die Idee, in einer Scheinwelt, in einer Welt Ihrer Vorstellungen, zu leben. Und manchmal, wenn Sie im Traum etwas Schönes und Beeindruckendes erlebt haben, bedauern Sie es inständig, der erlebten Welt entrissen und der vermeintlich wirklicheren Welt zurückgegeben worden zu sein.
Das ist die andere Seite der Welt, die uns eine Ahnung davon vermittelt, wie relativ Wirklichkeit sein kann.
Mit zunehmendem, aber tatsächlich immer noch sehr bescheidenem Wissen über unsere Welt und das Universum müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass das, was uns so wirklich erscheint, nicht so ist, wie wir es zunächst vermuten. Ich sage nichts Neues, wenn ich behaupte, dass es keine Farben gibt – sind diese doch schon seit einiger Zeit als Empfindungen bekannt, deren Ursache im Licht und seiner Zusammensetzung aus unterschiedlichen elektromagnetischen Wellen liegt. Je nachdem, wie Gegenstände das Licht absorbieren und reflektieren, so erscheinen uns diese rot, grün, blau und gelb oder in einer der zahlreichen Mischfarben. Außerdem ist bekannt, dass Lebewesen die Umwelt nicht einheitlich farbig wahrnehmen, dass damit also das farbige Erleben der Umwelt von dem Sinnesapparat und dem geistigen Erfassen der Lebewesen abhängig ist.
Seit Einstein wissen wir, dass sogar die Zeit relativ sein kann. Außerdem ist bekannt, dass für ältere Personen die Zeit schneller zu vergehen scheint als für jüngere.
Transportieren Sie einen 50 Kilo schweren Sack, so werden Sie bald den Wunsch verspüren, ihn rasch wieder irgendwo abzusetzen, ein Sack, der von einem Astronauten am Mond viel leichter empfunden werden würde, weil die Anziehungskraft des Mondes deutlich kleiner ist als jene der Erde. Körper dieser Welt haben ihre Form und Größe, weil die Welt so ist wie sie ist. Beschleunigt erfahren sie eine Massezunahme; bei Erreichen der Lichtgeschwindigkeit würden diese eine unendliche Masse erreichen. So sind also auch die Körper in ihrer Form relativ.
Sicherlich haben Sie schon gehört, dass das Universum einmal - vielleicht vor mehr als fünfzehn Milliarden Jahren - aus einem einzigen unendlich kleinen Punkt hervorgegangen sein soll? Die unvorstellbare Menge an Energie, aus der sich später Milliarden Galaxien gebildet haben, soll in diesem räumlichen Winzling untergebracht gewesen sein. Zu der Vorstellung, dass das Universum aus einem Punkt hervorgegangen wäre, kam man auf Grund der Beobachtung, dass das Universum sich fortlaufend ausdehnt. Dehnt es sich aus, dann ist die Folgerung logisch, dass es sich einmal aus einem unendlich kleinen Punkt entwickelt hat.
Die Schlussfolgerung der Physiker halte ich nicht für falsch, beruhen diese doch auf logische Überlegungen und mathematische Berechnungen. Lediglich die Theorie, die gewaltige Masse an Energie wäre aus einem unvorstellbar kleinen Punkt hervorgegangen, halte ich für absurd.
Geht man hingegen davon aus, dass alles Geist und Geist farb-, raum- und zeitlos ist, dann fallen die Erklärungen viel einleuchtender aus. Das Problem ist nur, das viele Menschen mit dem Begriff »Geist« nichts anfangen können, gleichwohl sie selbst ununterbrochen geistig tätig sind und jederzeit erleben können, wie ihr eigener Geist Vorstellungen entwickeln und willentlich tätig werden kann. Man muss sich nur über den eigenen Geist klar werden, um auch anderen Geist zu verstehen.
Mir kam irgendwann die Idee, dass der Raum, den wir wahrnehmen, genau so wie alles andere (zum Beispiel die Farben) »nur« eine Empfindung der Lebewesen ist, in Wirklichkeit aber in einer selbständigen Form nicht existiert. Wir haben ja gesehen, wie relativ einfach es möglich ist, Bilder - und damit räumliche Darstellungen! - in Fernsehapparaten zu erzeugen und auch wieder aufzulösen.
Ich darf in Erinnerung rufen, dass Masse (Materie) und Energie die Grundlagen des Universums sind. Nach den Erkenntnissen Einsteins sind jedoch Masse und Energie nur zwei Erscheinungsformen desselben Seins. Nach seiner berühmt gewordenen Formel e= mc2 (Energie = Masse x Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat) kann Masse in eine ungeheure Menge an Energie umgewandelt werden. Umgekehrt benötigt man ebensoviel Energie, um Masse »herzustellen«.
Seit Einstein kann man daher davon ausgehen, dass alles Seiende - das gesamte Universum - Energie ist, Energie, die sich im Verlaufe der Entwicklung des Universums teilweise in Masse verwandelt hat.
Was jedoch ist Energie?
In wissenschaftlichen Werken findet man die Energieformen aufgezählt: Die Kernenergie, die neueste und gefährlichste Form aller dem Menschen bekannten Energieformen, weil sie ungeheure Kräfte freisetzen kann, die uns allen bekannte und segensreiche elektrische Energie, die unsere Fernseher und Radios zum Leben erweckt, die chemische Energie, die unseren Körper belebt und Wärme aus Holz, Kohle, Öl oder Gas erzeugt, die Strahlungsenergie (das Licht) und die Schwerkraft, die die Ursache für die potentielle Energie ist.
Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse enden mithin derzeit in der Vorstellung, dass Energie die Grundlage des Universums ist, welches sich nach einem Urknall aus einem Pünktchen entwickelt hat.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man Geist als Grundlage alles Seienden annimmt und die Funktionen des Geistes zu verstehen beginnt. Geist ist nach meinen Erkenntnissen raum-, zeit-, form- und farblos, wirkt durch seinen innewohnenden Willen und ist fähig zu erkennen und die Vorstellungen in geistigen Bildern auszudrücken.
Relativ leicht verstehen können Sie die Funktionen des Geistes, wenn Sie sich Ihre eigenen geistigen Aktivitäten und jene der Mitmenschen vor Augen führen.
Nehmen wir an, Sie wollen ein Haus bauen.
Zunächst müssen Sie in sich die bildhafte Vorstellung von einem Eigenheim entwickeln. Lebewesen, die keine Vorstellung von einem Gebäude haben, sind auch nicht in der Lage, ein Haus zu planen und zu bauen. Lebewesen wie Bienen, Hasen oder Mäuse haben ganz andere Vorstellungen von Wohnungen. Während Sie in den Begriffen Wand, Mauer, Ziegel, Beton und Eisen denken, gefallen Hasen und Mäusen Löcher im Erdreich, die sie ganz vorzüglich finden.
Die (geistige) Vorstellung von einem Dach über den Kopf ist die eine Sache, die Ausführung eine andere. Sie plagen sich doch nicht mit Erdbewegungen, Ziegeln und der Schiebtruhe, wenn Sie kein Verlangen nach einem Wohnhaus haben. Ihr Geist muss daher den Wunsch verspüren oder zur Notwendigkeit gedrängt werden, ein Haus zu planen, die erforderlichen Mittel aufzubringen und sich Abend für Abend und Wochenende für Wochenende abzuplagen.
Es muss daher Ihr Geist den Willen bekommen, ein Haus zu planen und zu errichten. Ist der Wille einmal da, kann er konsequent so lange wirken, bis das Haus fertig gestellt ist. Er bedient sich der ihm zur Verfügung stehenden Mittel, die er formt und gestaltet.
Von 1940 an beobachtete man in England eine bisher unbekannte Verhaltensweise von Meisen: Sie pickten eine Öffnung in den Verschluss von Milchflaschen, die morgens vor den Türen von Häusern standen und verzehrten die Sahne. Dieses Verhalten breitete sich, von einzelnen Orten ausgehend, durch fortgesetzte soziale Anregung in wenigen Jahren über weite Teile des Landes aus. Diese neue Tradition brach erst ab, als man festere Verschlüsse für Milchflaschen einführte.
Bienenzüchter wissen, wie Bienen nach Gebieten mit ausreichend Blüten und damit Nektar suchen. Ist eine Biene fündig, meldet sie ihr Wissen durch ein bestimmtes Verhalten und ein Schwarm von Bienen folgt ihr beim nächsten Flug.
Wir haben auf einem »kleinen Berg« ein Kaninchengehege eingerichtet. Die Hasen wühlen dort in dem Erdreich und graben tiefe Löcher, in welchen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Eines Tages beobachtete ich, wie sich eine der Katzen aus der Umgebung bis in das Nest der Jungen wagte und offenbar die Jungen mit sich nahm. Schließlich wurde es mir zu bunt und ich griff in die Natur ein und nahm das letzte Häschen mit in das Wohnhaus. Das kleine Lebewesen war nicht nur eine Freude für uns alle, insbesondere jedoch für die Kinder, es entfaltete zunehmend unerwartete Verhaltensweisen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, als ich beobachten begann, wie dieses kleine Lebewesen nach und nach ganz verrückt nach Süßigkeiten, Wurst und Fleisch wurde und bei meinen Tests aus einer Anzahl dargebotener Speisen die zuerst genannten heraussuchte, Karotten, Salat und Kohl hingegen stehen ließ.
Als Programmierer hatte ich immer wieder eine Unmenge von Ideen, dabei die Überzeugung, dass die Programme einfach zu bedienen und für jedermann verständlich aufgebaut sein müssen. Ich hatte also eine ganz bestimmte Sichtweise der Dinge, die auf meinen Erfahrungen und meinen Fähigkeiten beruhte. Als ich zuletzt eine völlig neue Version der Finanzbuchhaltung entwickelte und dabei alle neuen Techniken und Möglichkeiten nutzen versuchte, kam ich oft in Schwierigkeiten mit den Mitarbeiterinnen, die die Programme zu testen hatten. Die Sichtweise der Mitarbeiterinnen beruhte auf das Gewohnte, auf die Versionen zuvor, ich hingegen schob alles beiseite und programmierte so, wie das Programm mit Unterstützung der neuen Möglichkeiten optimal laufen könnte. Erst nach und nach brachte ich sie dazu, die neuen Routinen zu verstehen und zu befürworten.
Oben angeführte Beispiele zeigen meiner Überzeugung nach, dass die Sichtweise unter Menschen und Tieren unterschiedlich ist und dass Tiere ebenso wie Menschen die Umwelt wahrnehmen, die Erlebnisse verarbeiten und Schlüsse aus dem Wahrgenommenen ziehen können. Es ist lediglich die Art der Sicht eine andere, und es gibt ja wohl auch keine zwei Menschen, die dieselbe Sicht der Dinge aufbringen. Ein Mensch steht, um einen Vergleich zu bringen, auf einem Berg und überblickt die darunter liegenden Täler. Er sieht weit und meint (weil er nie woanders war), die Welt zu überblicken. Ein anderer Mensch steht auf einem noch höheren Berg und sieht noch weiter als der erste. Auch er denkt, am höchsten Punkt zu stehen und alles zu überblicken, obwohl es noch größere Berge gibt, die Drei-, Vier-, Sieben- und Achttausender.
Man muss nur ehrlich zu sich sein, um zu erkennen, weil leicht man sich täuschen kann. Oft genug kommt es im Laufe des Lebens vor, dass man meint, die Dinge und den Lauf der Welt erkannt zu haben. Viele Menschen gelangen in geistige Sackgassen und meinen, alles zu wissen und besser zu wissen als die anderen. Sie sind voll von Vorurteilen und können sich nicht vorstellen, dass die Welt von ihrem Weltbild abweichen könnte. Offene Menschen hingegen erahnen wenigstens, dass ihre Sichtweite vom eigenen Geist und den Gegebenheiten der Umwelt begrenzt ist.
Auch wenn Menschen sehr belesen und auch sonst sehr aufnahmefähig sind, ist doch deren Sicht in Wahrheit sehr klein. Sie endet hauptsächlich an den Grenzen unserer kleinen Erde, die sich irgendwo um einen der Milliarden Sterne in der Galaxie Milchstraße bewegt, einer Galaxie, die Lebewesen in fernen Galaxien wahrscheinlich nicht einmal bemerkt haben.
Mit etwas Fantasie kann man sich schon auch ein klein wenig geistig in ein Tier versetzen und beispielsweise die Nöte, Wünsche und Sorgen eines Kaninchens nachvollziehen, wie es da blind geboren wird, die Nestwärme und den Schutz der Mutter sucht und nach vielleicht vierzehn Tagen erstmals die schützende Höhle verlässt, um die Welt zu entdecken...
Der Tag ist schön, und Schnuffl, das kleine Kaninchen mit den langen weiß-schwarzen Ohren, sieht erstmals das Grün des Grases um die schützende Höhle. Instinktiv schnuppert es daran, nimmt es in den Mund und – siehe da! – es schmeckt. Die angeborene natürliche Furcht vor Neuem und Unbekanntem lässt es jedoch sehr bald wieder zur schützenden Höhle zurückkehren. Aber Schnuffl kommt bald wieder heraus, gemeinsam mit einigen seiner schon vertrauten Geschwister.
Da – urplötzlich – sausen die erwachsenen Kaninchen wie nach einem Donnerschlag zur Höhle. Sie haben schon die Gefahren der Welt kennen gelernt, sie haben schon erfahren, dass man vor gewissen Lebewesen vorsichtig sein muss. Stets spitzen sie die Ohren, den ganzen Tag müssen sie vorsichtig sein, vor allem vor jenen, die auf zwei Beinen gehen und oft scheinheilig liebe Stimmen von sich geben und dann die Geschwister fangen und davontragen – keiner weiß wohin.
Bald entdeckt Schnuffl, dass es da unter den zweibeinigen großen Lebewesen ein sehr kleines gibt, das ihm immer wieder leckere Speisen bringt, köstliche, etwas bitter schmeckende Gräser und unbekannte harte wohlschmeckende Gebilde. Im Laufe der Zeit spitzt er schon die Ohren, wenn er die Laute »Maria« hört, denn dann ist dieses fürsorgliche Wesen meistens in der Nähe, bringt etwas Gutes oder ist lieb zu ihm, auch wenn es ihn manchmal etwas grob anfasst.
So vergehen die Tage und Schnuffl wird älter und größer. Er erlebt, wie es dunkel und hell, kalt und warm wird, wie es oft mehr, dann weniger zu essen gibt. Viele seiner Geschwister sind nach und nach verschwunden. Oft sieht er durch die hohen maschenartigen Begrenzungen seines Lebensraumes, an denen er schon oft vergeblich genagt hatte. Wie gerne würde er da hinaus in die weite Welt! Er erinnert sich an jenen Tag, an welchem Maria ihn mitgenommen und in einer riesengroßen Fläche mit köstlichen Gräsern freigelassen hatte. Wie war es doch so schön, als er dort frei herumlaufen und so viele neue Dinge sehen und kennen lernen konnte! Wenn es ihm doch gelänge, das Loch unter die Begrenzung hindurch fertig zu stellen! Jedes Mal, wenn er stundenlang mit seinen Pfoten geschuftet hatte, kam eines der großen zweibeinigen Lebewesen und schüttete es zu, zuletzt sogar mit einem so hartem Material, dass er sein Vorhaben aufgeben und an einer neuen Stelle mit den Grabungen beginnen musste...
Ich möchte die Geschichte, die doch meistens nur traurig endet, nicht weiter erzählen. Ich wollte nur ein klein wenig Gefühl aufkommen lassen, dass andere Lebewesen, die sich nicht Menschen nennen, ebenfalls Wünsche, Hoffnungen und Sorgen haben und gerne nach ihrer Art und ihrer Sicht der Dinge leben.
Es sind nicht irgendwelche »Triebe«, von denen die Tiere geleitet werden, sondern ebenso von ihrem eigenen Geist, dem zufolge sie Vorstellungen und Wünsche entwickeln und zu verwirklichen trachten. Bienen lernen, wie man Waben baut und geben ihr Wissen sinngemäß wie Menschen an ihre Nachkommen weiter. Kaninchen lernen, wenn man sie mit Menschen leben lässt, von den Gewohnheiten der Menschen, und Menschen lernen nicht selten von vernünftigen und logischen Überlegungen der Tiere.
Mir erscheint es als gesichert, dass es keine prinzipiellen Unterschiede zwischen Tieren und Menschen gibt. Sie alle leben zufolge geistiger Aktivitäten, ob nun die Sichtweite der Dinge mehr oder weniger umfangreich ist, ist letztlich unbedeutend.
Liest man, wie Atome funktionieren, dann kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Da sollen sich mehr oder weniger viele Elektronen um Atomkerne in unterschiedlichen Bahnen bewegen, sie können Energie aufnehmen und abgeben und so weiter. Noch erstaunlicher ist, wie sie sich seit Milliarden von Jahren bewegen, ohne dabei abzunutzen oder Energie zu verbrauchen. Sie tun es einfach, so ganz selbstverständlich, genau so selbstverständlich, wie Menschen annehmen, dass das einfach so sein muss.
Als Programmierer habe ich mit Faszination zur Kenntnis nehmen dürfen, was man alles mit scheinbar »lebloser Materie« anfangen kann. Ich konnte beobachten, wie sich meine Ideen – geistige bildhafte Vorstellungen also – auf die »Materie« auswirken können.
Schreibe ich so eine einfache Anweisung wie »PRINT 5 * 20« dann führt das Gerät meinen Wunsch augenblicklich aus. Im Bruchteil einer Sekunde wird die Anweisung von Basisprogrammen erkannt und in binärer Form an den Prozessor, dem »Chef« im Computer zugeführt, der nun eine Reihe von Schaltungen durchführt, bis schließlich das Ergebnis 100 am Bildschirm erscheint. Da werden viele Elektronen in die eine oder andere Richtung abkommandiert, Schalter betätigt, Ergebnisse zwischengespeichert oder verglichen und so weiter und so fort.
Wenn man, um ein Beispiel anzuführen, aus Teilergebnissen das voraussichtliche Wahlergebnis hochrechnen lässt, dann geschieht sehr viel. Kilometerlange Programme – Ideen der Programmierer! – werden in enorme Computer-Speicher geladen und je nach Bedarf genutzt. Will man Ergebnisse von Gemeinden oder Bezirken speichern, müssen die in Programme geformten Ideen der Programmierer aufgerufen werden, die Schritt für Schritt genau vorgeben, welche Masken an Bildschirmen entstehen und welche Eingabefelder aufgebaut werden sollen. Nichts geschieht zufällig, alles nach Plan! Jeder kleine Punkt muss richtig gezeichnet und jede Fehleingabe der Bediener erkannt und zurückgewiesen werden. Zwischen Speichern und Prozessoren werden in unvorstellbar kurzer Zeit Tausende und Abertausende Informationen, Zwischen- und Endergebnisse transportiert, Anweisungen umgesetzt, gespeichert und an Bildschirmen dargestellt.
Was passiert denn eigentlich bei allen diesen Vorgängen?
Jeder Programmierer weiß es, dass es allein darauf ankommt, Vorstellungen zu entwickeln und diese Vorstellungen in den Computer zu schreiben. Ohne Ideen kann man keine Programme schreiben und keinen Computer »zum Leben erwecken«. Die Ideen der Programmierer werden niedergeschrieben, auf logische Richtigkeit getestet und schließlich für wiederholte Verwendung auf verschiedenen Computern gespeichert.
Auch Computer sind das, was sich Menschen geistig vorgestellt und was sie willentlich hergestellt haben. Allen diesen technischen Entwicklungen liegen Wünsche und Ideen von Menschen zugrunde, ob man diese nun mehr oder weniger begrüßt oder nicht.
Wie kommt es nur, dass Computer verstehen können, was zuerst Programmierer und später Anwender der Programme wollen?
Sagen Sie einem Mitmenschen, dass er Ihnen ein Glas Wasser holen soll, dann versteht der Mitmensch, wenn er Ihre Sprache spricht und Schallwellen aufnehmen kann, was Sie wollen. Die bildhafte Vorstellung lautet: Glas nehmen, Wasser hineinleeren und volles Glas zum Mitmenschen bringen. Weil nun viele Vorstellungen schon »automatisiert« in uns ablaufen, genügt es, den Willen aufzubringen, aufzustehen und dem Wunsche des Mitmenschen nachzukommen.
Bringt der Mitmensch den Willen nicht auf, dann lehnt er das, was er gehört hat, ab. Er stellt sich vielleicht taub oder sagt: »Hol es Dir selber!« Dann muss er sich aber vielleicht eine abschätzende Bemerkung gefallen lassen.
Ein Computer ist nicht in der Lage, Wünsche abzulehnen (außer das Programm sieht eine Abweisung vor). Auf der »untersten«, »materiellen« Ebene kann auf eine Anweisung nur eine neue Anweisung folgen. Bis zum Einlangen einer neuen Anweisung bleibt die vorhergehende aufrecht. Ein Roboter, der in Bewegung gesetzt wird, wird so lange seine Bewegung fortsetzen, bis ihn eine neue Anweisung erreicht, die sagt: »Bleibe stehen« oder »Ändere die Bewegung«.
Wir sehen überall, wie die »Welt funktioniert«: Da muss zuerst jemand eine Vorstellung von dem haben, was getan werden soll. Folgt der Vorstellung der Wille, wird mit der Verwirklichung begonnen. Schritt für Schritt - oft in Millionen von kleinen Schritten - wird das Ziel angestrebt und schließlich auch erreicht.
Beachten Sie, wie die Menschen seinerzeit als Nomaden durch die Gegenden zogen. Sie suchten nach Nahrung, bauten ein Zelt oder lebten vielleicht in einer Erdhöhle oder auf einem Baum - wer weiß es schon so genau? Die Menschen lebten in kleinen Gruppen und tauschten ihre Informationen aus, wo man gut Beute machen oder Früchte beschaffen konnte. Heute jedoch leben wir vernetzt in gewaltigen Abhängigkeiten, bei welchen es darauf ankommt, sich erfolgreich zu spezialisieren und als Spezialist einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Es genügt, dass wir erfahren, was in der Welt benötigt wird, und schon sind wir eifrig dabei, eine Produktion oder dergleichen aufzubauen und Geschäfte zu machen.
Man muss, ob Mensch, Katze oder Hund, immer zuerst erkennen, um sodann darauf zu reagieren. In uns muss eine Vorstellung davon entstehen, was gewünscht wird oder was getan werden muss. Ist das Herrchen oder Frauchen mürrisch, verschwindet man lieber unter dem Tisch, ist der Chef übel gelaunt, verzieht man sich lieber.
Man spricht davon, dass Tiere nur von »Trieben« geleitet werden. Das entspricht überhaupt nicht meinen Beobachtungen, wenn man nun einmal davon absieht, dass es gewisse Bedürfnisse gibt, denen die Tiere ebenso wie wir Menschen folgen müssen. Doch Hunger, sexuellem Verlangen, Durst, Hitze und Kälte unterliegen Menschen in gleicher Weise. Tiere können ihre Umwelt erkennen und sie folgen auch ihren Erkenntnissen.
Wenn der Geist von Menschen, Tieren und sogar so kleinen Lebewesen wie Einzellern in der Lage ist zu erkennen, bildhafte Vorstellungen zu entwickeln und willentlich zu handeln, dann ist die weitere Überlegung nur logisch, dass auch jener Geist, der die Atome, Elektronen oder Lichtwellen bildet, denselben Grundsätzen folgt. Es kann auch gar nicht anders sein: Geist ist immer Geist, gleichgültig in welcher Form er sich manifestiert.
Viele Menschen haben eine Hemmung dahingehend, anderen, niedrigeren Wesen Geist zuzugestehen. Daher werde ich darüber noch etwas länger reden müssen und am Beispiel der Einzeller demonstrieren, dass nur ein relativer Unterschied zwischen dem Körper eines Menschen und dem eines Einzellers ist.
Nach den derzeitigen Erkenntnissen ist die Zelle die kleinste Einheit des Lebendigen. Komplexere Strukturen, wie Gewebe und Organe, Pflanzen, Tiere und Menschen, sind aus Millionen, Milliarden und Billionen von Zellen zusammengesetzt.
Die Zelle ist zu sämtlichen Funktionen des Lebendigen befähigt, nämlich zu Stoffwechsel, Wachstum, Bewegung, Vermehrung und Vererbung. Zellen können mit der Umwelt Energie, Stoffe und Informationen austauschen und sind durch das größtmögliche Maß an Ordnung gekennzeichnet.
Zellen verdienen unser besonderes Interesse, weil
Das Lebewesen Zelle ist ein komplexes System von Bauelementen. Einige dieser Bauelemente sind mit dem Lichtmikroskop erkennbar, andere - noch kleinere - nur im Elektronenmikroskop. Im Lichtmikroskop erkennbar sind beispielsweise Zellstrukturen wie die Zellwände und Zellhohlräume, der Zellkern, der die genetischen Informationen beherbergt, die Mitochondrien, die der Energiegewinnung dienen, und die Plastiden, die Stärke herstellen können. Nur im Elektronenmikroskop erkennbar sind Organe wie die Ribosomen für die Proteinsynthese und die Golgi-Apparate, das sind scheibenförmige Stapel, die der Sekretion dienen. Zellen bestehen solcherart wie unser menschlicher Körper aus verschiedenen Organen, so dass man prinzipiell sagen kann, dass Zellen die kleinsten Lebewesen sind, die ähnlich den vielzelligen Lebewesen aufgebaut sind und funktionieren.
Eine Zelle setzt sich zusammen aus Elektronen, Ionen, Atomen und Wassermolekülen sowie komplexen Biomolekülen wie Nukleinsäuren und Proteinen. Proteine sind die wichtigsten Bausteine der Lebewesen. Proteine sind mehr oder weniger lange Ketten von Aminosäuren. Vielen Menschen bekannt ist das Protein Fibrin, welches die Blutgerinnung ermöglicht. Bekannt sind auch Enzyme, die als Katalysatoren wirken und bestimmte chemische Reaktionen extrem fördern und in einem geeigneten Substrat pro Minute das Millionenfache ihrer eigenen Masse umsetzen können.
Aminosäuren sind molekulare Verbindungen von Wasserstoff-, Kohlenstoff-, Sauerstoff- und Natriumatomen. Die Aminosäure Glycin ist beispielsweise eine Verbindung von fünf Wasserstoff-, ein Natrium-, zwei Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatomen.
Nukleinsäuren sind die Träger genetischer Informationen. In Riesenmolekülen, den so genannten DNA (Desoxyribonukleinsäuren) sind die genetischen Informationen enthalten, jene Informationen also, die bei Ausbildung und Vermehrung der Zellen zu dem Formenreichtum der Lebewesen führen.
Das Leben einer Zelle ist mannigfaltig, ob sie nun als Einzeller oder spezialisiert in einem Zellverband tätig ist. Wie im Körper eines Menschen laufen in jedem Augenblick eine Reihe von Vorgängen ab, die für das Leben der Zelle und - wenn sie im Zellverband tätig ist - für den Gesamtorganismus von entscheidender Bedeutung sind. Es müssen laufend mehr oder weniger komplexe Moleküle hergestellt, mit der Umgebung Energie und Stoffe ausgetauscht, Defekte repariert, auftretende Schwierigkeiten behoben und Informationen im System der Zelle und im Verband mit Nachbarzellen ausgetauscht werden. Zwischen den Abläufen im Körper eines Menschen und jenen in einer Zelle ist hauptsächlich nur ein größenmäßiger Unterschied feststellbar, im Prinzip geht es um dasselbe, nämlich dass eine leitende Kraft die Vorgänge steuern und Informationen beschaffen und weitergeben muss.
So wie der Geist der Menschen auf Umweltanforderungen reagiert und zunehmend seine Eigenständigkeit zugunsten einer Spezialisierung aufgibt, genau so reagieren auch die Zellen auf Informationen im Zellverband und führen jene Aktivitäten aus, die angefordert worden sind. Menschen werden zu Technikern, Ärzten, Biologen, Tischlern oder Programmierern und engen sich durch die Spezialisierung so sehr ein, dass sie nicht mehr in der Lage sind, für sich allein zu existieren. Es dauert auch gar nicht lange, bis an sich lebensnotwendige Informationen vergessen und für die Spezialisierung erforderliche neue Informationen aufgenommen werden.
Wir haben aus den Ausführungen gesehen, dass so »kleine« Lebewesen wie die Zellen (was ist schon »klein«?) ebenso in der Lage sind zu erkennen und auf Erkenntnisse zu reagieren. Ohne diese Fähigkeit wäre Leben überhaupt nicht möglich, weil Leben schließlich Tätigkeit bedeutet, die selbstverständlich geordnet und übereingestimmt mit anderen Lebewesen ablaufen muss.
Ich habe schon am Computer-Beispiel aufgezeigt, wie da faszinierend viele Abläufe erfolgen, die vom Prozessor gesteuert werden, der seinerseits die Informationen auf dem Umweg über Programme von Menschen erhält. Es sollte in heutiger Zeit jedem durchaus einsichtig werden, dass Ideen in Form von Programmen auch in »seelenlosen Dingen« wirken können. Ohne menschliche Vorstellungen, ohne den Willen der Menschen, könnten solche Geräte weder existieren noch funktionieren.
Wesentlich ist auch auf der Ebene der Materie und Energie, dass Vorstellungen in einer Form gereicht werden, in welcher sie verstanden werden können. Es hat keinen Sinn, sich vor einen Computer oder Roboter hinzustellen und auf ihn einzureden, eben so wenig wie es einen Sinn ergibt, sich vor eine Kuh hinzustellen und ihr aus Schillers Gedichten vorzulesen.
Wir Menschen verstehen schließlich auch nur, was wir über unsere Sinnesorgane erfahren. Andere Signale - zum Beispiel Radiowellen - bleiben uns verborgen, während diese ein Radioempfänger sehr wohl aufnehmen kann, weil er die erforderlichen Sensoren besitzt. Für geistige Botschaften sind die meisten Menschen offenbar nicht empfänglich, weil sie keine Sensoren in dieser Hinsicht ausgebildet haben. Kann sich das jedoch nicht in einer kommenden, geistigeren Zeit ändern?
Bei der Übermittlung von Informationen kommt es daher darauf an, einen geeigneten Weg zu finden, wie diese den Empfänger erreichen können.
Menschen können sich ein Bild von der Umwelt bilden und die Möglichkeiten und Anforderungen der Umwelt erfassen. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat zu einer unfassbaren Anpassung der Menschen an neue Gegebenheiten und Möglichkeiten geführt. Dabei genügte es stets, geistig die Notwendigkeiten und Möglichkeiten zu erfassen.
Ähnlich passen sich, wie Verhaltensforscher bestätigen können, die Tiere und Pflanzen neuen Umweltbedingungen an. Sie erkennen neue Lebensräume und passen sich den geänderten Bedingungen an.
Mir erscheint die Vorstellung, Atome, Moleküle und Elementarteilchen wären »leblos«, nicht der Wirklichkeit entsprechend. Sie alle entfallen Tätigkeiten, und tätig sein heißt leben. Vielleicht, nein wahrscheinlich, werden wir eines Tages auch erkennen, wie Galaxien in Wechselwirkung zueinander stehen und dass das gesamte Universum einem Körper vergleichbar ist. Vielleicht wiederholen sich die Vorgänge »von unten nach oben«. Was im Kleinen - einer Zelle - geschieht, geschieht sinngemäß im Körper eines Lebewesens. Und was im Körper eines Lebewesens geschieht, könnte sinngemäß im Körper »Universum« ablaufen, in welchem die Sterne und Planeten Atomkerne und Elektronen darstellen und die Milchstraßen die einzelnen Zellen. Doch: verbirgt sich da dann ein Geist dahinter?
Unser Denken wird immer wieder an neue Grenzen stoßen, die wieder nur der Geist durchbrechen kann. Derzeit sind wir viel zu sehr damit beschäftigt, uns selbst und das Leben an sich zu verstehen. Aber die Zeiten kommen und gehen, und wie Welt wird morgen nicht dieselbe sein wie heute.
Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass für das glückliche und liebevolle Zusammenleben unter Lebewesen ein Grundwissen erforderlich ist, dass es aber im übrigen bedeutungslos ist, ob und wie viele andere Weltensysteme existieren, ob diese von jemandem geschaffen und regiert werden oder nicht. Tatsache ist doch, dass sich das Universum im Verlaufe der Jahrmilliarden Tag für Tag durch das Schaffen des gesamten Geistes verändert hat und sich auch nur durch geistige Vorstellungen des gesamten Geistes verändern wird. In den Millionen von Jahren menschlichen Daseins haben nur Menschen, Tiere und Pflanzen die Welten bewohnt – und dabei wird es sicherlich auch bleiben.
Wir haben bereits erfahren, dass Geist sich nur manifestieren, in seiner wahren Natur aber niemals »hergezeigt« und damit »bewiesen« werden kann. Das ist auch der Grund, warum wir vergeblich nach dem Geist in uns suchen. Wir können ihn nicht »finden«, weil er nur genau das machen kann, was wir auch tagtäglich erleben: Sich mitteilen in Ideen und Tätigkeiten.
Mit Verwunderung haben Astronomen und Physiker festgestellt, dass wir - nach derzeitigen Berechnungen - nur etwa 4% (!) des Universums nachweisen können und dass etwa 23% der Materie unsichtbar und 73% der Energie nicht feststellbar sind. Diese 23% der Materie bezeichnet man als „Dunkle Materie“ und die 73% der Energie als „Dunkle Energie“. Auf die Existenz der „Dunklen Materie“ kam man, indem man beispielsweise die Bahngeschwindigkeiten der Sterne um das Zentrum einer Galaxie ermittelte und mit der Schwerkraft verglich, die sich aus der Masse aller Sterne, Planeten, Gaswolken etc. ergab. So zum Beispiel umrundet unser Sonnensystem das Milchstraßenzentrum mit einer Geschwindigkeit von 220 km/s bzw. 792 000 Kilometern in der Stunde. Die Sonne entwickelt hierbei eine enorme Fliehkraft, die durch die Gravitationskraft (Schwerkraft) kompensiert werden muss, widrigenfalls unsere Sonne mitsamt ihren Planeten längst aus der Galaxie hinausgeschleudert worden wäre. Es muss zwischen der Sonne und dem galaktischen Zentrum eine entsprechend große Masse vorhanden sein, um die erforderliche Anziehungskraft zu entwickeln. Wenn man jedoch die gesamte sichtbare Materie zusammenzählt, stellt man erstaunt fest, dass viel zu wenig davon vorhanden ist. Daher muss noch etwas existieren, das unser Sonnensystem an der Galaxie festhält.
Die dunkle Materie verrät durch nichts ihre Anwesenheit. Keinerlei uns bekannte Strahlung wird von ihr emittiert. Dennoch muss ihre Masse riesig sein, man schätzt, dass sie um den Faktor 5 bis 10 größer ist als die gesamte beobachtete Masse der Galaxie.
Wenn wir demnach zugeben müssen, dass wir den Großteil des Seins nur in der Wirkung feststellen, nicht aber dessen Existenz in Form, Größe und Farbe definieren können, dann sollte es nicht mehr schwer sein, die Existenz des Geistes für möglich zu halten, zumal wir selbst mit einem solchen ausgestattet sind und dessen Tätigkeit fortlaufend beobachten können.
Menschlicher Geist, der sogar zur Erkenntnis der Wahrheit fähig ist, benötigt zur Entfaltung seiner innewohnenden Möglichkeiten bestimmter Mittel und Rahmenbedingungen, die er im Körper und einer Umwelt finden kann. Geist ohne Körper ist lebloser Geist, der sich seiner Existenz nicht bewusst werden kann.
Wahrscheinlich ist es ein unbewusster Drang in jedem Geist, nach Entfaltung seiner selbst in der Gemeinschaft mit anderem Geist zu suchen. Das würde jedenfalls eine Erklärung ermöglichen, wie »kleinster« Geist zu einem gemeinschaftlichen Leben zusammenfand und sich zu Elementarteilchen und Atomen gruppieren und entfalten begann. Durch allmähliche Bildung von Welten entstanden die Grundvoraussetzungen für die Entfaltung größeren Geistes, nämlich zuerst jener einfacher »Einzeller«, später der Pflanzen, Tiere und Menschen.
Ein Leben als Geist allein und ohne Körper ist meinen Überlegungen nach nicht möglich. Wenn nun aus gewissen Berichten hervorgeht, dass ein Leben in einem »jenseitigen« Weltensystem nur geistig stattfindet, dann muss man auch daran denken, dass gleichfalls ausnahmslos davon die Rede ist, dass diese Wesen auch einen »feinstofflichen« Körper haben. Wie dem auch sei – ob das Jenseits wirklich im Jenseits ist oder dieses andere Leben tatsächlich in anderen Galaxien stattfindet (es ist verlorene Mühe, mit dem derzeitigen Wissensstand darüber zu diskutieren!) – Leben kann sich nur in Aktivitäten äußern. Leben heißt tätig sein, erleben, etwas aus sich machen und glücklich mit anderen zusammenleben.
Um in dieser Welt mit Namen Erde leben zu können, müssen sich Lebewesen an atomare und molekulare Strukturen anpassen. Zellen bedienen sich dabei der Biomoleküle und anorganischer Substanzen, vor allem des Wassers und einer Reihe weiterer in Wasser gelöster Stoffe. Vielzeller bilden einen vielzelligen Körper je nach Fortpflanzungsart aus einer oder zwei miteinander verschmolzenen Zellen.
Die Anpassung des Geistes an körperliche Stoffe liegt noch im Dunklen. Man findet dazu fast keine Literatur. Den Ausführungen des englischen Arztes Bendit und seiner hellsichtigen Frau und Krankenschwester zufolge (siehe Kapitel »Die Brücke des Bewusstseins«) soll die Zygote (die bereits vielfach in Zellen umgestaltete Eizelle) der physische Brennpunkt für die Verkörperung des Geistes sein. Die Verfasser verwenden relativ viele Begriffe der fernöstlichen Philosophie, die dem Leser nicht bekannt sein werden, so dass ich mich veranlasst sehe, die Darlegungen der Verfasser mit einfacheren Worten sinngemäß wiederzugeben.
Frau und Herr Bendit sprechen von vielen Schichten zwischen Körper und geistigem Wesen, deren mittlerer der »ätherische« Bereich ist. Den ätherischen Bereich kann ein hellsichtiger Mensch sehen. Sie sagen, dass es so zu sein scheint, als ob ein Lichtstrahl einen horizontalen Kreis auf der ätherischen Ebene bilden und das Feld abzeichnen würde. Im Mittelpunkt dieses Kreises sah die hellsichtige Frau Bendit eine winzige sich drehende Scheibe intensiven goldenen Lichtes, eine Art Miniatursonne. Der goldene Kern sendet, während er sich dreht, Strahlungen aus, die alle Schichten des Wesens beeinflussen und in Bewegung versetzen. Es entsteht ein kompliziertes Muster ineinander verwobener Ströme, die sich mit großer Geschwindigkeit bewegen. Dieses Muster ist individuell und durch die Natur des Geistes bestimmt. Allmählich nimmt es die Form einer dreidimensionalen Kugel an.
Das solcherart entstandene Energiegefüge schwebt gewissermaßen über der Zygote im ätherischen Bereich. Viele Zygoten sterben sofort ab; kommt es jedoch zu einer magnetischen Verbindung zwischen der Zygote und dem runden Feld, beginnt die Keimung. Das magnetische Band zieht den Keim und das Feld räumlich zusammen, bis die Zygote – die jetzt wahrscheinlich im Morula- oder Blastula-Stadium ist – und der Kern des rotierenden Kraftfeldes zusammenfallen.
Ein räumliches Problem ist die Verkörperung nach meinen Erkenntnissen über den Raum jedenfalls nicht mehr. Es ist auch denkbar, dass die auf die Erde gelangenden Wesen aus einem Jenseits kommen, aus einem uns unbekannten Weltensystem, es ist aber auch denkbar, dass sie zuvor auf Welten unseres Universums gelebt haben, deren Lebensgrundlage allmählich oder plötzlich zerstört wurde.
Zu denken geben muss jedem, dass die Menschen hier mit vorgeformten Persönlichkeiten ankommen, die man zwar im Verlaufe der Kindheit beeinflussen, aber, wie jede Mutter und jeder Vater weiß, nur wenig verändern kann. Die geistigen Fähigkeiten sind zwar durch den jeweiligen Geist bestimmt, nicht jedoch die Kräfte, die diese Wesen bereits mitbringen und den einen Menschen in diese und den anderen in jene Richtung ziehen.
Unklar ist auch, wie sich die Vorstellungen wie jene von Bendit mit Fortpflanzungsarten vereinbaren lassen, bei denen die Entwicklung nicht bei einer Zelle beginnt. Was geschieht, wenn zum Beispiel aus einem Ast, den man in die Erde steckt, ein neuer Baum hervorgeht?
Im Normalfall ist die Zelle der Ausgangspunkt eines neuen Individuums. Es gibt aber auch die Möglichkeit der Entwicklung eines neuen Lebewesens aus einem Zellverband. Weit verbreitet in der Land- und Forstwirtschaft ist die Vermehrung durch Stecklinge, welche von der Mutterpflanze abgelöst werden und nach Einsetzen in feuchter Erde oder in Wasser zur Bewurzelung führen. Bei Begonien können Blätter, bei Weinreben Stengelstücke und bei Asteraceen Wurzelstücke regenerieren, sich also wieder zu vollständigen Pflanzen entwickeln.
Die Vorstellung, dass ein Geist es ist, der den Körper aufbaut und leitet, wird bei diesen Arten der Fortpflanzung einer harten Probe unterworfen. Man neigt in solchen Fällen dazu, die Anpassung eines Geistes im Falle eines Stecklings für schwer möglich zu befinden. Das Problem liegt aber letzten Endes darin, dass wir über die Vorgänge bei der Verkörperung so gut wie nichts wissen und deshalb auch nicht erahnen können, welche Kräfte bei der Anpassung wirksam werden, wann die Anpassung tatsächlich geschieht, wie fest die Verbindung zwischen Geist und Körper ist und unter welchen Umständen sie allenfalls doch auch in ausgebildeten Zellverbänden erfolgen kann.
Wir sehen es an den Pflanzen, Tieren und Menschen, wie der gesamte Organismus so aufgebaut wird, sich möglichst gut in der Umwelt zurechtzufinden. Durch die Augen kann ein Mensch sehen, mit den Ohren hören, mit den Händen greifen, mit den Füßen gehen, der Magen dient zur Nahrungsaufnahme, die für die Energieerhaltung erforderlich ist usw. Der Geist erkennt über die Sinnesorgane die Umwelt und reagiert auf sie mit Hilfe der körperlichen Werkzeuge. Selbst die Schönheit der Blüten und vieler weiblicher Wesen sowie die Kraft der männlichen Bewohner dieser Welt wurde ursprünglich zu dem Zweck einer gesicherten Fortpflanzung und dem Bestand der Arten untergeordnet.
Die Körper der Lebewesen müssen also immer so abgestimmt und – durch geänderte Umweltbedingungen – verändert werden, dass die Anpassung des Geistes der jeweiligen Art gesichert erscheint. Bei Tieren und Menschen muss ein gebrauchsfähiges Gehirn vorhanden sein, damit die Umwelteinflüsse wahrgenommen werden können. Bei Pflanzen, bei denen die Sinnesorgane nicht so weit entwickelt sind, könnte die Anpassung neuen Geistes durch Kräfte genügen, wie sie beispielsweise bei Stecklingen wirken.
Der unmittelbare Verfall des Körpers nach dem Abschied des Geistes von der Welt scheint mir ein weiterer Hinweis zu sein, dass der Geist es ist, der den Körper leitet und benutzbar macht. Wie ein Auto ohne Fahrer ist ein Körper ohne Geist bedeutungslos, er verliert die übergeordnete Kontrolle und wird sofort frei für Kräfte, die ihn abbauen beginnen.
Herr und Frau Bendit beobachteten hellsichtig auch den weiteren Prozess der Verkörperung, die Geburt und die Entwicklung des Geistes bis hin zum irdischen Tod:
„Das sich verkörpernde menschliche Individuum schwebt über dem wachsenden Körper auf seiner eigenen psychischen Ebene. Es ist noch nicht bewusst mit diesem Körper verbunden, ja es wird seiner vielleicht noch nicht einmal gewahr. Während der ersten Kindesbewegungen im Mutterleib scheint es jedoch, als ob das menschliche Individuum seine Aufmerksamkeit zum ersten Male auf die Geschehnisse richtet, die in dem Organismus vor sich gehen, welchen es bewohnen soll. Es ist, als ob das »Gewicht« des Körpers jetzt so zugenommen hat, dass das Individuum die Schwere fühlt und dadurch gezwungen wird, »nach unten zu schauen«, um ihm zum ersten Male Aufmerksamkeit zu schenken. In diesem Augenblick blitzt ein neuer Strahl vitaler Energie in das embryonale Feld.
Bei der Geburt ist das ätherische Feld farblos und ungegliedert, doch sind die Anlagen sowohl für Farbe als auch für organische Gliederung in ihm vorhanden und können von einem geübten Beobachter erkannt werden. Tatsächlich verändern sich Farbe und Grad der Gliederung von Augenblick zu Augenblick, wenn sich die Aufmerksamkeit des Kindes entweder auf einen Punkt konzentriert oder in ein undeutliches Bewusstsein der allgemeinen Umweltbedingungen ausweicht. Es scheint so, als ob das ätherische Feld, sobald das Interesse für irgend etwas geweckt wird und das Bewusstsein sich nach außen wendet und auf das interessierende Objekt konzentriert, einen Augenblick lang straffer und besonders um den Kopf schärfer umrissen würde, während seine Form bis dahin locker und vage war. Außerdem tritt in sein opalisierendes Aussehen helleres Licht und Farbe ein, die, obgleich noch schwach, doch schon definitive Tönungen aufweisen. Wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, kehrt das ätherische Feld in seinen früheren Zustand zurück, und es bleibt aus der Erfahrung lediglich ein leichter Rückstand, der die Qualität und Spannkraft des Ganzen fortgesetzt steigert. Dieser Zuwachs in dem Gefüge des Ätherischen ist ein Anzeichen für die fortschreitende mentale Entwicklung – oder, genauer gesagt, für die Einwirkung des Verstandes auf das ätherische Feld.
Während das Kind in zunehmendem Umfang ichbewusst wird, geht eine fortschreitende, aber grundlegende Veränderung in der ätherischen Aura, besonders in der Kopfgegend, vor sich. Sie wird klar umrissen, in einer Weise, wie es bei dem noch nicht ichbewussten Kind nicht der Fall war. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass gewisse Kinder schon vor der Geburt an ichbewusst zu sein scheinen, und dann ist derselbe klare Umriss der Kopfaura schon von der frühesten Zeit an feststellbar. In der jetzt beschriebenen Zeit – gewöhnlich im Alter von ungefähr sieben Jahren – verändern sich die Chakras. Bei der Geburt kann man sie als flache Vertiefungen der Oberfläche der Aura wahrnehmen, die mit einem dünnen Kanal versehen sind, der wie ein Stängel in das ätherische Rückgrat reicht. Allmählich vertiefen sie sich jedoch und wachsen gleichzeitig über die Oberfläche des Ätherischen hinaus, so dass sie Füllhörnern ähneln oder den Blüten der Brunnenkresse, die aus dem Rückgrat herauswachsen. Über dem offenen Ende entwickeln sie ein membranartiges Gewebe ätherischer Kräfte. Die Membrane oder dieses Gewebe hat eine besondere Funktion, indem es die Eindrücke aus der psychischen Welt gewissermaßen filtriert und das, was in das physische Bewusstsein eingelassen wird, beschränkt.
Wenn das ätherische Feld und besonders die Chakras ernsthaft verletzt werden, wird das Individuum in den schutzlosen Zustand der Kindheit zurückversetzt und verliert das Verständnis für die objektive Realität, welche der Erwachsene besitzt. Ist die Entwicklung normal und unter guten Bedingungen vor sich gegangen, so hat das Kind ungefähr mit sieben Jahren einen voll geformten, wenn auch nicht voll entwickelten ätherischen Organismus im Besitz, in dem alle Energiearten grundsätzlich so funktionieren, wie sie für den Rest seines Lebens funktionieren werden“.
Ich habe schon einleitend gesagt, dass ich über viele Jahre Kräfte in mir beobachten konnte, die sich irgendwie drehten. Diese Kräfte können sehr viele Menschen beobachten. In der fernöstlichen Philosophie sind sie als »Chakras« gut bekannt.
Ich denke wie viele andere, die sich damit befassten, dass diese Kräfte ein Bindeglied zwischen dem verkörperten Geist und dem irdischen Körper sind. Ich denke außerdem, dass man mit zunehmendem Verständnis dieser Kräfte vieles erklären wird können, was man bisher überhaupt nicht erklären konnte. So schreibt Giselher Guttmann, Professor an der Universität Wien, in seinem Werk »Lehrbuch der Neuropsychologie« den Aufbau und die Funktion von Nervenzellen und die Wahrnehmung und zeigt die Schwierigkeiten auf, Ort und Substrat des Lernens zu finden.
Über den Ort des Lernens schreibt Guttmann, dass man schon lange vermutete, dass die Großhirnrinde für die Lernprozesse von entscheidender Bedeutung sei, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass ein Lernen auch ohne Großhirnrinde möglich ist. „Dies zeigen Tierversuche, in denen Konditionierungen nach vollständiger Dekortikation möglich waren, wie auch die Tatsache, dass Lebewesen mit anders aufgebauten Nervensystemen, in denen keine Hirnrinde ausgebildet ist, lernen können. Für die höher entwickelten Wirbeltiere und insbesondere den Menschen scheint freilich ein intakter Kortex für das Ablaufen eines einigermaßen umweltangepassten Verhaltens unerlässlich zu sein. Welche Befunde liefern aber einen überzeugenden Hinweis darauf, dass in dieser Region die biologischen Grundlagen der gelernten Aktivitäten zu suchen sind? Die große Zahl von Läsionsexperimenten, die in der älteren Literatur berichtet werden, gibt darüber keinen befriedigenden Aufschluss. Es existiert kaum eine Region im Zentralnervensystem, nach deren Ausschaltung nicht Veränderungen in irgendeinem gelernten Verhalten berichtet worden wären.“
Verschiedene Versuche zeigen, dass die Steuerung des Lernens auch von anderen Aktivitäten abhängig zu sein scheint, liest man in Guttmanns Werk. Interessant ist vor allem, dass nicht jede Erregungsinformation (Reiz) zu einem Lernen führt, dass es Faktoren gibt, die darüber entscheiden, ob eine Erregungsinformation gespeichert werden soll oder nicht.
In zahlreichen Experimenten hat man festgestellt, dass es keinen fest umschriebenen Ort des Lernens gibt. Es scheint, „als würde von einer extrakortikalen Region laufend entschieden werden, in welcher der beiden Hemisphären eine eintreffende sensorische Information“ gespeichert wird.
Zur Steuerung des Lernens schreibt Guttmann, dass zumindest zwei völlig getrennte Speichersysteme existieren müssen, ein so genanntes Kurzzeitgedächtnis und ein Langzeitgedächtnis, die sich voneinander in zahlreichen Funktionseigenheiten unterscheiden. Im Kurzzeitgedächtnis scheinen die aktuellen Informationen offensichtlich unverändert und unkodiert für eine Dauer von 10 Sekunden erhalten zu bleiben. „Die Information ist in dieser Phase auch überaus störanfällig und schwindet wieder spurlos, wenn nicht durch eine spezifische »Weichenstellung« Prozesse in Gang gesetzt werden, die ihre Konsolidierung, also ihre Übertragung in das Langzeitgedächtnis, bewirken. Eine der für diese Weichenstellung verantwortlichen Strukturen ist der Hippocampus, nach dessen Ausfall es zur Blockierung dieser Übertragungsfähigkeit vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis kommt.“
Schwierig ist es auch, ein Substrat des Lernens zu finden, dieses gewisse Etwas, das die unglaubliche Zahl von Informationen festhält. Da die gegenwärtige Wissenschaft die Existenz des Geistes noch nicht berücksichtigt und auch die zwischen Geist und Körper angesiedelten Kräfte nicht kennt, kommt sie über Fragen kaum hinaus. Sie findet einfach kein Archiv, in welchem die Informationen abgelegt werden. Als Schaltzentrale wird das Gehirn verständlich, als Archiv kaum ansatzweise.
In dem Zwang, eine Erklärung im Körperlichen finden zu müssen, nimmt man an, „die Erregungsprozesse im Zentralnervensystem nicht nur als die Grundlage der aktuellen sensorischen und effektorischen Aktivitäten anzusehen, sondern sie auch gleichzeitig als das Substrat des Gelernten zu betrachten.“ schreibt Guttmann und fragt sich: „Wie aber kann eine bestimmte Erregungskonstellation fortbestehen, so dass sie unverändert auch nach langer Zwischenzeit wieder verwendet werden kann?“ Guttmann zweifelt daran und stellt fest: „... zumindest kann es sich mit Sicherheit nicht um den einzigen Speicher und jedenfalls nicht um die biologische Grundlage des Langzeitgedächtnisses handeln.“
Eine weitere Überlegung geht darin, in den Makromolekülen die Funktion des Lernens zu sehen. Danach sollte sich die DNA-Struktur, die nicht vererbt wird, verändern. Da aber DNA-Struktur sehr beständig ist, hielt man diese Idee bald für unwahrscheinlich. Schließlich überlegt man, ob die weniger stabilen Ribonucleinsäuren als Gedächtnisträger fungieren könnten, weil jede Nervenaktivität zu einer Steigerung des RNA-Stoffwechsels führt.
Guttmann meint dazu: „Diese Ereignisse können freilich noch nicht als Hinweis auf eine Beteiligung der RNA am Lernen gewertet werden, sondern zeigen lediglich, dass sich ihre Konzentration mit dem Aktivitätsgrad einer Nervenzelle ändert.“
Es gibt noch andere Überlegungen, die allesamt zu keiner Erklärung führen, wie nun der Gedächtnisspeicher aussieht und funktioniert. Man gewinnt genau jenen Eindruck, den das Gehirn bei Vorhandensein eines leitenden Geistes haben muss, jenen nämlich, dass das Gehirn als eine große Schaltzentrale mit gewissen Zwischenspeichern fungiert.
Es scheint den Tatsachen zu entsprechen, dass sich Geist verkörpert und dass während der Verkörperung eine ganze Reihe von Kräften entwickelt werden, die für das körperliche Bewusstsein und für viele eingeübte Verhaltensweisen verantwortlich bzw. mit verantwortlich sind. Es ist außerdem wahrscheinlich, dass der sich verkörpernde Geist bereits mit einer seelischen Struktur (so eine Art geistigem Körper, der Seele) einlangt, die neben den geistigen Ureigenschaften die Persönlichkeit des Lebewesens bestimmt. Das seelische Muster könnte und wird wahrscheinlich mit bestimmen, welche Lebensstoffe entsprechend den Bauplänen in den DNA genutzt werden oder auch nicht.
Dass nicht alles so sein kann, wie man bisher zu wissen glaubte, möchte ich mit nachfolgender Überlegung untermauern:
Lebewesen entwickelten sich von Einzellern zu den Vielzellern, schließlich zu Pflanzen, Tieren und Menschen. Durch Vermehrung genetischer Substanzen, durch Mutation und Selektion kam es zur Entstehung von Abertausenden von Arten.
Der Mensch entwickelte sich offensichtlich aus der Art der Affen, indem er den Körper des Affen nahm und im Verlaufe einer langen Zeit immer intelligenter wurde. Nach den Gesetzen der Biologie müsste man sagen, dass Affen durch Mutation den genetischen Bestand veränderten und sich durch ein immer intelligenteres Verhalten einen Selektionsvorteil schufen. Irgendwann war sodann der Mensch so weit fertig, dass wir ihn rückblickend als Menschen und nicht mehr als Affen bezeichnen können.
Die Sache klingt so logisch, dass offenbar noch niemandem aufgefallen ist, dass es, wenn es nur so wäre, immer wieder zu einer Wiederholung der Entwicklung kommen müsste. Immer wieder müssten Affen durch Mutation die genetische Substanz verändern, sich wie einmal schon zuvor intelligenter verhalten und – sich zu Menschen empor entwickeln. Genau das geschieht aber nicht!
Man kann natürlich sagen, der Zufall spielt eine gewichtige Rolle. Ich würde dem sofort zustimmen, wenn es nicht so wäre, dass sich die Entwicklung nicht nur von Affen zu Menschen, sondern auch von allen anderen Lebewesen zu höheren nicht mehr wiederholt! Warum bleiben denn Fische immer nur Fische, auch wenn sie noch so sehr ihr Äußeres verändern? Warum gibt es keine Pferde, die lesen und schreiben lernen, warum keine Schlangen, die sich mit philosophischen Fragen auseinandersetzen und keine Würmer, die Autos herstellen?
Wir sehen einleuchtend, dass es noch weitere, bisher nicht berücksichtige Faktoren in der Entwicklung der Lebewesen geben muss.
Bedenkt man die Tatsache, dass sich die Lebewesen durch Mutation und Selektion immer wieder im äußeren Erscheinungsbild verändern, im Grunde jedoch das bleiben, was sie einmal wurden, dann gibt es nur einen zwingenden Schluss: Sie müssen Rahmenbedingungen unterliegen, über die sie sich nicht hinausentwickeln können.
Mit anderen Worten: Lebewesen aller Arten sind von ihrer ursprünglichen Natur her immer dieselben Lebewesen. Sie können und müssen sich der Umwelt anpassen, verändern sich aber im Kern ihrer Persönlichkeit nicht wesentlich, sie kommen über ihren limitierten Rahmen nicht hinaus.
Die Wahrscheinlichkeit spricht wieder für die Existenz eines ursprünglichen Geistes, nach welchem ein Fisch eben ein Fisch, ein Insekt ein Insekt, ein Affe ein Affe und ein Mensch eben ein Mensch bleiben muss. Sie passen sich an die Umweltbedingungen an, bleiben aber ihrem Kern nach was sie sind.
Ein Mensch könnte in einer anderen Welt einen völlig verschiedenen Körper haben, müsste aber dennoch ein Mensch bleiben. Ein Fisch könnte in einer Welt ohne Wasser dennoch ein Fisch bleiben, aber einen Körper entwickeln, der ein Leben am Lande zulässt, und der in Elementarteilchen wirkende Geist könnte woanders Atome und molekulare Strukturen hervorbringen, die mit denen dieser Welt nicht verglichen werden können.
Schwer zu beantworten ist derzeit die Frage, was nun Geist eigentlich ist und wie er sich gebildet hat. Mir kommt immer wieder in den Sinn, dass wir Geist in Richtung Information verstehen sollten, aber das ist nur eine Idee, die sich mir aufdrängt, die aber nicht richtig sein muss. Ich bin aber zuversichtlich, dass Menschen nach mir auch diese Frage lösen, meine Aussagen überprüfen und vielleicht auch richtig stellen werden. Wenn es einmal viele Menschen geben wird, die in die richtige Richtung forschen, dann werden sich viele Nebel lichten, die heute Tatsachen nicht sehen lassen. Ich hoffe, dass ich ein Stückchen in die richtige Richtung geforscht und damit meinen Mitmenschen gedient habe.
Ich bitte abschließend, nicht zu übersehen, dass Irren menschlich ist und dass auch jenen die Wahrheit nicht zufliegt, die sie suchen. Wirklich wichtig erscheint mir, die Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe in sich zu tragen und stets gerne bereit zu sein, das als unwahr Erkannte von sich zu weisen.