Erster Teil
Im ersten Teil meines Werkes möchte ich dem Leser erzählen, woher ich komme und wie ich zu der Suche nach der Wahrheit kam.
Am Beispiel der Mun-Sekte, die ich besuchte, möchte ich einerseits die Gefahren aufzeigen, die von Sekten ausgehen, andererseits verständlich machen, warum viele Menschen bei Sekten landen und wie diese Sekten zu ihren Erfolgen kommen können.
Am Beispiel des Tatsachenberichtes, der mich überaus beschäftigt hat, möchte ich demonstrieren, dass große Irrtümer sogar dann geschaffen werden können, wenn der gute Wille, das Verlangen nach Wahrheit und eine ehrliche Absicht vorhanden sind. Gewisse Umstände und Tatsachen sowie die Unreife der Zeit genügen, um Menschen zu gewissen Fehlschlüssen und Fehlhandlungen zu verleiten. Am Beispiel des Tatsachenberichtes möchte ich auch zeigen, dass es auch andere Erklärungen dafür geben kann, warum es keine authentischen Schriften von und über Christus gibt und warum so viel gefälscht und vordatiert wurde.
Ich möchte schließlich kritische Stimmen wie Joachim Kahl und Gustav Wyneken zu Wort kommen lassen, die das Fundament der Kirche und ihr Wirken durchleuchtet und beschrieben haben. Ich halte es für erforderlich, die Geisteshaltung der Kirche neuerlich zu kritisieren. Es ist Zeit, dass wir endlich die Glaubensvorstellungen endgültig über Bord werfen und ein Zusammenleben in einem wahrhaften Geiste anstreben.
Ferner möchte ich über Bücher informieren, die sich in einem wissenschaftlichen Geiste mit der Erforschung des Geistes und der geistigen Phänomene befassen. Sie sind ein Wegweiser dafür, dass man die Fragen des Lebens und des Weiterlebens auch sachlich und von Glaubensvorstellungen befreit behandeln kann.
Schließlich liegt mir sehr am Herzen, die Aufmerksamkeit des Lesers auf Menschen hinzulenken, die in der Vergangenheit gewirkt, die Wahrheit gesucht und zum Wohle ihrer Mitmenschen gearbeitet haben. Sie können uns Vorbilder in der Wahrheits- und Nächstenliebe sein und uns zeigen, dass auch große Geister den Problemen und den natürlichen Grenzen des irdischen Lebens unterworfen sind und irren können.
Die Jahre vor dem Beginn der Wahrheitssuche
Meine Eltern waren Bergbauern auf der Saualpe in Kärnten. Mein Vater, 1895 geboren, war zum Zeitpunkt meiner Geburt bereits fünfzig Jahre alt. Ich habe ihn als einen sehr lieben Menschen in Erinnerung. Er war ein blendender Erzähler und beliebter Unterhalter, ein fortschrittlich denkender Mensch und ein guter Vater. In langen Winterabenden musste er immer wieder von seinen Erlebnissen in zwei Weltkriegen erzählen, und wir Kinder, die Nachbarn oder Bekannten hörten ihm zu, wie er von seiner Gefangennahme in Russland, den kalten Wintern, seinen Versuchen, den Mitgefangenen zu helfen, seiner Flucht, seinem Einsatz im zweiten Weltkrieg an der Heimatfront und den Erlebnissen mit den Partisanen erzählte.
Meine drei Brüder, meine Schwester und ich gingen in Greutschach in die Volksschule. Die Hauptschule befand sich nahezu zwei Gehstunden entfernt in Griffen, so dass kein Schüler an den Besuch dieser Schule dachte. Als ich zehn Jahre alt war, drängte es mich, diese Hauptschule zu besuchen, obwohl ich nur wenig über sie gehört hatte. Meine Eltern rieten mir ab, ließen mich aber schließlich gehen. Es sollte auch nicht lange dauern, bis ich zurück zur Volksschule musste. Ich konnte mir einfach die Dinge nicht kaufen, die ich benötigte, und besaß auch das Buch nicht, aus welchem mich der Englischlehrer nach vierzehn Tagen prüfen wollte. Außerdem war mir gerade zu dieser Zeit immer wieder schlecht, und so verfiel ich in Tränen, als mir der völlig ahnungslose Englischlehrer sofort eine Fünf verpasste.
Mein älterer Bruder Erich sollte als Erstgeborener einmal die Landwirtschaft übernehmen. Mein jüngerer Bruder Richard hatte das Glück, dass ihn der Pfarrer nach Tanzenberg schickte, um Pfarrer zu werden (was nicht geschah). Als Zweitgeborener sollte ich nach den Vorstellungen meiner Eltern einmal irgendwo einheiraten. In mir Buben aber war etwas, das ich mir bis heute nicht so ganz erklären kann. Ich sah an der Kirchhofstür ein Plakat, nach welchem Spätberufene irgendwo Chancen hätten, und als ich fünfzehn Jahre zählte, wollte ich die Gelegenheit nutzen, Kaufmann zu werden. Mein späterer Chef fragte mich nämlich bei einem Einkauf, ob ich Kaufmann werden möchte. Ich war sofort begeistert und bedrängte meine Eltern, mich gehen zu lassen. Schließlich kam es tatsächlich dazu, ich wurde Lehrling und erhielt die Gelegenheit, am ersten Arbeitstag Ribisel zu pflücken. Später war ich oft Hilfsarbeiter und half dem Chef beim Mauern. Dennoch war ich erfolgreich, nützte aber die erste Chance, die sich mir bot, um mich zu verändern.
Ich besuchte während der Lehrzeit einen Maschinschreibkurs und betrachtete oft die großen Plakate der Maturaschule Dr. Roland, die mir sagten, dass es eine Möglichkeit gäbe, die Matura in Abendkursen nachzuholen. Da mir jedoch das nötige Geld fehlte, entschied ich mich zu warten und ließ mich ehest möglich zum Bundesheer einberufen. Ich kam nach Villach und später zum Militärkommando in Klagenfurt, wo ich, weil ich das Schreiben auf der Schreibmaschine mit zehn Fingern erlernt hatte, im Büro des Kompaniekommandanten Verwendung fand.
Zu dieser Zeit meldete ich mich bei Dr. Roland an, erhielt Skripten, lernte Englisch und Latein, Mathematik und Deutsch. Ich entschied mich, einige Jahre in einem Büro beim Bundesheer zu bleiben, wollte aber die Versetzung nach Wien, die der Kommandant trotz meiner guten Gründe ablehnte, weil er mich in seiner Kanzlei behalten wollte. So machte ich deshalb - ohne dass mir dies damals so richtig bewusst wurde - eine erste Bekanntschaft mit Protektion und Freunderlwirtschaft. In meinem Zimmer schlief nämlich auch ein Soldat, der Kontakte zum Schulrat hatte, der sich sodann bei seiner Partei im Landesverteidigungsministerium für meine Versetzung einsetzte. Weil jedoch der Minister einer anderen Parteifarbe angehörte, erwirkte die Intervention »nur« eine Versetzung zum Gruppenkommando I in Wien. Als mich der Kommandant nach meiner Versetzung zum Gruppenkommando zu sich rief - warum er dies tat, weiß ich bis heute nicht -, fragte er mich, ob ich Freunde bei einer gewissen Partei hätte. Ich sagte ihm die Wahrheit und noch dazu, dass mein Vater Landwirt sei und eigentlich immer jene andere Partei gewählt habe. Daraufhin war ich kurze Zeit später im Landesverteidigungsministerium und fand Beschäftigung bei einem Kärntner Major, der mich verstand und unterstützte.
Die Matura schaffte ich nach etwa drei Jahren, war aber bereits so belastet, dass ich die Tasse Kaffee mit beiden Händen fassen musste, um den Kaffee nicht auszuschütten. Noch Monate nach bestandener Matura träumte ich von den Prüfungen, bis ich mir morgens nicht mehr sicher war, ob ich sie bestanden hatte oder nicht. Dazu kam zu dieser Zeit der Tod meines Vaters unter gewissen traurigen Umständen, so dass ich auch häufig von Vater träumte, wie er wieder da war und lebte und wieder unter die Erde musste...
Mein Vertrag mit dem Bundesheer lief ab, und ich suchte mir eine Beschäftigung in der Personalverrechnung. Ich begann mit dem Studium der Rechtswissenschaften, weil ich Richter oder ein Personalchef in einer großen Firma werden wollte und weil ich außerdem kaum eine andere Studiengelegenheit sah. Nach einem Jahr schaffte ich die erste von drei Staatsprüfungen. Zu den Prüfungsfächern zählten auch die Fächer Kirchenrecht und Kirchengeschichte.
Ich besuchte eine private Schule, die Rechtskurse abhielt. Der Professor war irgendwie ein lustiger Mann, der es verstand, die Ungereimtheiten in der Kirche auf eine etwas lustige Art darzulegen. Er sprach von Fälschungen und von noch mehr Fälschungen, so dass ich mich nur noch wundern konnte. Es passte nicht in meinen Kopf, dass die Herren Pfarrer in Kenntnis dieser Fälschungen von Wahrheit sprechen und alle weiteren Umstände verschweigen würden.
Zu dieser Zeit hielt eine »Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums« in einem gemieteten Raum der Universität Wien Vorträge. Ich sah da offenbar eine Möglichkeit, mich über das Christentum zu informieren. Es kam aber anders, als ich es mir damals hätte vorstellen können.
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