Epilog 

Ich bin mir im Laufe meiner Wahrheitssuche sehr sicher geworden, dass Geist die Grundlage allen Seins sein muss.

     Nach den Beobachtungen der Wissenschaftler scheint dieses Universum bis zu 15 Milliarden Jahre alt zu sein und aus Milliarden Galaxien zu bestehen. Jede Galaxie soll durchschnittlich einhundert Milliarden Sterne umfassen, die Anzahl der Planeten und bewohnbaren Welten kann man nicht abschätzen, weil sie sich unserer Beobachtung entziehen. Weil sich die Untersuchungen auf dieses eine Universum beschränken, können wir keine Aussagen darüber machen, wie viele weitere Weltensysteme existieren. Dieses uns zum Teil sichtbare Universum hat einen Anfang und wird möglicherweise eines Tages ein Ende finden.

     Ich stimme den Theorien der Wissenschaftler zu, dass sich dieses Universum aus einem »unendlich kleinen Punkt« entwickelt hat, weil Geist raumlos ist und daher das Entstehen eines gewaltigen Universums scheinbar aus Nichts möglich macht. Allerdings liegt es auf der Hand, dass demnach der Ursprung allen Seins in Zeiten vor diesem Universum liegen muss. In der Unendlichkeit des Seins müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt jene Aktivitäten gesetzt worden sein, die die Entwicklung unseres Universums bewirkt haben.

    Nach welchen Ideen dieses Universum entstanden ist und warum, ist derzeit nicht feststellbar. Sicher erscheint mir, dass unser Universum keinesfalls durch Zufall entstanden ist. Die Grundlagen für die Entstehung und Entwicklung des Universums müssen von intelligentem Geist erdacht und geschaffen worden sein. Mehr kann man darüber erst sagen, wenn wir noch viel mehr über den Geist erkannt haben werden. Es ist insbesondere zwecklos und schädlich, Behauptungen über Götter aufzustellen, die der derzeitigen geistigen Beengtheit entspringen.

     Wir kennen nur die Lebewesen dieser Welt und halten es für normal, dass Menschen unvollkommen sind, egoistisch denken und handeln. So wie ich es sehe, gibt es aber sehr wohl Welten, die von Wesen bewohnt werden, die frei sind von Lüge und Bosheit und die daher in Harmonie und in Nächstenliebe miteinander leben. Diese unsere Welt ist so geschaffen, dass in ihr Menschen unterschiedlichen Charakters miteinander leben können, in Welten des Jenseits scheint es so zu sein, dass nur geistig ähnlich abgestimmte Wesen in derselben geistigen Sphäre leben können.

     Ich halte es für wichtig, dass wir uns der vielfältigen Möglichkeiten bewusst sind und unsere Fixierung auf die einengenden Vorstellungen aufgeben, die uns gewisse Religionen beigebracht haben. So lange wir uns an angebliche in Büchern festgehaltene Wahrheiten klammern, werden wir den Weg in eine größere geistige Freiheit nicht finden und weiter über das Leben Rätsel raten.

     Gewisse Erkenntnisse sind auch von der Zeit abhängig, in der man lebt. In einer vom Glauben bestimmten Zeit haben es Wahrheitssucher sehr schwer, etwas Licht in das Dunkel der vielen Glaubensmeinungen und Theorien zu tragen. Wenn man niemanden findet, der ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Wahrhaftigkeit in sich trägt, dann kann man auch mit niemandem Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig bereichern.

      Mit der Vorstellung von guten und bösen Göttern fühlten die Menschen des Altertums besser als wir, dass es zwar Wesen geben kann, die in der Erkenntnis und im Schaffen den Menschen überlegen, letzten Endes aber ebenso weder allmächtig noch allwissend sind. Sie zeigen uns auch, dass sie in der Lage waren zu erkennen, ob ein Wesen, das sich als Gott ausgab, gut oder böse war. Diese Unterscheidungsfähigkeit scheint vielen Menschen in den letzten Jahrtausenden abhanden gekommen zu sein. Wie man sieht, halten sehr viele Menschen ein Wesen für Gott, das lügt, heuchelt, betrügt, mordet und versklavt. 

     Viele Menschen sind versessen darauf, an Götter zu glauben, den Göttern Namen zuzuordnen und zu erfahren, ob sie männlich oder weiblich sind, einen langen Bart tragen oder eine Schönheit sind. Diese Denkweise führt nur dazu, dass sich die Menschen in Äußerlichkeiten verlieren und leicht getäuscht werden können. Mit etwas Lebenserkenntnis könnte man der Wahrheit auf die Spur kommen, dass wir uns »unsere Wahrheit« nur nach den Erfahrungen dieser Welt erstellen und dass »die Wahrheit« anders aussehen würde, wenn wir Zugang zu anderen Welten dieses oder eines anderen Universums hätten. Tatsache ist, dass in dieser Welt nur Menschen leben und dass die Menschheit immer ohne direkte Hilfe irgendwelcher Götter auskommen musste. Es mag sein, dass Götter mit Naturgesetzen dafür Sorge tragen, dass die Welt in dieser Form erhalten bleibt, einzelnen Menschen helfen können sie offenbar nicht. Wie sollte dies auch möglich sein, wenn sie doch in entfernten Welten leben und keinen irdischen Körper besitzen?

     Wir müssen nicht unglücklich darüber sein, dass uns stets – ob in dieser oder in einer anderen Welt  - nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Wirklichkeit zugänglich ist. Was würde es uns auch nützen, wenn wir wüssten, dass es vor diesem Universum bereits zahlreiche andere Weltensysteme gegeben hat und dass derzeit Jahrmillionen von uns entfernt in anderen Galaxien Wesen leben, die etwas anders als wir aussehen? Entscheidend ist doch, dass wir es verstehen, in der Welt, in der wir leben, glücklich zu werden und dass wir die Aufgaben und Probleme der jeweiligen Welt bewältigen.

     Viele Menschen können nicht verstehen, wie es sein kann, dass einerseits das Universum Naturgesetzen gehorcht, die die Existenz eines göttlichen Geistes zu beweisen scheinen, dass es andererseits aber niemanden gibt, den man als Hüter der Wahrheit und Gerechtigkeit erkennen könnte. Sie meinen, dass es Wesen geben müsste, die den Menschen den Weg weisen, sie aus schwierigen Situationen befreien und jene zur Rechenschaft ziehen, die gegen gewisse Regeln verstoßen. Das liegt daran, dass wir allzu wenig Menschenkenntnis aufbringen und nicht erahnen, wie unmöglich es ist, von anderen Welten aus Menschen auf den rechten Weg zu führen und zu erziehen. Selbst wenn dies theoretisch möglich wäre, ein solcher Versuch würde sehr bald zu unhaltbaren Auseinandersetzungen führen, weil die meisten Menschen in ihrer geistigen Unreife nur das hören und haben wollen, was ihnen persönlich gut und wahr erscheint.

     Nur zwei Möglichkeiten der Steuerung und Einflussnahme auf diese Welt haben Wesen aus andern Welten: Erstens durch Naturgesetze und zweitens durch Einflussnahme darauf, welche geistigen Wesen als Menschen wann und wo auf die Welt gelangen. Durch gewisse Menschen können neue geistige Strömungen ausgelöst und damit der Lauf der Dinge verändert werden.

     Offenbar wurde unser Universum so geschaffen, dass es nicht möglich ist, anders als durch den irdischen Tod zu anderen Welten zu gelangen. Die Entfernungen zwischen den Galaxien, Sternen und Planeten sind so gewaltig, dass es uns nie gelingen kann, zu einer anderen bewohnbaren Welt zu gelangen. Wer davon träumt, dass Menschen eines Tages mit einem Raumschiff Dutzende, Hunderte oder gar Tausende von Jahren gesund und froh durch das Weltall fliegen werden, versteht wenig von Psychologie und den Grenzen der menschlichen Belastbarkeit. Bewältigen wir doch lieber die Probleme dieser Welt, beseitigen wir die Not und das Elend der leidenden und benachteiligten Menschen und schaffen wir durch ein menschlicheres, wahrhafteres und edleres Verhalten eine Welt, in der die Liebe regiert und nicht das Misstrauen und die Verderben bringende Gier nach mehr und mehr.

     Mir ist bewusst geworden, dass die meisten derzeit lebenden Menschen nicht bereit sind, die Wirklichkeit zu akzeptieren und zu meistern. Es leuchtet zwar jedem einzelnen ein, dass alle Menschen dasselbe Recht auf ein glückliches und friedliches Leben haben, in der Praxis aber spielt diese Einsicht keine große Rolle. In der durch den Glauben verursachten allgemeinen Verirrung und Verwirrung versuchen die Menschen, für sich und die eigene Familie einen Ort relativen Friedens zu schaffen, in welchem sie glücklich und zufrieden leben können. Vielen Menschen ist der Wille zur Wahrhaftigkeit, zur Erkenntnis des Lebens und zu einem bescheideneren, natürlichen Leben abhanden gekommen. Man orientiert sich an den Mächtigen und Reichen und versucht, selbst auf ähnlichen Wegen zu Geld und Ansehen zu gelangen. 

     Es wurde oft genug dargestellt, wie die Dokumente des Neuen Testamentes zustande kamen und wie unvernünftig und eigensüchtig die Gebote der Kirche sind, die nach und nach aufgestellt wurden. Aber weil die Stellvertreter Gottes in so wunderschönen Kleidern erscheinen, bedient und bewundert werden und angenehm auf Kosten ihrer Mitglieder leben, akzeptiert man die vielen Lügen, auf denen die Glaubensgebäude errichtet wurden. Man weiß zwar, dass Christus einfach gekleidet, offen, ehrlich und bescheiden war und von niemandem Geld verlangt hat, nimmt es aber hin, dass die Realität mit den Ursprüngen des Christentums nur wenig gemeinsam hat. 

     Monarchen, Kaiser, Könige, Politiker, Schauspieler, Manager und noch viele andere Menschen leben vor, wie man sich über die Masse der Menschen erheben, Geld und Macht gewinnen und es sich schön richten kann. Und weil alles, was sie sind und haben, schön und erstrebenswert aussieht, ahmt man ihnen nach und bewundert sie. 

     Weil in diesem verirrten Glaubensgeist nicht alle Millionäre und Milliardäre werden können, wählen viele Menschen krumme Wege, um zu Geld zu kommen, werden zu Heuchlern, Betrügern, Dieben und Räubern, zumal die Wahrscheinlichkeit, beim Stehlen und Rauben erwischt zu werden, nicht sehr groß ist. Und wer nicht genug kriminelle Energie in sich trägt, versucht sein Glück mit Glücksspielen, um solcherart zum großen Geld zu kommen. 

     In dem Geiste des Egoismus versucht man, dem Staat, also der Gemeinschaft von Menschen, so viel wie möglich abzunehmen. Erfolg und Umsatz sind die Eckpunkte vieler Manager, nicht etwa die Menschen, um ihnen Arbeit und ein wenig Erfüllung in ihrer Arbeit zu geben. Und weil nahezu alle so denken, bestätigen sie einander ihre Denkweise. Denn wenn so viele Wölfe nach Beute Ausschau halten, dann erscheint es vernünftig und sonnenklar, dass man sich nur so und nicht anders verhalten kann. 

     Damit die Menschen kaufen, was sie eigentlich nicht benötigen, gibt man Unsummen für die Werbung aus. Um Flügel zu bekommen und abzuheben, soll man ein Getränk kaufen, in dessen Preis beachtliche Kosten der geistigen Manipulation mit enthalten sind. Eine unübersehbare Zahl von Artikeln mit allerlei chemischen Zusätzen wird für die Pflege des Körpers angeboten, obwohl ein Stück natürlich hergestellter Seife den Schmutz einfacher, gesünder und billiger bewältigen könnte. Kleider und Schuhe müssen gekauft werden, weil sich schon wieder die Mode geändert hat, obwohl die Kästen voll gestopft sind und keines der Kleider verschlissen oder gar zerrissen ist. Waren werden Tausende Kilometer herangeholt, obwohl sie vor der eigenen Haustüre wachsen, Tiere wie Artikel produziert, herzlos und abscheulich behandelt. Wie herzlos und verirrt müssen Menschen sein, die jegliches Mitgefühl und jegliche Achtung vor den Tieren verloren haben und nur daran denken, wie sie diese als Ware billig einkaufen können?

     Damit das System funktioniert, beginnt man mit dem Erfolgsdenken bereits bei den Schülern der Grundschulen. Da bleibt selbstverständlich keine Minute übrig, um den Kindern zu zeigen, wie man ein zufriedener, verantwortungsbewusster, kritischer und freier Mensch wird, wie man Konflikte löst und ein glückliches Mitglied der menschlichen Gemeinschaft wird. Lediglich für Zwecke der Kirchenpropaganda wird Zeit erübrigt, obwohl sich kaum ein Kind für die Märchen und Lügen der Pfarrer interessiert. 

     Es ist erstaunlich, wie es beispielsweise die Indianer geschafft haben, bis zur Ankunft der Unterdrücker aus Europa zu überleben, wenn sie doch keine Schulen besuchten, keine Konzerne besaßen, keine Wolkenkratzer bauten, keinen abartigen Künsten huldigten, Achtung vor den Tieren aufbrachten, keine Atombomben herstellten und keine Handys mit sich trugen? 

     Um die Nehmergesellschaft beherrschen und verwalten zu können, müssen Einrichtungen geschaffen werden, von denen Indianer keine Vorstellung hatten. Wenn etwas geschah, konnten die Ältesten der Indianerstämme die Sache mit dem gesunden Hausverstand bereinigen. Heute gibt es erfolgreiche Gesetzesfabriken mit viel Erfahrung, so dass sie jeden Schmarren festhalten und in Gesetze kleiden können. Damit diese unüberschaubare Flut von Gesetzen angewandt werden kann, braucht man Rechtskundige, Richter, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater und neuerdings auch Computer, weil die Vollziehung gewisser Gesetze mit den Köpfen der Menschen allein nicht mehr bewerkstelligt werden kann. Selbstverständlich braucht man auch eine Polizei, um jene einzufangen, die sich nicht an die Gesetze halten, Staatsanwälte, um sie zu überführen und Gefängnisse, um die Gesetzesbrecher festzuhalten.

     Ich sehe das Hauptproblem nicht in einem angeblichen Herdentrieb der Menschen, sondern in der herrschenden Glaubenshaltung, die dazu führt, dass Menschen geneigt sind, Verhaltensweisen anderer Menschen vergleichsweise kritiklos anzunehmen. Wenn der liebe Gott und seine Stellvertreter den Glauben an ihn und seine Anordnungen verlangen, der Glaube als heilig angenommen wird und dazu noch im täglichen Leben alles auf Kontinuität ausgerichtet ist, dann darf es einen nicht wundern, dass sich die Menschen in der beobachteten Weise verhalten. Wenn man Menschen von Klein an lehren würde, dass die Erkenntnis der Wahrheit, dass Offenheit, Wahrhaftigkeit und ein gutes Herz für Mitlebewesen für das eigene Glück und das Wohl der Allgemeinheit entscheidend sind, dann würden die Menschen auch diesem Weg folgen und eine völlig neue Welt schaffen.

     Es wird der Eindruck erweckt, als ob es »geil« wäre, sich entsprechend zu »stylen«, allerlei Chemie aufzutragen, den Busen zu vergrößern, die Männerwelt zu erregen und ein unnatürliches Gehabe an den Tag zu legen. Wie sollen sich junge Mädchen zu liebenswürdigen, natürlichen, innerlich und damit äußerlich schönen Frauen entwickeln, wenn sie ständig vorgelebt bekommen, dass erotische Ausstrahlung, Sex und Verführung mehr bewirken? Was soll aus heranwachsenden Männern werden, denen man ständig Action, Gewalt, Egoismus und Geistlosigkeit vorlebt?

     Ich habe es ausprobiert und selbst erfahren, dass man eine Firma aufbauen und Erfolg haben kann, obwohl oder weil man offen, aufrichtig und bescheiden ist. Ich habe mich immer darauf verlassen können, dass ich meinen geistigen Weg beibehalten konnte. Kein einziges Mal musste ich einen Kompromiss eingehen, jemanden über das Ohr hauen, belügen oder betrügen. Ich habe die Mitanbieter respektiert und ihnen ihren Erfolg gegönnt. Ich habe die weiblichen Mitarbeiterinnen nicht benachteiligt und gerne alle am Erfolg beteiligt. Deshalb ist niemals jemand zu mir gekommen, um eine Gehaltserhöhung zu erbitten.

     Weil Jahwe, dieser seltsame Wüstengott, die Frau aus der Rippe des Mannes gebildet haben will, werden Frauen bis heute maßgeblich benachteiligt. Ich habe es nie verstanden, warum man weiblichen Mitarbeiterinnen weniger bezahlen soll als männlichen, wenn sie doch ebenso intelligent sind und dieselbe Arbeitsleistung erbringen. Auch hier zeigt sich, wie die Geschäftemacher in ihrem anerzogenen Glauben Menschen benachteiligen können und wie viele nur an Gewinnoptimierung denken.

     Man könnte die Liste der unvernünftigen und im Geiste des Glaubens vollbrachten Handlungen lange fortsetzen. Ich will es damit bewenden lassen, zu zeigen, wohin der Glaube ohne Erkenntnis der Wahrheit, ohne wahrer Lebenserkenntnis, führt, und wie sehr sich Menschen in ihrem Glauben selbst belügen und betrügen können. Es ist auch überflüssig zu demonstrieren, was alles gut und was böse ist. Wenn man es wirklich will, findet man leicht heraus, was wahr und gut und was unwahr und böse ist. Oder muss man wirklich erklären, dass zum Beispiel der Terror in der Welt nicht mit Gegenterror, sondern nur mit gegenseitigem Verständnis, gegenseitiger Achtung und mit miteinander Reden behoben werden können?

     Mir ist schon klar, dass wir in einer Welt der Gegensätze leben und dass Benachteiligungen, Ungerechtigkeiten, Leid und Schmerz Bestandteile des Lebens auf Erden bleiben werden. Diese Welt dient offensichtlich dazu, jedem Menschen die Entfaltungsmöglichkeit zu bieten, um lernen zu können und Erfahrungen aus der geistigen Einstellung zu sammeln. Es hat keinen Sinn zu erwarten, dass jeder Mensch edel und gut sein wird, wenn sich die allgemeine geistige Einstellung verbessert. Die unterschiedlichen geistigen und seelischen Eigenschaften und Prägungen können nur durch eigene Erfahrung und durch viel Geduld der Beteiligten geändert und zum Besseren gewendet werden. Wenn jedoch der gute Wille da ist, wenn Menschen ihre geistigen Fähigkeiten für das Wahre und Gute nutzen, dann wird diese Welt einige geistige Stufen weiter kommen und viel an Dunkelheit verlieren. 

     Ohne Lebenserkenntnis können Menschen nur in die Irre gehen und im Irrtum Schmerz und Leid verursachen. Ohne Hoffnung auf eine bessere Welt, ohne Wissen um das Ideal der Wahrheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe schafft man Menschen ohne Lebensziel und Hoffnung, arme Kreaturen, die am Sinn des Lebens zweifeln und verzweifeln.

     Wir können tadeln, lobhudeln, beten und opfern, einen Wert hat dies alles nicht. Es ist gut so, dass jeder für sich entscheiden muss, wie und wo er leben will. Und es ist gut so, dass wir nicht fortlaufend bei einer höheren Stelle fordern oder demonstrieren können. Es kann jeder den Weg der Wahrheit oder den gegenteiligen Weg der Lüge, Tücke, Hinterlist und Eigensucht wählen. Kein Gott kann und wird den Willen eines Menschen brechen, weil die geistige Abstimmung nur durch den eigenen Willen geändert werden kann.

     Den Himmel oder die Hölle schafft sich jeder mit seiner Denkweise selbst, dafür braucht man keine Götter. Wer ein Freund der Lüge und Heuchelei ist, der schafft sich eine innere Welt, die seinem Denken entspricht und die je nach Grad der Bosheit zur Hölle werden kann. Wer den Weg der Wahrheit geht, das Lügen verabscheut, aufrichtig und offen ist, der schafft sich nach und nach eine lichte und friedliche innere Welt. Nach dem Abgang von dieser Welt nehmen alle ihre innere Welt mit und ordnen sich in eine Welt ihrer Abstimmung ein. Ein jenseitiges Gericht ist dafür nicht erforderlich und nicht vorgesehen.

     Wir müssen aufhören zu glauben, jedem stünde eine Delegation von guten Geistern zur Verfügung, die sich um jeden Kleinkram kümmern und vor jedem Schaden bewahren. Ich habe schon gesagt, dass jedem Menschen ermöglicht wird, Erfahrungen zu sammeln, also auch und vielleicht vor allem jenen, die im Glauben sehr verirrt sind und Taten vollbringen, die sich für andere Menschen nachteilig auswirken. Das Böse kann auch guten Menschen zu Erfahrungen verhelfen, die für den weiteren Lebensweg von Bedeutung sind. Wir leben in einer Welt der Gegensätze, in einer großen Schule mit vielen Erfahrungsmöglichkeiten. 

     Es ist stets die bildhafte Vorstellung, die durch den Willen eines Wesens zur Auswirkung kommen kann. Alles entsteht und vergeht durch den Willen des Geistes. So wie wir Menschen ein Haus erdenken und bauen, so können Wesen mit ihrer Vorstellungskraft Welten erdenken und entstehen lassen. In medialen Berichten wird immer wieder erklärt, wie Geist wirkt. So zum Beispiel im »Tatsachenbericht«: „Das Schaffen jedes bewusst lebenden und erkenntnisfähigen Wesens ohne den irdischen Leib – also im Jenseits – geht unmittelbar durch sein Denken vor sich. Das schaffende Geisteswesen braucht keine Hände und Werkzeuge, denn seine Erkenntnis wirkt sich unmittelbar auf den kleinsten Geist aus und schafft jene Formen und erzielt jene Wirkungen, die seinem Bewusstsein innewohnen und durch seinen Willen zum Ausdruck gelangen. Je größer die Denkfähigkeiten eines Wesens sind und je mehr dieses erkennt, desto mehr kann es schaffen“.

     Zum Unterschied zum gläubigen Menschen wird ein wahrhafter, offener und aufrichtiger Mensch keinen Glauben an irgendwelche Theorien verlangen, sondern nur seine Erkenntnisse mitteilen und zum Nachdenken anregen. Lebenserkenntnis kann man nicht wie eine Pille schlucken, man kann sie nicht in einem Buch festschreiben und als Wahrheit anbieten, weil sie jeder für sich erarbeiten muss. Der Weg zur Wahrhaftigkeit ist ein innerer Reifeprozess, ein langer Weg, der den Willen zum Guten voraussetzt. Ein gläubiger, selbstsüchtiger, verlogener und heuchlerischer Mensch kann die Wahrheit nicht erkennen und die lichte Welt des freien Geistes nicht erreichen, weil er sich mit seinem Glauben selbst einen undurchdringlichen Nebel schafft.

     Ein freier, der Erkenntnis der Wahrheit verpflichteter Mensch zwingt niemanden zur Annahme einer Meinung oder eines Glaubens. Ein wahrhafter Mensch wünscht nur, dass man ihm mit Offenheit, Aufrichtigkeit und Liebe begegnet und dass man bereit ist, die Wahrheit der Lüge vorzuziehen und wie ein wahrer Mensch zu denken und zu handeln. Seinem Freiheitsstreben entspricht es, sich nicht an Äußerlichkeiten zu binden. Er benutzt die Güter, die ihm zur Verfügung stehen, mit Dankbarkeit und gibt gerne her, was er entbehren kann. Er orientiert sich an Vorbilder, die bewiesen haben, dass sie der Wahrheit gefolgt und im Geiste der Nächstenliebe gewirkt haben.

     Die wirklich guten Menschen bewegen sich nicht abgehoben von der Menschheit, sie tun vielmehr ihr möglichstes, um den Kummer und das Leid der Mitlebewesen zu lindern. Sich abzusondern und im Lichte einer angeblichen Erleuchtung zu strahlen, mag vielleicht wohltuend sein, Menschen in Not zu helfen und zu trösten und gegen die Wurzeln der Unwissenheit vorzugehen, ist großartiger und notwendiger. Wahren inneren Frieden finden jene, die jede Art von Anhimmelung, Lobhudelei, Verklärung, Geheimnistuerei, Zeremonien etc. als unvollkommen empfinden und entschieden ablehnen.

     Ich wünsche abschließend meinen Mitmenschen, dass sie gleich mir erkennen, dass ein friedliches gemeinschaftliches Leben nur im Geiste der Wahrheit und Nächstenliebe möglich ist. Die Wahrheit ist nicht das Eigentum irgendeines Wesens, Wahrheit ist nur ein Begriff ähnlich wie die Lüge, die ebenfalls niemandes Eigentum ist. Wahrhaftig sein kann jeder und lügen auch. Es hängt von der geistigen Einstellung ab, ob jemand der Wahrheit folgt oder das Lügen und Heucheln der Wahrheit vorzieht. Lassen Sie sich bitte niemals von angeblich großartigen Theorien und Ideen blenden, es kommt immer nur auf den Menschen an, wie er sich abstimmt und welchen Wegen er folgt.

     Bedenken wir, dass wir in einer Welt der Gegensätze leben, die uns tagtäglich vor Probleme stellt, die uns oft schwer zu schaffen machen. Die Mühen und Enttäuschungen belasten unsere Seele und drücken sie nieder. Zwar gibt es auch die Seele erhebende Momente, aber die Zahl dieser glücklichen Augenblicke ist klein. Lernen wir wenigstens aus diesen Schwierigkeiten, damit wir nicht umsonst auf dieser Welt gelebt haben und nach unserem Abgang in eine liebevolle, friedliche, harmonische und glückliche Welt eingehen können.

     Wer unbedingt glauben will, dass alles nur Zufall ist, der wird nach seinem Ableben unvorbereitet in eine Welt seiner Abstimmung gelangen und vielleicht lange brauchen, um zu begreifen, dass er nicht mehr auf der Erde lebt. Ich hoffe aber, dass niemand so unvernünftig ist und - wenn er schon in seinem Glauben verharren will - wenigstens einige Informationen einholt, die nach dem Abgang von dieser Welt den Weg nach oben erkennen lassen. 

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